86 Stunden Hochgenuss – Tor des Geants 2016

Tor des Geants ist ein außergewöhnliches Trail-Rennen am Fuße der höchsten Viertausender der Alpen: Mont Blanc, Monte Rosa, Gran Paradiso und dem Matterhorn. Patagonia Ambassador Thomas Bohne finishte die 339 Kilometer lange Reise mit einem zermürbenden Anstieg von 24 000 Höhenmetern in 86 Stunden, inklusive 3.5 Stunden Schlaf, und belegte damit den 6. Gesamtrang.

© Jeantet Stefano

Mein Abenteuer begann etwas holprig. Als Nicht-Favorit musste ich mich in der Startaufstellung ganz hinten einreihen und konnte mich nur langsam und unter den verständnislosen Blicken der anderen Läufer nach vorn durchzwängen. Etwa einhundert Athleten befanden sich noch vor mir, als die Musik allmählich lauter wurde; ein deutliches Zeichen dafür, dass der Start kurz bevorstand. Der Sprecher schrie in das Läufermeer, die Athleten streckten ihre Stöcke empor, klatschten und Wellen der Begeisterung erhoben sich. Plötzlich plätscherte es neben mir leise. Eine blonde Läuferin mit blauem Röckchen hatte mir vor Aufregung auf die Schuhe gepinkelt und lächelte mich jetzt ganz verlegen an. Das geht ja gut los, dachte ich in diesem Augenblick.

© Giorgio Augusto
© Giorgio Augusto

Die ersten Meter vergingen wie im Flug unter dem tosenden Applaus der Zuschauer, doch bereits hinter Courmayeur wurde der Weg schmaler und ich steckte im staubigen Läuferstau. Während die Spitze des Feldes ihr eigenes Tempo bestimmen konnte, blickte ich im zäh fließenden Läuferstrom sorgenvoll auf meine Uhr. Einzelne Läufer verließen den Weg, um unter enormer Anstrengung den Berghang auf direktem Weg zu erklimmen, nur um sich wenige Meter weiter vorn wieder in die lange Schlange einzureihen. Erst später wurde der Pfad breiter und ich konnte mein Tempo aufnehmen.

© Judy Ng

Noch vor dem ersten Pass gab mein rechter Laufstock unerwartet nach und zerbrach in zwei Hälften. Im Angesicht der baumelnden Carbonhälften kam ich ins Grübeln. Hatte ich doch vor dem Lauf meiner Partnerin Judy versichert, dass der Tor des Geants ohne Stöcke fast nicht laufbar sei, stand ich jetzt im Schlamassel. Sie sollte mich eigentlich nicht betreuen, sondern als freiwillige Helferin die Organisation im einhundert Kilometer entfernten Cogne unterstützen. Als ich im ersten Downhill gleich noch schwungvoll auf einem Kuhfladen wegrutschte und unsanft seitlich aufschlug, beschloss ich Unterstützung anzufordern. Ihre Reaktion kam nicht unvermittelt. “Wie bitte? Deine Stöcke sind am ersten Anstieg gebrochen? Ich bin schon in Cogne”, antwortete sie überrascht. Später erhielt ich unbemerkt eine SMS mit dem Inhalt: “Schaffst du es ohne Stöcke bis Cogne?” Darauf folgte: “Deine Stöcke warten in Cogne auf dich.”

Im ersten Talort La Thuile herrschten tropische Temperaturen und die Verpflegungsstation war proppenvoll. Die erhoffte Einsamkeit des Rennens war hier nicht im Entferntesten zu spüren. Wasser auffüllen, ein paar Scheiben Schinken und Kekse fassen, dann schnurstracks in Richtung Rifugio Deffeyes. Ab und zu ließen mich Läufer vorbei, doch gelegentlich war ihr Ehrgeiz so groß, dass geschickte Überholmanöver gefragt waren. Kurz vor Deffeyes erblickte ich erstmals bekannte Gesichter aus der Vorstellung der Top-Athleten. Scheinbar haben die nen schlechten Tag, dachte ich zunächst.

Ein Paradies liegt dir zu Füßen, doch diese schmerzen bereits erheblich

Hochalpiner Zauber

Oberhalb der Baumgrenze wurde die Landschaft sehr karg. Wir balancierten über Felsblöcke und liefen über goldgelbe Hochalmwiesen. Der Herbst war hier bereits ganz nah. Große Granitblöcke, steile Schotterrampen und blaue Seile an exponierten Stellen zählten zu den Schmankerln der nächsten Kilometer. Hier oben fühlte ich mich wohl, hier war ich zu Hause.

Auf dem Abstieg vom 2829 Meter hohen Col Crosatie steht das Denkmal des chinesischen Läufers Yang Yuan, der hier 2013 als Teilnehmer des Tor des Geants ums Leben kam. Der Stein enthält die Inschrift eines Gedichtes, das er selbst verfasst hat. Im Vorbeilaufen bemerkte ich, wie der Läufer vor mir das Denkmal als kleine Geste der Anteilnahme berührte. Ich tat es ihm gleich.

Die erste große Basisstation nach fünfzig Kilometern und 4747 Höhenmetern war der Ort Valgrisenche. In einem dunkel vertäfelten Gastraum standen feierlich eingedeckte Tische mit Wasser und Colaflaschen bestückt. Die führende Frau, Silvia Trigueros Garrote, saß als einzige im Raum an einem der Tische. Sie war über ihren Teller gebeugt und aß wortlos. Ich nahm an einem der anderen Tische Platz und gab meine Bestellung auf. Nach einer Portion Pasta verließ ich den Verpflegungspunkt und befand mich auf Silvias Fersen.

Vier Jahreszeiten innerhalb von 24 Stunden sind keine Überraschung im hochalpinen Klima © Jeantet Stefano

Trilogie des Leidens

Bei Einbruch der Dunkelheit setzte leichter Regen ein und wir stiegen zusammen zum Chalet de l’Epee auf. Die Kameras klickten beim Betreten der Hütte, denn Silvia war der Star des Abends. Jede ihrer Bewegungen wurde dokumentiert. Wir tranken ein paar Becher Cola und knabberten ein paar Nüsse. Ab einer Höhe von 2500 Metern nahm der Sauerstoffgehalt merklich ab und mein Motor verlor an Leistung. Bei jedem Meter pochte mir das Herz bis in den Hals und die Lichtkegel meiner Verfolger schienen immer näher zu kommen. Am nächsten Gipfel, dem Col Fenêtre auf 2854 Metern, trennten sich unsere Wege. Auch wenn mir die folgenden Anstiege auf den Col Entrelor (3002 Meter) und Col Loson (3299 Meter) zu schaffen machten, konnte ich in den nächtlichen Abstiegen regelmäßig Athleten überholen und Plätze gutmachen. Besonders dankbar war ich hier meiner Lupine Piko, die bei 20 Stunden Akkulaufzeit solide 150 Lumen Ausleuchtung lieferte. Gute Sicht ist besonders bei den anspruchsvollen Abstiegen ein entscheidender Vorteil.

Rifugio Bertone © Jeantet Stefano

Wunden lecken in Cogne

Nach 106 Kilometern erreichte ich im Morgengrauen die Basisstation Cogne. Mit einem breiten Lächeln im Gesicht stand Judy vor mit und begrüßte mich voller Freude. Die rettenden Stöcke standen bereit. Nach kurzer Versorgung einiger Scheuerstellen dachte ich an die Worte meines Lauffreundes Axel Zapletal und entschloss mich, dreißig Minuten zu schlafen. Die kurze Pause war zwingend notwendig, auch wenn mich in dieser Zeit sieben Läufer überholten.

Gemeinsam mit dem Lokalheld Marco auf altem römischen Pflaster. © Luca Perrazone

Aufholjagd mit Hupkonzert

Bereits kurz hinter Cogne konnte ich die ersten Läufer, die mich während der Ruhepause überholt hatten, einsammeln. Darunter war auch Marco, ein Läufer aus der Aosta-Region und frenetisch gefeierter Lokalheld. Marco blieb mir den ganzen Tag auf den Fersen und wir lieferten uns ein Verfolgungsrennen über 50 Kilometer bis zur nächsten Basisstation Donnas. Mit dabei war seine Fangemeinde, die ihn in jeder Verpflegungsstation euphorisch empfing und uns auf Teerpassagen im Autokorso mit Hupkonzert verfolgte. Offensichtlich kannten sie jede Stelle, die mit dem Auto erreichbar war, denn die Hupen waren schon von weitem zu hören.

Die letzten Meter nach Donnas setzten mir zu, denn Temperatur und Luftfeuchte ähnelten dem Innenraum einer Sauna nach dem Aufguss. In der Basisstation angekommen, streckte mir Judy gleich ein Handtuch entgegen und ich tapste zur Abkühlung unter die Dusche. Im Duschraum stutzte ich verblüfft, denn vor mir standen Marco mit seinem größten Fan – seiner Frau. Wahnsinn, fehlte nur noch die Vuvuzela. Vor der Weiterreise stand noch eine Massage auf meinem Programm, denn scheinbar hatten meine Knie die ersten einhundert Kilometer ohne Stöcke weniger gut verkraftet als angenommen und schwollen an. Beim Ablegen des Oberkörpers fiel dieser direkt in einen fiebrigen Ruhezustand und die Erschöpfung war erstmals deutlich spürbar.

© Jeantet Stefano

Rolling Stones Blockkonzert

Obwohl die Hälfte der Strecke noch nicht absolviert war, befanden wir uns nach Donnas auf der Alta Via 1 und damit auf dem Rückweg nach Courmayeur – eine entscheidende Motivationsstütze. Die ersten Meter hinauf bis nach Sassa waren beschwerlich und Marco konnte sich leicht absetzten, ja sogar eine zehnminütige Schlafpause in Sassa einlegen, bevor ich zu ihm aufschloss. Erst mit steigender Höhe kam mein Motor wieder in Fahrt. Kurz vor dem Rifugio Coda Metern überschritt ich in völliger Dunkelheit einen Bergrücken und blickte von über 2000 Metern in die festlich beleuchtete Po-Ebene Italiens. Ein warmer Windhauch blies mir ins Gesicht und ich fühlte mich wieder wohl. Als ich die quietschende Tür vom Rifugio Coda öffnete, klatschte das Team der Hütte zur Begrüßung, darunter die derzeit Erstplatzierte Lisa Borzani. “Hello Thomas, welcome”, sagte Lisa. Die Stimmung im wohlig warmen Gastraum war ausgelassen und nach einer Schale Spaghetti entschied ich mich zu einer zweistündigen Schlafpause im Rifugio. Zum Glück wurde die Begrüßung der nachfolgenden Athleten mit Kuhglocken für diesen Zeitraum ausgesetzt.

© Jeantet Stefano

Während meines Schlafes überholten mich fünf Athleten, zu denen ich jedoch wieder aufschließen sollte. Das Gelände war technisch anspruchsvoll. Wir balancierten durch steiles Blockgelände mit Pfützen und Bächen. Jeder Fehltritt konnte mit dem sofortigen Aus bestraft werden. Im Schatten des nächsten Berges konnte ich den schwachen Schein eine Stirnlampe ausmachen, die sich allerdings sehr langsam zu bewegen schien. Es war Silvia, die mittlerweile Zweitplatzierte. Sie stolperte wie ein Zombie von Stein zu Stein. Als ich bei ihr war, fragte ich sie: “Did you sleep?” Silvia verneinte. Sie hatte Magenprobleme, doch ihr Ehrgeiz schien grenzenlos. “You should sleep Silvia, otherwise your race will be over soon”, sagte ich fürsorglich. Nachdem ich im Rifugio Balma bereits die zweite und bis dahin köstlichste Portion Pasta mit Tomatensoße verschlungen hatte, stand Silvia in der Tür und fragte nach einem Schlafplatz. Ich war beruhigt, warf schnell noch ein, zwei Scheiben hauchdünnen und saftigen Schinken ein und begab mich hinaus in den Mantel der Nacht auf Verfolgungsjagd.

Der anspruchsvolle Steig über Col della Vecchia trieb mir ein breites Schmunzeln ins Gesicht. Es war schier unvorstellbar, dass diese Passagen auch nur tagsüber in einem Rennen in Deutschland auftauchen könnten. Jeder Fehltritt wäre bitter bestraft worden und auch nach fast zwei Tagen Rennen war volle Konzentration gefragt. Präzise platzierte ich die Stockspitzen auf den breiten Blöcken, um mich an den meterhohen Stufen abzustützen. Behutsam wie eine Katze schlich ich übr wackelnde Blöcke und auf abschüssigen Steigen unter Felswänden entlang.

© Jeantet Stefano

Der Abstieg nach Niel war mit sechs Kilometern angegeben und sollte zu den längsten sechs Kilometern meines Lebens zählen. Auf einen langen technischen Abstieg folgte eine Metallleiter, zahlreiche Anstiege und ein endloses Auf und Ab auf Waldwegen.

© Jeantet Stefano

Bier, Wein, Hüttenkäse

In Niel traf ich auf den Ultra-Veteran Philippe Verdier, der sich auf Position Neun befand. Mit Top-Ten Platzierungen beim UTMB, Badwater und Platz 15 beim Marathon des Sables zählt er zu den Urgesteinen der Szene. Ich entschied mich, die nächsten Kilometer mit ihm zu laufen, denn zur Abwechslung sprach er Englisch und war ein angenehmer Gesprächspartner. Kurz vor Gressoney verweilten wir an einer Käsealpe. Gleich beim ersten Stück Käse zündete ein Geschmacksfeuerwerk in meinem Gaumen, was sichtlich zur Freude des Almbauern beitrug. Auf Wein und Bier verzichteten wir hier, doch ein beherzter Griff auf das Käsetablett ließ sich nicht vermeiden.

An der Basisstation in Gressoney mussten meine Füße versorgt werden und ich ließ erneut meine Knie behandeln, die mir immer mehr Sorgen bereiteten. Trotz der längeren Pause hatte ich an der nächsten Station Alpenzu wieder zu Philippe aufgeschlossen und wir marschierten gemeinsam hinauf zum Col Pinter auf 2776 Meter. Kurz vor dem Pass konnten wir zwei Verfolger ausmachen. Einer davon war mir bekannt, den anderen konnten wir überhaupt nicht einordnen. Oben auf den Pass haten beide zu uns aufgeschlossen und ich fragte: “Where are you from?” “I am from Germany”, antwortete Jens Lukas aus Deutschland. Die deutsche Trail-Legende war mir bis dahin unbekannt, sollte aber auf den nächsten Kilometern zu einem festen Begleiter werden. Zu viert trabten wir den Abstieg hinunter und stolperten kurz vor Champoluc in eine Bauernstube in Cuneaz – Refuge Vieux Crest. Während vor der Hütte ein Wolkenbruch niederging, standen wir vor dem köstlichsten Buffet der gesamten Tour. Ein Paradies aus Joghurt mit Früchten und Müsli breitete sich vor uns aus. Tomaten, Käse, Kuchen waren aufgetischt. Die mütterliche Wirtin fragte freundlich: “Kann ich euch sonst noch etwas bringen?” Philippe brachte uns mit seiner Antwort: “Ja, ein Beef-Steak”, etwas in Verlegenheit und handelte dann doch noch Spiegeleier für uns raus. Nach einem Espresso ging die Reise nach Champoluc weiter, wo wir mit vollen Bäuchen lediglich Wasser auffüllten und sich die Gruppe trennte.

Kurz vor Sonnenuntergang erreichte ich das Rifugio Grand Tourmalin und entschied, den Abstieg nach Valtournenche schnellstmöglich im letzten Tageslicht zu versuchen. Kurz nach mir erreichte auch Jens Lukas Valtournenche und wir befanden uns damit auf Rang neun und zehn. Für uns beide war das eine Spitzen-Platzierung, die es zu halten galt. Deshalb sagte ich zu Jens: “Ich will die nächsten 50 Kilometer ordentlich Druck machen, dann können wir morgen Nacht in Courmayeur ins Ziel laufen. Kommst du mit?” “Ich bin dabei”, antwortete Jens. Nach einem Glas Bier trabten wir gemeinsam mit etwas Abstand vor unseren Verfolgern in die Nacht.

© Jeantet Stefano

Der deutsche D-Zug

Schnell hatten wir Rifugio Barmasse am Fuße des großen Staudammes erreicht und trafen kurze Zeit später am Versorgungspunkt Vareton ein. In einer Betonnische wurden wir von etwas groben aber umso herzlicheren Landwirten mit warmen Getränken versorgt, bevor wir erneut in die Nacht galoppierten. In der mittlerweile dritten nahezu schlaflosen Nacht ließ die Konzentration bei uns beiden etwas nach. Jens bemerkte leichte Störungen seines Gleichgewichtssinnes. Auf einer kurzen Querfeldein-Passage passierte es dann. Jens stolperte und schlug mit dem Schädel auf einem Stein auf. Eine Platzwunde über dem rechten Auge war das Resultat; zum Glück kein Grund das Rennen abzubrechen.

Die nächsten Kilometer kosteten Kraft, denn wir befanden uns dauerhaft über 2500 Metern und hatten unzählige Anstiege zu bewältigen. Einmal leuchteten hunderte helle Punkte vor mir auf und ich senkte ungläubig die Stirnlampe, um sie dann erneut zu heben. Die Punkte waren noch da und wir schlichen leise durch eine schlafende Kuhherde, um die Tiere nicht zu erschrecken. Nachts herrscht eine ganz besondere Stimmung im Hochgebirge. Schwarze Konturen zeichnen den Horizont, kleine Spinnen krabbeln am Boden und es herrscht eine friedliche Stille, die nur vom Wind und fließendem Wasser unterbrochen wird.

© Jeantet Stefano

Die Zeitangabe von den Helfern aus Varaton bis zum nächsten Verpflegungspunkt hatten wir längst überschritten und wir liefen verzweifelt weiter, ohne auch nur ein kleines Licht am Horizont zu sehen. Ich fragte mich, wie die nur auf diese Zeiten kommen und lag Jens damit in den Ohren. Vor uns lag ein extrem steiler und technischer Abstieg. Im Mondlicht konnten wir erkennen, wie ein Fluss etwa eintausend Meter unter uns schimmerte. Scharfe, kopfgroße Steine, hohe Absätze und rutschige Rampen erschwerten jeden Meter bis ins Tal. Endlich im Tal angekommen, waren wir völlig entkräftet und konnten immer noch keinen Schimmer von Rifugio Magià ausmachen.

© Jeantet Stefano

Nach einigen Minuten tauchte sie dann auf, diese rettende Insel des Lichts im Dunkel der Felswände. Die Versorgungsstation erschien unwirklich, denn Rifugio Magià ist neu errichtetes Hotel mit edler Ausstattung. Schlapp sanken unsere verschwitzen und entkräfteten Körper auf einen Holztisch. In diesem Augenblick gesellte sich Miso zu uns, er ist der Trainer von Lisa. “Jungs”, sagte er, “etwa 90 Prozent der Läufer machen hier Pause und eure Verfolger liegen 1:45 Stunden hinter euch.” Alles klar, dachte ich. “Lass uns 45 Minuten schlafen und danach nehmen wir den nächsten Anstieg in Angriff”, schlug ich Jens vor. Er willigte ein und Miso überredete die Wirtin mit seinem italienischen Charme, uns eine Portion Nudeln zu kochen. Wir legten uns hin, doch vor Schmerzen konnte ich kaum schlafen und wachte immer wieder auf.

© Jeantet Stefano

Mit warmen Nudeln im Bauch starteten wir die nächste Eintausend-Meter-Rampe hinauf zum Rifugio Grand Tourmalin. Wie ein deutscher D-Zug schnieften wir im Mondlicht die Anstiege hinauf und wechselten regelmäßig die Führung. Jens und ich machten Tempo und arbeiteten hart. Im Biwak Clermont tranken wir süßen Tee, dann Suppe und verweilten sprachlos im Sonnenaufgang auf knapp 2800 Metern. Im Biwak sagte uns ein Bergführer: “Oyace könnt ihr in einer Stunde erreichen.” Diese ambitionierte Zeitvorgabe für den zehn Kilometer wurde durch seine Frau bereits auf anderthalb Stunden relativiert, doch auch das war ambitioniert. Ich fluchte zu Jens: “Weiß der nicht, dass wir über 200 Kilometer in den Beinen haben? Eine Stunde. Was soll der Scheiß?”. Die Zeitvorgabe bis Oyace hielten wir nicht, doch vor Oyace sammelten wir den verletzten Marco auf. Im Verpflegungspunkt beendete Marco unterspektakulärem Applaus und dem Schluchzen seiner Fans sein Rennen und Miso entgegnete uns völlig perplex: “Was ist denn mit euch los? Ihr lauft derzeit die schnellsten Zwischenzeiten bis auf den Führenden.”

Noch ein Berg stand zwischen uns und der letzten Basisstation in Ollomont. Wir ließen es ruhig angehen, passierten unterwegs noch Lisa, die führende Frau. Auf einer Schotterstraße kurz vor Ollomont setzte sich Jens von mir ab, denn ich konnte vor Blasen kaum noch auftreten. Er war in deutlich besserer Verfassung. Beim Erreichen der Station standen mir die Tränen in den Augen. “Wir haben die ganze Nacht hart geackert”, wisperte ich Judy zu.

Zielgerade über die Zugspitze

Jens und Lisa verließen die Station vor mir, denn ich musste meine Blasen versorgen lassen und meine wurden Knie erneut leicht massiert. Erst danach konnten meine letzten 50 Kilometer beginnen. Lisa holte ich bereits am Rifugio Champillon ein und trabte dann gemächlich in Richtung Saint-Rhèmy en-Bosses. Im Ort traf ich auf Miso, der mir sagte, dass das Wetter bald umschlagen sollte. Judy teilte mir per Telefon mit, dass meine Verfolger weit hinter mir seien. So konnte ich mein Tempo weiter flach halten. Mit diesem Platz hatte ich mehr erreicht, als ich mir vor dem Rennen ausgemalt hatte. Im Rifugio Frassati stand ein warmer Ofen im Raum und ich wurde von Niccolo freundlich eingeladen, das Rifugio nach dem Lauf erneut zu besuchen. Gern, dachte ich. Wie wäre es mit Übermorgen?

© Jeantet Stefano

Kurz hinter dem Rifugio Frassati nahm der Wind an Fahrt auf und die Temperaturen fielen drastisch. Mütze, Jacke und lange Hose waren jetzt angesagt. Um 21 Uhr stand ich bei pfeifendem Wind, Eiseskälte und Nebel am Col Malatra – einem Pass, der immerhin auf Zugspitz-Niveau rangiert. Ich liebe diese rauen Momente, denn sie zeigen, wieviel Kraft und Energie in der Berglandschaft stecken und wie klein wir Menschen doch sind.

© Judy Ng

Kurz hinter dem Pass war es nahezu windstill, nur ein Landregen machte den Abstieg zur fröhlichen Schlitterpartie. Ich hatte Spaß am Laufen. Voller Optimismus führte uns die Rennleitung in dieser Austragung querfeldein zum nächsten Pass, bis sie uns nach einem langen Downhill auf die breite Wanderautobahn des Tour du Mont Blanc führte. Schier endlos lang erschien mir dieser Weg in der Nacht zum Rifugio Bertone. “You have a very good split”, sagte einer der Helfer in gehobenem Alter. “I have finished TOR four times”, fügte er hinzu. “You should go now.”

Um 24.03 Uhr lief ich in Courmayeur über die Ziellinie, begleitet von Judy und unzähligen Erinnerungen. Dieses Rennen hat mir viel abverlangt und all die Erfahrung erfordert, die ich in den vergangenen 15 Jahren als Trail-Läufer erworben habe. Tor des Geants hat mir allerdings auch viel gegeben. Der Lauf durch diese Landschaft war ein Hochgenuss und ich wurde immer wieder daran erinnert, wie wertvoll und zerbrechlich die Welt ist, in der wir uns bewegen.

© Judy Ng
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Matterhorn Ultraks

Das Skyrace um das luxuriöse Schweizer Feriendorf Zermatt ist zweifellos etabliert. Thomas berichtet vom Kampf mit den besten der Welt am Fuße der Matterhorns.

© Thomas Bohne
Das Schweizer Feriendorf Zermatt präsentiert sich ganz ursprünglich. © Thomas Bohne

Der Besuch im Schweizer Feriendorf Zermatt beginnt mit dem bekanntesten Schweizer Verkehrsmittel – der Eisenbahn. Spätestens fünf Kilometer vor der Ortschaft Täsch bleibt das Auto stehen, denn Zermatt ist seit 1931 autofrei. Abfahrt ist im modernen Matterhorn Terminal, ein nüchterner Betonklotz, der für die Abfertigung von tausenden Touristen optimiert ist. Die rot-weißen Waggons sind mit großen Glasfenstern ausgestattet, die Gäste sind international und wie es sich für Schweizer Bahn gehört, ist sie pünktlich.

Luxusdorf made in Switzerland

Gleich nach der Ankunft in Zermatt fallen die Blicke auf Werbetafeln von Restaurants: Walliser Käsefondue für 25 Schweizer Franken oder ein Vier-Gänge-Menü für 72 Franken. Schnell wird klar: Zermatt liegt preislich auf hohem Niveau, touristisch rangiert es auf Weltniveau. Elektrokarren und Golfkarts surren mit Koffern und Gästen beladen durch die Gassen. “Abgasarm und nachhaltig”, so präsentiert sich Zermatt auf seiner Webseite. Liebevoll dekorierte Holzfassaden beherbergen die Designerlabels dieser Welt und Nobelhotels bieten bis zu 17500 Touristen ein Bett für die Nacht. Vergleichsweise gering erscheint dagegen die Einwohnerzahl von 6000.

© Judy Ng
© Judy Ng

Hoch oberhalb dieses bunten Treibens thronen die höchsten Viertausender der Schweiz mit ihren imposanten Eiswänden. Wie ein Denkmal thront zwischen ihnen das bekannteste Wahrzeichen des Landes – das Matterhorn. Bei der Erstbesteigung vor 150 Jahren herrschte eine völlig andere Atmosphäre in Zermatt. Das Alpendorf war nur über Saumpfade erreichbar und übte deutlich weniger Anziehungskraft auf Bergsteiger und Touristen aus. Damals galt das Matterhorn noch als unbezwingbar. Die steilen Flanken dieses Monolithen erzählen noch heute die dramatische Geschichte der Erstbesteigung. Beim Wettlauf auf den Gipfel kam es zur Katastrophe verloren vier Bergsteiger ihr Leben, obwohl sie vorher als erste Menschen auf dem höchsten Punkt dieses Berges standen.

© Judy Ng
Die Besteigung zählt mittlerweile zum Standardprogramm der Bergführer in Zermatt. © Judy Ng

Matterhorn – Das Wahrzeichen

Mittlerweile gehört die Besteigung zum Standardprogramm der Bergführer in Zermatt und auch die Trail-Läufer haben die Gemeinde im Wallis für sich entdeckt. Das kommt nicht von ungefähr. In diesem Jahr versammelten sich nahezu zweitausend Athleten aus 51 Nationen an der Startlinie der Läufe des Matterhorn Ultraks. Darunter tummelte sich auch die internationale Berglauf-Elite, doch die ist sicher noch kein Garant für die Attraktivität des Rennens. Die Region Zermatt hat viel zu bieten für Trail-Läufer.

Die Strecke

Das Rennen führt vom Kirchplatz im Zentrum über einen steilen Pfad direkt hinauf zum Gornergrat auf 3135 Meter. Beim Erreichen des Grates stockt vielen Läufern der Atem, denn unter ihnen erstreckt sich die zweitgrößte zusammenhängende Gletscherfläche der Alpen und vor ihnen posiert eindrucksvoll das Matterhorn im Morgenlicht. Spitzenläufer legen die 1500 Höhenmeter und 14 Kilometer in eineinhalb Stunden zurück. An der Verpflegungsstation gibt es warmes isotonisches Getränk, Wasser, Tee und zahlreiche Snacks. Auf meinen Kommentar: “Super, dass ihr warme Getränke habt”, entgegnet mir der Schweizer lässig: “Ja, sunsch isch des doch en Scheiß.” Die Zermatter haben gelernt, was für Trail-Läufer in dieser Höhe wichtig ist.

© Judy Ng
Megan Kimmel © Judy Ng

Beim ersten langen Abstieg folgen die Läufer nicht nur den Wegen, vielmehr laufen sie direkt von Markierung zu Markierung. Geschickt wie eine Herde Gämse bricht das Feld in Rekordtempo den Berg herunter. 51 Nationen verschwimmen, alle verfolgen ein Ziel. Wenn politische Debatten doch nur auch so einfach wären.

© Judy Ng
Marc Lauenstein © Judy Ng

Gegen Mittag ändert sich das Wetter. Ein Wolkenteppich legt sich über den Alpenhauptkamm und es fällt Regen. Auf über zweitausend Metern sinken die Temperaturen rasch und es wird windig und kalt. Einige werfen Regenjacken um, andere ziehen sich Handschuhe über, wieder andere laufen einfach weiter. Pflichtausrüstung gibt es keine. Die Zermatter Organisatoren wissen: Auf zweitausend Metern findet man die Freiheit nur mit einem gesunden Maß an Selbstverantwortung. So richtiges Absturzgelände gibt es beim Ultraks ohnehin nicht.

Meine Muskeln verhärten spürbar in der Kälte, doch das Tempo der Spitze bleibt konstant hoch. Einige Walliser Schwarznasenschafe lässt das Geschehen völlig kalt und sie grasen gemütlich auf dem Trail, während die Athleten im Eiltempo über oder an ihnen vorbei rasen – typisch Schweizer Gelassenheit eben. Gelegentlich erlauben kleine Wolkenfenster den Blick auf die weiß-blauen Flanken des Breithorns oder einen der anderen 37 Viertausender der Umgebung. Wer hier den Begriff Skyrunning verwenden möchte, der liegt sicherlich richtig.

© Thomas Bohne
Schweizer Musik gehört zum Rahmenprogramm des Rennens – Alphornbläser. © Thomas Bohne

Wenige Kilometer vor dem Ziel fällt die Strecke nahezu senkrecht ab in den Ort Zermatt. Über rutschiges Kopfsteinpflaster schlittern die Läufer die letzten Meter durch die schmalen Gassen, eng umsäumt von japanischen Touristen, die gar nicht so richtig wissen, was um sie herum geschieht. Ein Gefühl von Chamonix kommt kurzzeitig auf. Dann ist das Ziel erreicht und die Zeit steht still. 46 Kilometer traumhafte Trails sind vorüber und Zermatt hat erneut bewiesen, dass es auch für Trail-Läufer zu den Top-Adressen zählt.

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«16K» Herren
1. JODIDIO ALEX (SUI) 1:23 Stunden
2. BETRISEY YVAN (SUI) 1:27 Stunden
3. DRION MAXIMILIEN (BEL) 1:27 Stunden

«16K» Damen
1. VILLUMSEN KATRINE (DEN) 1:39 Stunden
2. PFAMMATTER PRISKA (SUI) 1:59 Stunden
3. MARIE PATUREL (FRA) 1:59 Stunden

«30K» Herren
1. RODRIGUEZ ETIENNE (AUS) 3:04 Stunden
2. CASCIO JAMIE (USA) 3:07 Stunden
3. GILLIÉRON CHRISTOPHE (SUI) 3:10 Stunden

«30K» Damen
1. CROFT RUTH (NZL) 3:22 Stunden
2. PONT COMBE SÉVERINE (SUI) 3:26 Stunden
3. SCHILD SIBYLLE (AUT) 3:33 Stunden

«46K» Herren
1. LAUENSTEIN MARC (SUI) 4:47 Stunden
2. MATHYS CHRISTIAN (SUI) 4:51 Stunden
3. TAMANG TIRTHA (NEP) 4:53 Stunden

«46K» Damen
1. KIMMEL MEGAN (USA) 5:23 Stunden
2. MERTOVA MICHAELA (CZE) 5:46 Stunden
3. CHIRON CÉLIA (FRA) 5:51 Stunden

Alle Ergebnisse

Wettersteinrunde

Diese Tour führt auf traumhaften Trails um den Wetterstein-Hauptkamm entlang der Lieblingsplätze von König Ludwig II.

Anreise
Mit dem Auto oder der Bahn nach Garmisch-Partenkirchen. Start der Tour ist am Olympiastadion vor der Skischanze in Partenkirchen.

Tourdaten
50 Kilometer mit 3600m Anstieg/Abstieg

Schwierigkeit
Sehr lange Tour auf traumhaften Trails, die enorme Ausdauer, Trittsicherheit und alpine Erfahrung erfordert. Dank der zahlreichen Abstiegswege und Hütten lässt sich die Tour problemlos verkürzen oder auf zwei Tage aufteilen.

Partnachklamm
Die Partnachklamm zählt zu den touristischen Highlights in Garmisch-Partenkirchen und wird täglich von zahlreichen Touristen bestaunt. © Thomas Bohne

Wegbeschreibung

Gleich zu Beginn führt euch der Weg durch die Partnachklamm mit dem kristallklaren und tosenden Bach, der täglich von Touristenscharen besucht wird. Über den Kälbersteig gelangt ihr zum Königshaus am Schachen. Der botanische Garten am Schachen ist einzigartig und lädt zu einem Besuch ein. Der Weg führt nun hinauf zum höchsten Punkt der Tour, der Meilerhütte. Der anschließende Abstieg über den Söllerpass auf den Südsteig ist der technisch schwierigste Teil und erfordert absolute Trittsicherheit.

Wetterstein-Südsteig © Thomas Bohne
Der Wetterstein-Südsteig zieht sich über zahlreiche Bergrücken entlang der Südseite des Wetterstein-Massivs. © Thomas Bohne

Anschließend lauf ihr auf traumhaften Trails über zahlreiche grüne Bergrücken entlang der massiven Südwände des Wetterstein. Über das Gatterl gelangt ihr in wenigen Minuten zur Knorrhütte. Der Abstieg zur Reintalangerhütte erfordert erneut volle Konzentration. Erst im Anschluss lauft ihr auf traumhaften Pfaden durch das Reintal. Weniger Minuten nach der Bockhütte gelangt ihr auf eine Forststraße, die euch zum Ausgangspunkt der Tour führt.

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Die Tourdaten findet ihr ebenfalls auf Strava und bei GPSies.

INOV-8 Trail Talon 275

INOV-8 Trail Talon 275

Der Trail Talon ist mit 275 Gramm ein sehr leichter Schuh für weiche und trockene Trails. Auf Gras- und Waldböden fühlt er sich pudelwohl und das Profil greift zuverlässig. Nässe und Fels kann der Trail Talon bewältigen, kommt jedoch schnell an seine Grenzen. Die Sohle mit 8mm Sprengung sorgt für ausreichend Dämpfung und ermöglicht lange, ja sogar sehr lange Distanzen. Der Vorfußbereich bietet den Zehen viel Platz, wenn sie anschwellen. Das Innenfutter ist kuschelweich und trotzdem sitzt der Schuh ganz gut am Fuß.

© Thomas Bohne
INOV 8 Trail Talon © Thomas Bohne

Langzeittest

Bei Tor des Geants wurde der Schuh auf die Probe gestellt und hat nicht enttäuscht. Der Tragekomfort war besonders nach einer 200 Kilometer Vorbelastung noch sehr hoch und die Dämpfung ausreichend. Auch bei Nässe konnte der Trail Talon 275 überzeugen. Einzig der Halt an der Ferse war etwas zu locker, das lässt sich allerdings beim sonst so weichen Innenleben kaum verbessern. Die Verarbeitung scheint makellos, der Schuh hat 150 Kilometer im Hochgebirge bei Nässe schadlos überstanden.

Saucony Peregrine 6

Wer den Schuh das erste Mal in den Händen hält, dreht ich meist sofort um. Sofort sticht beim Saucony Peregrine die giftgrüne Sohle ins Auge. Im Test konnte mich die Sohle auf weichen Böden überzeugen, im Fels ist der Halt mäßig. Die Abnutzung der Sohle ist auch nach vielen Kilometern sehr gering.

Dem Vorfuß bietet der Peregrine sehr viel Platz, was besonders bei Ultras zum Komfort beiträgt. Die Dämpfung ist gut, allerdings für ganz lange Distanzen nicht ausreichend. Im Dauertest war der Vorfußbereich nach 200 Kilometern komplett durch und ich musste den Schuh wechseln. Das Außenmaterial ist robust und weich. Es bietet nur mäßig Schutz vor harten Kanten und spitzen Steinen.

Die Verarbeitung sollte verbessert werden. Der Zehenschutz löste sich nach 300 Kilometern ab und seitliche Klebestellen gingen auf.

Vorschau: Tor des Geants 2016

Courmayeur –  Tor des Geants (TDG) ist ein echtes Abenteuer, das mehr von seinen Läufern abverlangt als Training. Extreme Willensstärke und Durchhaltevermögen sind nötig, um die 338 Kilometer und 24 000 Höhenmeter der Haute Route des Aostatals in Italien zu bewältigen. An der ersten Austragung in 2010 nahmen bereits 330 Läufer teil. Innerhalb weniger Jahre erreichte das Rennen enorme weltweite Aufmerksamkeit, so dass 2016 insgesamt 828 Teilnehmer aus 71 Ländern angetreten waren.

Tor des Geants ist einzigartig, denn die Läufer erleben die wilde Landschaft des Aostatals, werden mit einer ungeahnten Herzlichkeit und Gastfreundschaft empfangen und nicht zuletzt mit ihrem eigenen Selbst konfrontiert.

Strecke Tor des Geants  © 2016 Google
Strecke Tor des Geants
© 2016 Google

Die Strecke beginnt am Fuße des Mont Blanc in Courmayeur und führt über 25 Bergpässe über 2000 Meter und durch 34 Gemeinden. Insgesamt sind 24 000 Höhenmeter Anstieg und genauso viel Abstieg zu bewältigen. Auf ihrem Weg begegnen ihnen die Giganten der Alpen: Monte Rosa, Mont Blanc, Matterhorn und Gran Paradiso. “This is a route FOR giants OF giants”, sagte Alessandra Nicoletti, die Präsidentin von Valle’d Aosta Trailers.

Tor des Geants
Distanz: 338 Kilometer
Auf- und Abstieg: 24 000 Höhenmeter

© Jeantet Stefano
© Jeantet Stefano

Laufsteg der Bergziegen

Am Abend vor dem Lauf werden die Top-Favoriten im Zentrum von Courmayeur vorgestellt. Die Veranstaltung ähnelt einer Modenschau, nur das die Models bis auf den schmalen Körperbau nichts mit Modemodels gemein haben. Sie sind braun gebrannt, ihre Haut wirft Falten und ihre Körper sind drahtig. Ihr Laufstil ist dynamisch und voller Energie. Am meisten faszinieren mich jedoch die leuchtenden Augen vieler dieser Athleten. Sie sind gekommen, um ihrer Leidenschaft nachzugehen – dem Laufen in den Bergen. Sie sind die Weltelite der Ultraläufer, die Bergziegen dieses Planeten, und sie werden morgen mit mir in Courmayeur an der Startlinie stehen. Ich habe viel Respekt vor diesem Rennen und vor diesen Gegnern, doch es freut mich ebenso mit ihnen diese Leidenschaft zu teilen. Ein Abenteuer steht bevor, ich bin bereit.

GAP Pub Run

Jeden Mittwoch um 19 Uhr treffen sich auf dem Rathausplatz von Garmisch-Partenkirchen Läufer zum GAP Pub Run. Der gemeinsame Lauf führt nicht – wie von einigen erhofft – von Kneipe zu Kneipe, sondern über feinste Trails der Garmischer Hausberge. Erst im Anschluss steht eine kühle Erfrischung im Irish Pub auf dem Programm.

Gestern konnten die 29 Jungs und Mädels auf einer Sieben-Kilometer-Strecke die neuen Modelle der Adidas Terrex Serie ausprobieren. Mit dabei war unter anderem der schottische Laufprofi Robbie Simpson, der derzeit in Mittenwald lebt und trainiert.

Eingeladen ist jeder, der Lust und Laune hat. Informationen zum Lauf findet ihr auf der Webseite von Sport Conrad.

Zane Grey 50 – The United Trails of America

Wer kennt schon den härtesten 50-Meilen-Lauf der USA? Als ich vor drei Jahren durch die menschenleere Prärie Arizonas fuhr, hatte ich keinen Schimmer vom Zane Grey 50 Mile Endurance Run. Auf meiner Reiseroute vom Grand Canyon nach Phoenix bog ich irgendwann einfach vom Highway ab und fuhr in Richtung Nirgendwo. Die Wüstenlandschaft verwandelte sich in goldgelbe Grasflächen und später in endlose Kiefernwälder. Vereinzelt standen Bauernhöfe in der Landschaft. Davor parkten oft bullige Pick-Up-Trucks und ein paar Pferde. Dieses Bild entsprach exakt meiner Vorstellung vom Wilden Westen.

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Irgendwann rollte mein Wagen durch die Siedlung Pine – der Ortsname beschreibt die Lage sehr anschaulich. Pine ist umgeben von einem Meer aus Kiefern mit einem Hauch Wildnis: Bären, Elche, Pumas und Klapperschlangen sind hier zu Hause. Pine ist außerdem der Ausgangsort des Zane Grey Highline-Trail. Im Zentrum des Ortes steht der Sidewinder Saloon. Statt Pferden parkten davor riesige Pickup-Trucks und auf Hochglanz polierte Harley-Davidson-Motorräder. Im Saloon herrschte reghaftes Treiben. Die kernigen Bardamen hinter dem breiten Holztresen bedienten ihre Cowboy-Kundschaft in Arbeitsklamotten und mit großen Hüten. “Was willst du, Kleiner?”, rief mir eine der Ladys entgegen? “Ein Sidewinder-Burger mit Coke”, antwortete ich möglichst selbstbewusst.Bloß nicht auffallen, sonst gibt’s hier gleich ne Schießerei, dachte ich. Ich konnte nicht wissen, dass mir gleich einer der saftigsten Burger der Staaten serviert würde. Damals war ich am Vortag des Rennens in Pine, konnte aber keine Läufer oder Anzeichen einer Laufveranstaltung erkennen. Fasziniert vom wilden Charme dieser Gegend, kehrte ich nach Deutschland zurück. Zu Hause angekommen, erkannte ich, welchem Juwel ich da begegnet war.

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Die Renndaten:

  • 50 Meilen (etwa 80 Kilometer)
  • 10 000 feet (3048 Meter) Anstieg
  • 9 000 feet (2743 Meter) Abstieg
  • Streckenrekord: 07:51:07 Dave Mackey

Der schwierigste, härteste und schönste 50-Meilen-Lauf

Der Zane Grey Highline Trail ist kein Rundkurs; er führt entlang der Mogollon-Kante, der Südwestkante des Colorado-Plateaus, durch die endlosen Kiefernwäler Arizonas. Zane Grey war ein amerikanischer Schriftsteller und Frauenheld, der zwischen 1923 und 1930 regelmäßig Zeit in seiner Blockhütte in diesen Wäldern verbrachte. Die Laufstrecke ist technisch schwierig und das Wetter unterliegt extremen Schwankungen. “Läufer müssen sich auf unbeständige Bedingungen einstellen: Hitze, Kälte, Regen, Hagel, Blitze und Flussdurchquerungen”, schreibt der Veranstalter.

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Von den 17 Athleten, die 1990 bei der Premiere am Start standen, erreichten nur sechs das Ziel. Passend dazu lautet der erste Punkt im Reglement: “No whining!” Sympathisch, nicht? Vereinzelt mischen sich auch Spitzenläufer in das limitierte Teilnehmerfeld von etwa einhundert Läufern: Scott Jurek, Karl Meltzer, Nikki Kimball oder Tony Krupicka sind alle Finisher des Zane Grey 50. Krupicka schreibt auf seinem Blog zum Rennverlauf: “Ich habe mindestens zwei Dutzend Elche gesehen (sehr cool) und die erste von zwei Klapperschlangen, über die ich spontan springen musste, da sie auf dem Trail lag (nicht so cool).”

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Nach mehreren Anläufen konnte ich 2016 endlich einen Startplatz ergattern. Beim Check-In kam mir einer der Athleten bekannt vor und ein Blick auf die Teilnehmerliste bestätigte meine dunkle Vermutung: Hal Koerner war am Start, Sieger von Hardrock 100 und Western States. Kurzerhand überwarf ich den Plan einer Fotoreportage zum Ärger des Chefs dieses Magazins und verbannte die Spiegelreflexkamera zur Gewichtsoptimierung aus dem Rucksack.

Der Rennstart am frühen morgen ließ ein Hotelzimmer überflüssig erscheinen und ich entschied mich für die Variante Zelt hinter der Startlinie. Statt Carbo-Loading zog ich ein Burger-Loading im Sidewinder-Saloon vor, was sich schlussendlich positiv auf den Rennverlauf auswirken sollte.

Das Rennen

Um fünf Uhr morgens stand ich mit überraschend leichtem Rucksack und 132 Amis am Start. Renndirektor Joe Galope entschuldigte sich für die Renovierungsarbeiten am Trail: “Früher mussten Läufer über mehr als einhundert Baumstämme klettern, für euch sind es vielleicht zehn.” Mit dem schlechten Gewissen eines Warmduschers trabte ich im Schein meiner Stirnlampe los. Unmittelbar war volle Konzentration gefragt, denn ein schmaler Singletrail führte uns durch feinsten Steinsalat. Ich hing an der Gruppe mit Hal und beobachtete neugierig, wie sich ein Läufer hektisch vor mich drängelte und dabei völlig unkontrolliert über die Steine stolperte. Völlig irre diese Taktik, dachte ich genervt und überholte ihn bei der nächstbesten Gelegenheit. Danach sah ich ihn nie wieder.

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In zwei Stunden hatten wir bereits zwanzig Kilometer hinter uns gebracht und erreichten den zweiten Verpflegungspunkt. Auf einem Klapptisch stand Wasser, Iso, Chips, Kekse, Kartoffeln und Obst. Mit dem ersten Schluck aus der frisch gefüllten Trinkflasche wurde ich unangenehm daran erinnert, dass die Amerikaner nicht nur ihre Hühner chloren. Der Geschmack von Leitungswasser ist gewöhnungsbedürftig und der von Iso so scheußlich, dass ich Angst hatte, die Pflanzen sterben, wenn ich es wegschütte.

Lange Zeit lief ich allein, passierte ab und zu einen Läufer und war irgendwann auf Position zwei. Der schmale Pfad war oft kaum erkennbar im Gras versteckt und zwischendurch immer wieder mit technischen Leckerbissen gespickt. Erkennbar war, dass einige Abschnitte durch Pflegearbeiten deutlich entschärft wurden, was die Rekordzeiten aus den vergangenen Jahren noch respektvoller erscheinen ließ. Die Arbeiten haben den Trail allerdings auch verlängert, was sich erst im Rennverlauf herausstellte.

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So wurden die letzten Kilometer zur Belastungsprobe. Scheinbar an jedem Checkpoint erhöhte sich die Renndistanz und das Ziel rückte immer weiter in die Ferne. Als ich am letzten Checkpoint genüsslich ein Wassereis lutschte in der Hoffnung auf einen Brain-Freeze, raste die erste Frau an mir vorbei und verwies mich auf Platz drei. Immerhin konnte ich diesen bis ins Ziel retten.

Den Zieleinflauf auf dem Parkplatz bei Christopher Creek würden wir Europäer als unspektakulär beschreiben, es war schließlich kaum einer da. Zuschauer? Fehlanzeige! Da stand ein Campingtisch mit belegten Broten, Kuchen und Softdrinks und ein paar Klappstühle. Genüsslich versank ich in einem Stuhl, öffnete einen zuckersüßen Softdrink und begrüßte mit den anderen die nächsten Finisher. Diese familiäre Atmosphäre ist sicher nicht jedermanns Sache. Es gibt keinen tosenden Applaus, keine staunenden Gesichter, keine Menge, nur Gleichgesinnte. Bevor ich überhaupt an eine Post-Race-Dusche dachte, saß ich im verschwitzten Rennoutfit im Sidewinder-Saloon und erwiderte genüsslich: “Einen Sidewinder-Burger und ein Bier bitte.”

Eisenzeit – Eine neue Route auf die Zugspitze

Seit mittlerweile zwei Jahren existiert die neue Route Eisenzeit durch die Nordwestwand der Großen Riffelspitze. Im losen Wettersteinschotter mit Kletterstellen bis zum IV. Grad UIAA und durchaus anspruchsvoller Wegfindung ist sie erfahrenen Alpinisten vorbehalten. Touren können natürlich auch bei lokalen Bergführern gebucht werden. Ursprung der Tour ist der Steig der Bahnarbeiter, die vor etwa achtzig Jahren an der Zugspitze ihre Arbeit verrichteten. Ihre Spuren sind nicht zu übersehen, die alten Leitern und Drahtseile hängen noch heute mehr oder weniger fest in der Wand.

Die historische Route führt von der Bahnstation Riffelriss bis zu den Tunnelfenstern der Bauarbeiter der Bahn. Hier durchquert man deren ehemaligen Schlafraum und Kantine. Von da an führt die Route von Bergführer Michael Gebhardt hinauf zur Riffelnordwand. Ausstieg ist auf dem Nordostgrat der Riffelwandspitze, der bis auf die Zugspitze führt. Von da an klettert man jedoch nicht weiter, sondern seilt auf den Höllentalsteig ab und folgt diesem bis zum Gipfel der Zugspitze.

Eine ausführliche Tourenbeschreibung von Bergführer Michael Gebhardt und Olaf Perwitzschky findet ihr ihr auf der Seite der Zeitschrift Alpin.

Benediktenwand-Überschreitung

Die Überschreitung der Benediktenwand von Lenggries bis zum Kesselberg ist ein echter Leckerbissen unter den langen Wandertouren im bayerischen Voralpenland. Vor Jahren schwärmte mein Lauffreund Basti Haag von der kompletten Überschreitung: Lenggries bis nach Garmisch-Partenkirchen, die sogar von einigen Wanderern als 24-Stunden Gewalttour unternommen wird. Dieser erste Teil der Strecke führt über die Benediktenwand bis zum Kesselberg und eignet sich als langer Lauf für Trail-Läufer.

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Hier die Tourdaten

Distanz: 28 Kilometer
Anstieg: 2370 Höhenmeter
Abstieg: 2070 Höhenmeter

Wegbeschreibung

In Lenggries lauft ihr in Richtung der Seilbahn und dann hinter der Talstation auf den Wanderweg aufs Brauneck. In der Bergstation solltet ihr eure Wasservorräte auffüllen. Am Gipfel angekommen, führt ein Weg auf dem Bergrücken über Stangeneck und Achselköpfe auf die Benediktenwand. Die Passagen kurz vor der Benediktenwand sind technisch anspruchsvoll und mit Drahtseilen versichert. Weiter geht es über einen traumhaften Trail zur Pessenbacher Alm mit Bergwachthütte, an der Wasser aufgefüllt werden kann. Der Anstieg zum Schwarzeck und Rabenkopf ist schmal und steil. Weiter über die Kochler Alm zum zähen Anstieg auf den Jochberg. Der Abstieg zum Kesselberg gleicht dann einer Wanderautobahn.

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Tourdaten auf Strava

Meine Ausrüstung

  • Wasser und Elektrolyte,
  • Notfallpaket,
  • Verpflegung,
  • die nötige Bekleidung,
  • Telefon,
  • Karte und GPS

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Überschreitung des Estergebirges

Es gibt diese Liste an Strecken, die ich seit Jahren mit mir herumtrage. Direkt vor meiner Haustür liegt eine fantastische Landschaft mit traumhaften Trails. Einige ganz besondere ziehen sich wie ein roter Faden durch das Gebirge. Ausreichend Zeit, die entsprechende Fitness und die nötige Bergerfahrung sind hilfreich, um diese kleinen Abenteuer sicher zu überstehen. Bisher fehlte mir leider immer eine der drei Voraussetzungen. Gäbe es das Buch 1000 Trails before you die, dann müsste ein Eintrag wie folgt aussehen:

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Überschreitung des Estergebirges

Entlang der Straße von Eschenlohe in Richtung Garmisch-Partenkirchen thront das Estergebirge als mächtige Wand über dem Loisachtal. Kaum vorstellbar, dass sich durch diese steilen Flanken zahlreiche Steige winden und dass sich dahinter eine sattgrüne Hochebene befindet, die Landwirte als Weide für ihre Tiere nutzen.

Die Überschreitung des Estergebirges führt über die Hauptgipfel entlang dieses Gebirgskammes von Eschenlohe nach Partenkirchen. Die Tour bietet bezaubernde Tiefblicke ins Loisachtal und Weitblicke ins Karwendel und Wetterstein. Als Versorgungsstützpunkt für bayerische Spezialitäten liegt die Weilheimer Hütte am Fuße des Krottenkopfes direkt auf der Strecke.

Der Pfad ist steinig, technisch anspruchsvoll und vor allem lang. Die oft als Zwei-Tages-Wanderung geplante Tour kann als langer Lauf in einem Tag absolviert werden. Auf Zeitangaben verzichte ich, da diese stark von der eigenen Leistung und den Wetterverhältnissen abhängen.

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Tourdaten

Distanz: 28 Kilometer
Anstieg: 2700 Höhenmeter
Abstieg: 2600 Höhenmeter

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Wegbeschreibung

Von Eschenlohe über den Hahnbichelsteig auf die Hohe Kisten, dann über die Weilheimer Hütte und Krottenkopf über den Bischof auf den Fricken. Der Abstieg vom Fricken ist schmal und mündet in den letzten zähen Anstieg auf den Wank. Vom Wank führt ein gut ausgebauter Steig ins Tal nach Partenkirchen.

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Strava-Aktivität mit GPX-Track

Meine Ausrüstung

  • Wasser und Elektrolyte,
  • Notfallpaket,
  • Verpflegung,
  • die nötige Bekleidung,
  • Telefon,
  • Karte und GPS

Desert Running: A Life-Changing Experience

It all started in the Atacama desert. I volunteered for the Atacama-Crossing, a 250-Kilometer stage race in northern Chile. This was my first event with RacingThePlanet and the beginning of many new friendship with a landscape does not always show it’s friendly face. At the time I was a volunteer for the Atacama Crossing. My job required me to sweep behind the last runners and to gather all course marking material. I was so curious about the Atacama Desert, that I asked to sweep the whole 250 Kilometers.

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What does it take to finish a 4 Deserts Race?

  • You must run 250 Kilometers in 7 days in extremely harsh environment,
  • compete semi-self supported, meaning: you carry all your clothes, equipment and food,
  • stay in tented camps overnight after each stage,
  • you will be provided water at checkpoints and campsites,
  • and you are open-minded and incredibly determined.

Camp 2 at night © Judy Ng
Camp 2 at night © Judy Ng

While sweeping the course, I was out in the open desert quite a lot. The vast open, the silence and the purity of this landscape were new to me. Temperature changes from below freezing level at night to high thirties during the day challenged my body in an unknown way. On top of that, the last runners walked slowly and often exceeded daylight to complete the marathon-length stages. Competitors had to bring their own food and volunteers likewise. Since the long hours increased my energy consumption drastically, I soon ran out of food. Luckily, my team members at the checkpoints would sneak the hungry German some chocolate bars and sweets. Even nowadays Mary Gadams, the founder of the event series, regularly brings treats me some extra snacks at the events.

Visiting the oldest desert in the world

The Skeleton Coast
The Skeleton Coast

Since Atacama in 2008, I worked on many races. Today I design full-grown race courses all over the world whenever there is a chance to leave my main job. As a course director, my main objectives for the race course include:

  • a beautiful course that fits the race format,
  • a safe course,
  • a course that is logistically manageable.

As you might notice, beauty is subjective. This requirement often leads to discussions, especially when people are surprised by sand and heat, having in mind that they signed up for a desert race.

When RacingThePlanet asked me to design a race course in Namibia, I instantly agreed because I was eager to meet the oldest desert of the earth – the Namib Desert.

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Skeleton Coast Park – first impression

As I visited Skeleton Coast National Park for the first time, the skull and crossbones on the gate welcomed me late at night. The Ugab gate is on the way to Torra Bay – an isolated campsite that is not further than 230 kilometers from the nearest town. We had been driving for hours along the beach where all these shipwrecks and stories rest.

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Torra Bay campsite is located right on the beach, but the water of the ocean was cold and the currents were too strong to go for a swim. This only applied for humans because the seals were obviously enjoying the currents. Only during the two months of the summer season in December and January can the local fisherman occupy this place and share it with jackals, brown hyenas and stinking ducks. Every morning and evening the ducks would sit on the water tower that stands in the middle of the campsite. Their holding pattern appeared to be right on top of my tent where they would dump their organic waste accidentally. Far out on the ocean I could sometimes spot whales passing by. I spent two weeks at Torra Bay to scout the route for the race, and I was not prepared for what I saw during the reconnaissance.

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An Ocean of Sand full of Life

First, I explored the area by plane. The plane was very small and light. The pilot could even land on the gravel roads when necessary – in case he needed to relieve himself for example. Then I continued the exploration by car and some sections also by foot. Being alone in the middle of a such an environment reduces your life to the moment. It takes you back to the place where we originate from. Some things become insignificant while others prevail. Your senses sharpen. Over the years, I learnt how to analyze terrain, how to read tracks, and how to interpret animal behavior.

Skelettküste
Skelettküste

This was particularly helpful in Namibia because the cold waters of the Benguela stream carry an ocean full of life to the relentless dunes of the Skeleton Coast. Even large animals such as desert-adapted elephants, extremely endangered rhinos, ostriches and a few lions call this place home. But this ecosystem is fragile. Wildlife gets disturbed even in the most remote corners and humans leave tracks that remain for centuries. You could still observe the tracks from the ox wagons of the settlers from more than one hundred years ago.

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The moment I spotted my first rhino tracks, I nervously stared at them because I had no idea what animal could be around me. The only thing I knew: it was huge! I had never seen footprints that size. When we later spotted the large black rhino, I was impressed by the size and appearance of the animal in their natural habitat. There was no fence, no barrier, it was just free. It seems unbelievable how an animal that size can survive in a harsh dry and hot desert. It is just as hard to believe that people would hunt and kill the remaining few for a piece of horn in a world with Viagra and 3D-printers. Black desert rhinos are smaller and more aggressive than their white brothers. They roam mostly alone in areas as big as Belgium.

The most impressive geographic observation for me was a massive dune belt that started near Torra Bay and extends several hundred kilometers north up to the border of Angola. Its sheer size exceeded my imagination.

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The Vanishing Kings

I worked closely with Dr. Philip Stander, a British scientist, who dedicated his life to a desert-adapted lion population in the Namib. For almost 20 years, he has been following the unique desert lion population. Stander told me that he once monitored a male lion that walked all the way up to the border of Angola. The lion covered distances of more than 70 Kilometers a day. He even swam across the crocodile-infested Kunene river to Angola. He then turned around and walked all the way back. When the lion came back, he was shot. This story illustrates how incredibly powerful and skillful these animals can be, but it also illustrates that there is a human-lion conflict. Stander’s work addresses both: he collects research data from the animals and implements a strategy that allows for humans and lions to coexist. Part of his story has been published in the movie The Vanishing Kings.

Desert Lion Conservation Vehicle
Desert Lion Conservation Vehicle

When I first met Dr. Stander, his car was parked in the cover of the dark in front of the first campsite of the race. His custom-built research vehicle screamed in large letters: Desert Lion Conservation and a hyena head was dangling from the bull bars in front. I wondered about what kind of images this would create in the minds of the runners if they would see that. Fortunately, we left camp before sunrise. During the race, Dr. Stander helped to monitor the wildlife. This was necessary to keep the competitors safe and also to minimize the human disturbances to the environment from the race. On top of all my goals mentioned above, it is key to first understand the ecosystem to minimize our environmental footprint.

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The First Edition … ever

For the first ultra-running event in the Skeleton Coast National Park, we welcomed 214 competitors and about 100 staff. The runners came from about 40 nations and included world-class athletes as well as entrepreneurs, soldiers, and even blind people. Some of them started as teams such as the Team The Sound of Small Bells – a group of 14 runners from China, South Korea, and Japan. The runners united for the race and showed that they could succeed as a team despite their language barriers and political differences. “We also want to bring some communication among the three countries”, says team member Arlen Wu. They achieved even more: “We want to help the blind to fulfill their dreams of running the world”, says Wu, who successfully guided one of the four blind runners in their team.

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The Course Team

When the runners lined up at the start line the first morning, my team and I — the Course Team — were long gone. We set off early to ensure that the stage was completely marked and all the checkpoints were in place. This task can quickly turn into a race against time when access roads are long and cars get stuck. During this edition, the drivers were always on time and extremely skilled. I heard rumors saying that this was because of their German ancestors.

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During the race week, our days were long because the Course Team usually leaves camp before sunrise and often reaches the camp for the night after sunset. The team members Susan and Dominik also share the passion for running. Dominik is an experienced sub-three-hour Marathon runner and Susan a 4 Deserts veteran herself. That is mandatory for course marking because the work is mostly done by foot, even when the stages are accessible by car.

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I have worked on races before where the Course Team members ran even further than the competitors. This time each of us covered between 120 and 170 Kilometers during the event, which is at the lower end. During the marking we are often alone out in the open without support nearby. This requires experience, self-responsibility, but also facilitates unforgettable moments.

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I will never forget what happened while I was marking Stage 5. About one hour had passed since I had left the car while I marked a wide open plane by foot. The surface was covered with a thin layer of tiny, colorful stones – a natural mosaic. The ground was hard and I had difficulties putting the flags in. The evening light painted the landscape red and I had to check my GPS device constantly for direction because there was no reference just horizon. Large hyena tracks indicated wildlife activity and I started getting a bit worried because they would get active very soon. Then suddenly a jackal showed up right behind me. He must have been curious as he came closer. The Jackal decided to follow me and we ran side by side for more than a kilometer. Having this sort of company made me feel accepted and welcome although he was probably hoping for me to slip so that he could have a feast.

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Each of us has his own moment that he carries home from such an event. Watching 196 runners finish their journey near Torra Bay, our job was done. For some runners this was an experience of a lifetime, for me it was a visit of a friend.

Thomas Bohne

Thomas Bohne
Thomas Bohne

Cape Wrath Ultra: Das große Scheitern

Der Cape-Wrath-Ultra ist kein gewöhnlicher Etappenlauf, sondern eine abenteuerliche Reise durch den menschenleeren Norden Schottlands. Die vom Eis geschliffenen und vom Wind geformten schottischen Highlands werden nur von Hartgesottenen besucht. Einer davon ist Bear Grylls bei Man vs Wild, wie er vor der Küste aus einem Hubschrauber in den Ozean springt. Zu gering ist die Infrastruktur, zu extrem das Klima. Seit Jahren hat die Läuferszene auf dieses Rennen gewartet und viel wurde darüber diskutiert. Schließlich standen am Sonntag, dem 22. Mai 2016, 95 Läufer aus 15 verschiedenen Ländern am Start in Fort Williams, dem Outdoor-Zentrum Schottlands am Fuße von Ben Nevis.

Fortsetzung folgt…

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Die Etappenübersicht:

   1. Etappe 37 Kilometer, 500 Höhenmeter
   2. Etappe 57 Kilometer, 1800 Höhenmeter
   3. Etappe 68 Kilometer, 2400 Höhenmeter
   4. Etappe 35 Kilometer, 1400 Höhenmeter
   5. Etappe 44 Kilometer, 1400 Höhenmeter
   6. Etappe 72 Kilometer, 1400 Höhenmeter
   7. Etappe 61 Kilometer, 1600 Höhenmeter
   8. Etappe 26 Kilometer, 700 Höhenmeter

Ergebnisse

Frauen

  1. Ita Manuela Mariotto (ITA)
  2. Louise Staples (GB)
  3. Laura Watson (GB)

Männer

  1. Marcus Scotney (GB)
  2. Thomas Adams (GB)
  3. Pavel Paloncy (CZ)

Die Ausrüstung:

  • Canon 5DS
  • EF 16-35 f4 IS USM

 

 

 

Cape Wrath Ultra – Erste Etappe

Erstmals bewältigen 95 Läufer in acht Tagen 400 Kilometer in den entlegenen schottischen Highlands und laufen bis zum nordwestlichsten Punkt Schottlands: Cape Wrath. Das Rennen ist ein Expeditionsrennen ohne Support und Markierungen auf der Strecke. Nur im Camp, nach jeder Etappe gibt es Essen. Das Gepäck wird von Camp zu Camp transportiert.

Schottland — Die heutige Auftaktetappe war für alle 95 Läufer in Vorgeschmack auf den Rest der Strecke. Ruhig und kontrolliert sind viele die 36 Kilometer angegangen.

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Mit einer Fähre überqueren die Teilnehmer das erste Loch (schottisch für See) und gelangen zum offiziellen Start.

Spätestens nach 30 Kilometern waren alle Füße nass, da der Trail zum Bach wurde. Als ich beinahe auf eine Kreuzotter getreten bin, meinte Andrew Clarke, ein Kamerad aus der britischen Armee, zu mir: “Wow, da hast du aber Glück gehabt. Viele Briten, die hier wandern, sehen in ihrem ganzen Leben keine dieser Schlangen.” Ja, Glück gehabt, dachte ich da.

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Im Zeltlager trage ich nun alle zehn Minuten meine Schuhe in die Sonne und aus dem Regen, um die 57 Kilometer morgen mit halbwegs trockenen Füßen zu starten. Morgen führt uns die Strecke in absolut isolierte Gebiete durch teils wegloses Gelände.

  1. Mann – Marcus Scotney in 2.45h
  2. Frau – Ita Marzotto in 3.5 7h

Kleine Anektode: Heute morgen musste eine Läuferin sechs Flaschen Desperados aus ihrem Drop-Off-Bag nehmen, da ihr Drop-Off-Bag das Gewichtslimit überschritten hat.

Fotoausrüstung: Canon 5DS, EF 16-35 F4

Radtour durch die Vulkanlandschaft

Was macht ihr als erstes, wenn ihr in einem fremden Land ankommt? Richtig, ihr sucht einen WiFi-Hotspot, geht zu Craigslist und kauft ein gebrauchtes Fahrrad. Warum? Dazu später mehr.

Für 99 Dollar war ich stolzer Besitzer eines Rennrades, das umgehend im Kofferraum meines Leihwagens verschwand. Zum Glück sind auch die Kleinwagen in den Staaten grundsätzlich etwas größer als unsere europäischen Pendants.

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Gestern wollte ich meinen neu erworbenen Drahtesel endlich ausprobieren, denn so viel Vertrauen hatte ich in das alte Gefährt dann doch nicht und Überraschungen sind nicht immer willkommen. Kurzerhand fuhr ich auf einen Parkplatz etwas außerhalb von Flagstaff, packte das Rad aus und es konnte losgehen. Leider war das Sattelrohr etwas zu kurz. Folglich saß ich wie eine eierlegende Ente auf dem Rad und rollte zunächst noch frohen Mutes über die amerikanische Landstraße. Nach knapp zehn Minuten fühlte sich mein Drahtesel bereits an, als ob der Esel mit dem Schwanz wackelt. Ein Blick auf das Hinterrad sorgte für Ernüchterung: Der Hinterreifen war dabei sich auszulösen. Kurzerhand machte ich kehrt und rollte zurück in Richtung des rettenden Autos. Etwa 500 Meter vor dem Parkplatz gab es einen lauten Knall und der Hinterreifen war endgültig platt.

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Schiebend entschloss ich: Also gut, das Rad muss zur Reparatur. Per GPS machte ich eine Radwerkstatt ausfindig. Meine Bestellung lautete: “Bitte zwei neue Reifen, zwei Schläuche und eine Sattelstütze.” Die Jungs staunten nicht schlecht beim Anblick meiner Reifen, halfen aber umgehend.

Etwas später startete ich den zweiten Versuch in der Nähe vom Sunset Crater. Eine reizvolle Schleife durch die Kraterlandschaft wäre circa 80 Kilometer lang. Da noch fünf Stunden bis Sonnenuntergang waren, dachte ich: machbar!

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Das Rad rollte mit den neuen Reifen gut bergab, doch bergauf kam ich nicht in Schwung. Scheinbar war das Problem weniger der schwere Stahlrahmen oder die aktuelle Höhe von über 2000 Metern, sondern eher die ineffiziente Mechanik und die kurzen Kurbeln. Als ich nach einer Stunde erst zwanzig Kilometer zurückgelegt hatte und von meiner halbgrünen Lavalandschaft in die Painted Desert — eine Wüste im Nordosten Arizonas — rollte, schaltete ich beim GPS neben Gesamtanstieg auch Gesamtabstieg dazu. Die offenbarte einiges: Bisher hatte ich etwa 150 Meter Anstieg bewältigt aber tatsächlich schon 500 Meter Abstieg. In Anbetracht der fortgeschrittenen Uhrzeit und meiner Wasservorräte von einem halben Liter, entschied ich mich zum kontrollierten Rückzug.

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Mit der längeren Sattelstütze schniefte ich im Ententempo die Hügel hinauf zurück, natürlich mit Gegenwind. Es roch nach Kiefern und zu beiden Seiten erstreckte sich eine schwarze, wilde Lavalandschaft mit Kiefernhölzern und trockenen Büschen. Das Gras flimmerte goldgelb im Sonnenlicht und ich stellte mir vor, wie hier diese riesigen Büffel grasen — das ist der Wilde Westen! Die Schaltung meines Rades ratterte, aber funktionierte tadellos und ich kam voran. Wenige Kilometer vor meinem Auto erstarrte ich förmlich auf dem Rad. Direkt vor mir gleitet eine Schlange mit einem guten Meter Länge gemütlich über die Straße.

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Kurzerhand flog mein Drahtesel auf die Seite und ich lief in sicherem Abstand mit Kamera in der Hand hinter dem Reptil her. Ein Teleobjektiv hätte ich hier dem Weitwinkel vorgezogen. Unbeeindruckt setzte sie ihren Weg fort und ich fragte mich: Was zur Hölle ist das für eine Schlange? Das Muster ähnelte meinen Erinnerungen an eine Klapperschlange, aber die Klapper fehlte. Wie praktisch, dass nach wenigen Kilometern ein Besucher-Zentrum am Weg lag, wo ich nachfragen konnte. Es handle sich um eine Gopher-Snake, teilte mir die junge Frau mit — nicht giftig. Am Auto angekommen, packte ich den Drahtesel weg und trank den letzten Tropfen Wasser aus — Test bestanden, dachte ich.

Sedona: Long Canyon Trail #122

Was macht ihr unmittelbar vor einem Rennen? Es gibt Läufer, die legen einfach ihre Beine hoch und ruhen sich aus. Ich kann das nicht. Was spricht schon gegen einen lockeren Dauerlauf, richtig? Am Samstag laufe ich den Zane Grey 50 in Arizona und in dieser Gegend kann ich einfach nicht still sitzen, sondern muss raus.

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Nach meiner Ankunft in Phoenix fahre ich weiter nach Sedona. Das hat den praktischen Vorteil, dass die Lebensmittel im Auto nicht täglich mehrfach ultrahocherhitzt werden, denn Sedona liegt auf über 1300 Metern Höhe und ist wesentlich kühler und überschaubarer als Phoenix. Sedona ist bekannt für seine roten Sandsteinformationen, die damit verbundenen Outdooraktivitäten, Kunst und Spiritualität.

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Long Canyon Trail

Karten und aktuelle Informationen zur Umgebung erhaltet ihr von der Touristen-Information direkt im Ortskern. Etwa zwei Meilen außerhalb beginnt der Long-Canyon-Trail, für mich der Trail der Wahl. Parken könnt ihr am der Straßenrand in der Nähe des Trailheads. Den Trailhead findet ihr vielleicht mit einer der Skizzen, sicher aber mit einem GPS-Gerät und aktueller Karte. Der Trail selbst ist gut beschildert.

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Die Beschreibung ist leicht: Vom Start lauft ihr etwa sieben Kilometer leicht bergauf in den Canyon hinein. Zu beiden Seiten verengt sich der Canyon zusehends, Blumen verzieren den Pfad und mächtige Sandsteinwände ragen empor — ein Traum. Der Trail schlängelt sich allmählich dahin und wird gegen Ende etwas schmaler. Gerade als die Schlucht richtig eng wurde, lief ich direkt in eine Herde Wildschweine. Nicht nur die Schweine waren sichtlich genervt. Am Ende des Canyons dreht ihr einfach um und lauf die gleiche Strecke zurück. Die Wildschweine fanden das zweite Treffen gar nicht lustig.

Daten zum Trail findet ihr auf Strava.

Übernachten könnt ihr auf einem der nahegelegenen Campingplätze oder in den Motels/Hotels vor Ort. Vorsicht: Im April kann es nachts noch kalt werden, ich hatte morgens ganze zwei Grad Celsius.

Interview: Trail Running in China

Diese Woche habe ich mich mit Florian über das Thema Trail-Running in China unterhalten. Das Interview möchte ich euch nicht vorenthalten:

Thomas Bohne: „Chinesen wollen keinen Asphalt mehr unter den Füßen”

Thomas Bohne: „Chinesen wollen keinen Asphalt mehr unter den Füßen"
© Judy Ng

Garmin Forerunner 630

© Garmin

Der Garmin Forerunner 630 überzeugt mich wie bereits sein Vorgängermodell durch sein geringes Gewicht, die geringe Größe und die integrierte WLAN-Funktionalität. Wer den Touch-Screen mag, der findet hier ein weiteres Argument für die 630 im Vergleich zu den Versionen 230 und 235. Nach dem Training müsst ihr euch keine Gedanken über die Datenübertragung machen, denn die Uhr lädt die Trainingsdaten im Heimnetzwerk ganz problemlos zum Web-Portal Garmin Connect und wertet sie aus. Bei der neuen 630 wurde die Anzeige vergrößert und die Uhr empfängt nun zusätzlich die Signale der GLONASS-Satelliten. Außerdem ist die 630 ein vollwertiger Fitness-Tracker, der eure Bewegungen im Tagesverlauf aufzeichnet und euren Schlaf auswertet.

© Garmin

Deutliche Verbesserungen gibt es bei den Running-Dynamics-Daten, die zur Verbesserung des persönlichen Laufstils beitragen sollen:

  • Schrittfrequenz
  • Bodenkontaktzeit
  • Balance Bodenkontaktzeit
  • Vertikale Bewegung
  • Schrittlänge
  • Vertikalverhältnis

Auch wenn diese Daten unter Umständen hilfreich sein können, überzeugen sie mich im Gelände nicht hundertprozentig. Auch der Stress-Wert scheint eher einen groben Anhalt zu bieten als einen genauen Ruheindikator.

Während des Tests fiel mir auf, dass die Knöpfe am rechten Rand des Uhrengehäuses oft versehentlich am Handgelenk auslösten. Mit einer Tastensperre lässt sich die zwar unterdrücken, jedoch sind dann alle Tasten gesperrt.

Insgesamt ist die 630 eine zuverlässige und extrem leichte Laufuhr und Smartwatch, die sich in erster Linie durch WLAN und Touchscreen von den kleineren Geschwistern der 200er-Serie absetzt.

Forerunner 630
Preis (UVP) 399 €
Gewicht 43g
Barometrischer Höhenmesser nein
Betriebszeit Uhrmodus 4 Wochen
Betriebszeit Trainingsmodus 16 Stunden
Wasserdichtigkeit Baden, Duschen

Vorschau: 250 Kilometer durch die Namib

Wenn sich im Mai 2016 knapp 200 Ultraläufer aus über 40 Nationen in der Wüste Namib treffen, betreten sie ein lebendes Museum von unglaublicher Schönheit und Komplexität. In sechs Etappen werden die Läufer 250 Kilometer in der trockensten und ältesten Wüste der Erde bewältigen und dabei völlig unberührt Gebiete durchqueren.

Namibia-9150

Ein warmer Wüstenwind weht durch das Cockpit, während unser Flugzeug über einen breiten Dünengürtel schwebt. Zwischen den majestätischen Dünen verstecken sich keine, grüne Inseln und grazile Marmorreliefs. Die Skelettküste im Nordwesten Namibias ist eine unzugängliche und einsame Region. Touristen dürfen diesen Bereich nicht betreten. Aus der Luft sieht die Landschaft aus wie ein abstraktes Gemälde: Schwarze, rote und gelbe Linien zeichnen ein Gemälde wie auf einer Leinwand. Sie ist die älteste Wüste der Welt und hat viel gesehen und erlebt. Über 1000 Schiffswracks liegen versunken im Sand und sind stille Zeugen von zahlreichen Tragödien, die sich hier abgespielt haben. Statt Zuflucht erwartete die Gestrandeten am rettenden Ufer die erbarmungslose Hitze eines der trockensten Orte unseres Planeten. Die Schiffswracks und Knochen gaben der Skelettküste ihren Namen.

Hyänenspuren führen zum  Wrack
Hyänenspuren führen zum Wrack

Eine besonders spektakuläre Rettung ereignete sich im November 1942. Das britische Frachtschiff Dunedin Star strandete vor der Küste mit 85 Personen Besatzung und 21 Passagieren. Ein Teil der Passagiere konnte das Ufer erreichen, bevor das Rettungsbot zerbrach. Während der Rettungsmission sollte ein nagelneues Flugzeug Wasser und Lebensmittel für die Schiffbrüchigen abwerfen. Da die Masse der Vorräte beim Auftreffen zerstört wurde, entschied sich der Pilot des Rettungsflugzeugs zur Landung. Dies war eine fatale Entscheidung. Der nagelneue Lockheed Ventura Bomber landete auf einer Salzebene und versank im Sand. Ein Konvoi der südafrikanischen Armee machte sich auf den 950 Kilometer langen Weg zu den Hilfesuchenden. Drei weitere Flugzeuge warfen daraufhin Proviant und Wasser für die Gestrandeten ab und versorgten außerdem den Rettungskonvoi. Bei der Rettung waren auch Schiffe beteiligt. Eines davon versank mit zwei Personen an Bord Besatzung und Passagiere der Dunedin Star waren nach 27 Tagen gerettet.

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Die Namib ist keine gewöhnliche Wüste. Im Westen trifft sie auf eine der nährstoffreichsten und fischreichsten Meeresströmungen der Erde — den Benguelastrom. Ihre Pflanzen- und Tiere haben sich auf spektakuläre Weise die extremen Bedingungen angepasst.

Welwitschia mirabilis
Welwitschia mirabilis

Die Welwitschia mirabilis ist Teil des Wappens Namibias und trinkt Küstennebel. Obwohl sie bis zu 2000 Jahre alt werden kann, besitzt sie lediglich zwei Blätter und die lebenswichtige Fähigkeit, Wasser vom Tau der Blätter aufzunehmen.

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Wenn die Flussbetten austrocknen, bleiben wenige Wasserstellen übrig. Wüstenelefanten legen auf ihrem Weg zu Wasserstellen bis zu 80 Kilometer pro Nacht zurück und Oryxantilopen können ihre Körpertemperatur tagsüber auf 40 Grad Celsius anheben, um die Hitze zu überstehen. Sie benötigen kein Trinkwasser und können es auch ausschließlich über ihre Nahrung aufnehmen.

Namibia-9300

Läufer sind deutlich schlechter angepasst. Sie werden deshalb alle zehn Kilometer mit Wasser versorgt. Ihre Ausrüstung und Nahrung tragen sie bei einem 4Deserts-Lauf im Rucksack bei sich. Die Rucksäcke wiegen zwischen sechs und fünfzehn Kilogramm. Die Läufer mit leichteren Rucksäcken liegen in der Platzierung erfahrungsgemäß weiter vorn. Übernachtet wird im Gemeinschaftszelt und Duschen gibt es erst weit hinter der Ziellinie. Wer dieses Abenteuer übersteht, ist danach ein anderer Mensch.

Oryx-Antilopen
Oryx-Antilopen

Frischer Fisch an der Skelettküste

Es ist stockfinster, als die Scheinwerfer unseres Geländewagens die zwei großen Totenköpfe erfassen. Frech grinsen sie jedem Besucher entgegen, der das Tor des Skeleton-Coast-Nationalparks passieren möchte. Das Tor ist bereits fest verschlossen. Nach über 30 Stunden Reisezeit liegen lediglich einhundert Kilometer Schotterpiste zwischen mir und dem Ziel meiner Reise.  “Ich suche nach Whitie”, sagt mein Guide Oliver. “Eigentlich ist er schwarz, aber wir nennen ihn Whitie”. Kurze Zeit später ist der Ranger zur Stelle, öffnet das Tor und ermöglicht uns die Weiterreise. Unter dem leuchtenden Sternenhimmel der Südhalbkugel fegt unser Geländewagen über die staubige Piste durch die Nacht.

Namibia-9137
Torra Bay

 

Torra Bay – Im äußersten Nordenwesten Namibias erwartet Besucher nicht viel mehr als ein einsamer Zeltplatz. Lediglich einige Fischer campen hier, denn zum Baden ist das Wasser zu kalt. Der nährstoffreiche Benguelastrom schiebt den eisigen Hauch der Antarktis an die Küste Namibias, der die Landschaft zur Wüste werden lässt und zahlreichen Schiffen zur Verhängnis wurde. Das Wasser ist so unglaublich fischreich, dass ich als Nicht-Angler im Minutentakt den Kabeljau aus den Fluten ziehe.

Torra Bay hat nur zwei Monate im Jahr geöffnet, von Dezember bis Januar. Auf dem breiten Sandstrand steht ein Wasserturm, ein paar Hütten und sonst nichts — der ideale Ausgangspunkt für einen Wüstenlauf. In den nächsten Wochen plane ich an der Skelettküste die Strecke für einen 250-Kilometer Etappenlauf durch die Namib-Wüste.

Sonnenaufgang an den Drei Zinnen

Wenn Menschen an die Alpen denken, verbinden sie damit meist die atemberaubenden Bilder der Dolomiten – die Drei Zinnen, das Dreigestirn der Tofane, Monte Cristallo. Der Lavaredo Ultra Trail ist mit seiner neunten Austragung mittlerweile ein Klassiker, der mit 119 Kilometern und knapp 6000 Höhenmetern um genau diese berühmten Felsformationen führt. Die Tour Das Rennen startet am späten Abend in Cortina d’Ampezzo und wer als Läufer sein Tempo gut einteilt, wird mit den drei Zinnen bei Sonnenaufgang belohnt. Die Läufer spüren, dass sie willkommen sind und so ist es keine Überraschung, dass 500 der 6000 Einwohner Cortinas bei den Rennen als Helfer auf der Strecke stehen. Ein kleines Alpenstädtchen umrahmt von einer atemberaubenden Kulisse feiert für einige Tage ein Trailrunning-Festival. Die Atmosphäre in Cortina erinnert ein wenig an die Anfangsjahre des UTMB. Mit 1300 Läufern aus 56 Nationen verzeichnete die diesjährige Austragung erneut einen Teilnehmerrekord, wirkt allerdings immer noch familiär – ganz im Gegensatz zum großen Bruder in Chamonix.

Lavaredo Ultra Trail

Auch den Top-Stars der Szene ist der Lavaredo nicht entgangen, so standen in diesem Jahr der US-Amerikaner Timothy Olson, die Brasilianerin Fernanda Maciel, die Französin Caroline Chaverot, Denise Zimmermann (1. Irontrail, 1. TVSB, 1. Sardona Ultra) sowie ein extrem starkes internationales Feld an der Startline. Maciel hat den Lavaredo bereits 2011 gewonnen und war Zweite in 2012. “Zum Lavaredo komme ich immer gern zurück, denn es ist eine so wunderschöne Strecke”, erläutert sie ihre erneute Teilnahme in diesem Jahr. Gewinnen konnte sie den Lavaredo Ultra Trail dieses Jahr nicht, sondern die Französin Caroline Chaverot entschied das Rennen für sich und ließ diesmal Nathalie Mauclair und Maciel hinter sich. War es eine Revanche für dich? Caroline sagt sichtlich erleichtert: “Um ehrlich zu sein, ja. Die IAU Weltmeisterschaften waren hart für mich, denn am letzten Berg hat mich Nathalie sehr schnell überholt. Aber es war nur ein Bluff, denn dann lief sie in meinem Tempo weiter, aber ich kam einfach nicht mehr ran.” Mit diesem Lauf unterbot sie den Streckenrekord von Rory Bosio vom vergangenen Jahr um 49 Minuten. Rory hatte ihrerseits bereits den alten Streckenrekord um 90 Minuten verkürzt. Auch die Herren lieferten sich einen harten Kampf um die Spitze, den der Norweger Didrik Hermansen in 12.34 h für sich entschied. Der Franzose Erik Clavery führte das Feld bis Kilometer 33, fiel dann auf Platz Fünf zurück und kämpfte sich schließlich wieder bis auf Rang Zwei nach vorn.

Rennen

Cortina Skyrace 20km, 1000 Höhenmeter
Cortina Trail 47km, 2650 Höhenmeter
Lavaredo Ultra Trail 119km, 5850 Höhenmeter

Resultate Lavaredo Ultra Trail

Männer

  1. Hermansen Didrik (NOR) 12.34h
  2. Clavery Erik (FRA) 13.01h
  3. Duran Lopez Yeray (ESP) 13.04h

Frauen

  1. Chaverot Caroline (FRA) 13.40h
  2. Mauclair Nathalie (FRA) 14.25h
  3. Maciel Fernanda (BRA) 15.15h

#### Resultate Cortina Trail

Männer

  1. Davide Cheraz (ITA) 4.43h
  2. Stefano Fantuz (ITA) 4.54h
  3. Sebasjan Zarnik (ITA) 4.57h

Frauen

  1. Kim Spence (GBR) 5.42h
  2. Kerstin Erdmann (GER) 5.58h
  3. Anna Biasin (ITA) 5.59h

Vorschau: Gobi March 2015 – Eine Karawane der besonderen Art

Der Gobi March zählt zu den härtesten Wüstenrennen, denn er führt seine Teilnehmer in eine der entlegensten Regionen der Erde – die Wüste Gobi. In diesem Jahr war ich mit der Planung einer neuen Strecke beauftragt und gebe hier einen Ausblick auf das, was die Läufer während ihres einwöchigen Abenteuers erwartet.

Gobi March 2015-9

Vom Weltall sieht sie aus wie eine trockene Pfütze mitten in Zentralasien. Ihre Ausmaße sind gigantisch und sie ist umgeben von den höchsten Gebirgsketten unserer Erde: den Kunlun Bergen im Süden und gleich dahinter dem Himalaya, dem Pamir im Westen und im Norden dem Tien Shan. Die Wüste Gobi ist berüchtigt für ihr extremes Klima, ihre karge, steinige Landschaft. Plötzlich auftretende Stürme lassen den Tag zur Nacht werden und haben in der Vergangenheit ganze Karawanen von Reisenden verschlungen. Die Menschen in dieser Region haben sich angepasst. Sie haben gelernt, zu überleben. Ihre braungebrannten, faltigen Gesichter und ihre rauen, furchigen Hände zeichnen ein Bild von einem Leben in den Extremen.

Gobi March 2015-7

Mit der zwölften Austragung des Gobi Marches zieht erneut eine Karawane durch die karge Einöde. Ultraläufer aus über 40 Nationen haben sich in der chinesischen Provinz Xinjiang verabredet, um in sechs Tagen 250 Kilometer zu Fuß und nahezu autark zurückzulegen. Dabei werden sie schwitzen, bluten, Tränen werden fließen und es werden Freundschaften fürs Leben geschlossen. Viele wird dieser Lauf für immer verändern und für einige wird es das Abenteuer ihres Lebens. Was erwartet die Teilnehmer des Gobi March im Jahr 2015?

Die Region um die Oase Hami war bereits 2006 Austragungsort für den Gobi March. Die Reisenden auf der Seidenstraße schätzen Hami besonders für seine süßen Melonen, die großen Rosinen und den herrlichen Wein. Hami ist das östliche Tor nach Xinjiang und mittlerweile zu einer chinesischen Großstadt mit geraden Straßen und Betonhäusern gewachsten. In den schmalen Gassen abseits der verkehrsbeladenen Hauptstraßen herrscht jedoch noch immer die Ruhe und Gelassenheit einer Wüstenoase.

Direkt hinter dem Hotel, das die Läufer des Gobi March 2015 beziehen werden, liegt der Duft von gegrilltem Schaffleisch in der Luft. Nebenan verkauft ein Händler die saftig-süßen Früchte der Region. Zahlreiche Minoritäten wie Uiguren, Hui, Kasachen und Mongolen sind hier zu Hause. Schaffleisch in allen Varianten bildet das Grundgerüst aller Speisekarten in Hami. Schaffleisch gegrillt, gekocht oder gebraten als Hauptspeise oder kalte Knochen als Snack zwischendurch.

Erste Etappe

Von Beginn an werden die Läufer sprachlos gelassen. Das erste Zeltlager liegt inmitten bizarrer rotbrauner Steinformationen und nicht zuletzt auf einer Höhe von 2400 Metern. Vorbei an Nomadenhäusern und durch steile Schluchten schlängelt sich ein schmaler Pfad hinaus in die weiten Grasebenen Dschingis Khans. Mit etwas Glück sind Reiter zu sehen und einzelne Kamelherden grasen friedlich im satten Grün. Nach etwa 25 Kilometern ragt mitten im Grün eine gigantische Sanddüne empor. Gleich daneben befindet sich der dritte Checkpoint und die letzte Verpflegung vor dem zweiten Zeltlager.

Gobi-22

Zweite Etappe und dritte Etappe

Eine Schotterpiste schlängelt sich auf einen 2770 Meter hohen Bergpass des Tien Shan hinauf. Am höchsten Punkt ruht ein Kloster, vor dessen Pforte ich im März noch hüfttief im Schnee steckte, während unser Fahrer einen steckengebliebenen Geländewagen aushob. Wir waren die ersten Besucher nach dem strengen Winter. Langsam windet sich die Straße vom Pass hinab und eröffnet immer wieder den Blick in das schier endlose Becken um Hami. Knochenbrecherische Gerölllandschaften mit messerscharfen Steinen gewähren genug Raum für einen schmalen Pfad durch die Ausläufer des Tien Shan. Dazwischen verstecken sich malerische Oasen mit Schafherden und Aprikosenbäumen.

Vierte Etappe

Diese Etappe schließt den Bogen vom Gebirge zur Wüste. Um von den Ausläufern des Tien Shan in das Hami-Becken zu gelangen, muss eine breite Fläche aus Geröll und Büschen durchquert werden. Dazwischen verlaufen Wassergräben und am Horizont zeichnen sich die Silhouetten der Skyline von Hami ab. Sind die deutlichen Zeichen unserer Zivilisation passiert, betreten die Athleten den Boden der Wüste um Hami. Nahe eines Dorfes, das wir Aprikosendorf getauft haben, ragen rote Steinformationen empor. Dort befindet sich das Camp Fünf.

Gobi March 2015-15

Fünfte Etappe – The Long March

Bereits mit den ersten Schritten betreten die Läufer den pechschwarzen Boden der Wüste Gobi — wir nennen sie Schwarze Gobi. Die flimmernde Luft lässt den Horizont verschwimmen und manchmal meint man, in der Ferne einen Ozeanteppich zu erkennen. Einige nennen das Fata Morgana. Schon bald stehen bizarre Formationen wie einsame Säulen inmitten dieses schwarzen Meeres. Über Jahrtausende haben Wind und Sonne hier Kunstwerke geschaffen, die hiesige Adlerpärchen jetzt als Nistplätze missbrauchen. Nur wenige Menschen verirren sich in diese Gegend. Das sechste Zeltlager erwartet die Läufer vor einer besonders imposanten Formation, die den Einheimischen als Heilige Frau geläufig ist.

Bizarre Skulpturen inmitten der Wüste
Bizarre Skulpturen inmitten der Wüste

Die letzten Schritte

Die letzten Schritte des Rennens bringen die Läufer über knappe 15 Kilometer bis ins ersehnte Ziel. Wer auf dem Weg genau hinsieht, kann auf dem Boden die eine oder andere wertvolle Überraschung entdecken. Was die Läufer im Ziel erwartet, kann ich an dieser Stelle nicht schreiben. Nur so viel sei verraten: Der Zieleinlauf ist bisher bei jedem Läufer ein unvergessliches Erlebnis geblieben.

Informationen

Weitere Informationen zum Rennen findet ihr unter:

www.4deserts.com/gobimarch

Für die Anreise empfehle ich folgende Varianten:

  1. Flug nach Urumqi, dann Zug nach Hami
  2. Direktflug nach Hami von einem der großen Hubs

Weitere Informationen zur Reiseplanung liefert der Veranstalter.

Gobi-6

Wer das Rennen mit einer Chinareise verbinden möchte, dem lege ich wärmstens Country Holidays als Veranstalter ans Herz.

Die Fenix 3 im Langzeittest

Fenix 3

Stilvoll, smart und solide – Die neue Garmin Fenix 3 erobert die Trails mit präziser Genauigkeit in feiner, harter Schale. Die graue Fenix 3 hat mich sowohl im Schneesturm bei minus 14 Grad als auch in die Sandstürme der Wüste Gobi begleitet und dabei keinen Kratzer davongetragen.

So mancher Betrachter hält die Uhr zunächst für eine Analoguhr mit Zeigern. Das neue, hochauflösende Farbdisplay lässt die digitalen Zeiger täuschend echt erscheinen und gibt der Fenix ganz neue Möglichkeiten.

Gobi March 2015-25

Russische Satelliten

Unter ihrem robusten Metallgehäuse verbirgt die Fenix sensible GPS-Empfänger für die amerikanischen Satelliten sowie für die der Russen. Die Positionsbestimmung dauert an einem neuen Ort mit ein bis zwei Minuten recht lang. Allerdings werden die letzten Positionen zwischengespeichert und eine erneute Satellitensuche an Orten in der Nähe dauerte im Test anschließend keine fünf Sekunden. Außerdem wählt die Fenix 3 automatisch die korrekte Zeitzone, was sie auf Reisen zu einem hilfreichen Begleiter werden lässt. Höhenmesser, Barometer und Kompass benötigen zum Betrieb kein GPS, können aber per GPS automatisch kalibriert werden. Das spart ordentlich Energie und Zeit.

Vergleich mit dem GPSMap 64s

Meine Hausrunde eignet sich hervorragend zum Vergleich der Fenix 3 mit dem großen Bruder GPSMap 64s. Die Laufrunde führt über sieben Kilometer auf schmalen Trails durch die Voralpen nahe Garmisch-Partenkirchen. Teile des Trails sind ausgesetzt, andere sind dicht bewaldet und stellen damit eine Herausforderung für GPS-Geräte dar. Das folgende Bild zeigt die aufgezeichneten Tracks beider Geräte. Der Track der Fenix 3 ist dabei rot dargestellt, der des GPSMap 64s blau.

Vergleich Fenix 3 - GPSMAP 64s

Das Aufzeichnungsintervall betrug bei beiden Geräten 1s und sie wurden beide am linken Arm getragen. Beide Geräte zeichneten sowohl mit den amerikanischen Satelliten als auch mit GLONASS auf.

Der Vergleich trifft keine Aussage über die Genauigkeit beider Geräte, welches Gerät die genaueren Werte liefert, ist nicht bekannt. Die Abweichung der Messwerte lässt trotzdem Rückschlüsse zu. Die Abweichung der gemessenen Distanzen beträgt mit 200 Metern knapp 3%. Das sind auf 100 Kilometer immerhin 3 Kilometer Unterschied. Sowohl die Fenix 3 als auch das GPSMap 64 zeichnen in diesem für GPS-Geräte anspruchsvollen Gelände einen Trail auf, der nah am gelaufenen Original liegt. Bei genauem Betrachten fällt auf, dass das GPSMap auch kleine Haken berücksichtigt, während die Fenix 3 diese vernachlässigt.

Hier die Messwerte:

GPS Fenix 3 GPSMap 64s 
Aufzeichnungsintervall 1s 1s
Gesamtdistanz 7,2km 7,4km
Anstieg 667 674m
Abstieg 668 676m
Ausgangshöhe 664 675
maximale Höhe 1326 1327

Die Höhenmesser beider Geräte kalibrieren sich beim Einschalten automatisch, deshalb sind die Ausgangshöhen beider Geräte unterschiedlich. Die maximale Höhe beider Geräte bei diesem Lauf ist erstaunlich ähnlich, obwohl die angegebene Höhe des Berges mit 1368 Metern noch etwas darüber liegt. Das folgende Foto zeigt die Höhenangabe der Fenix 3 auf dem Gipfel des Wank bei Partenkirchen in einer Höhe von 1780 Metern mit automatischer Konfiguration.

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Drahtlose Vielfalt

Der Akku der Fenix 3 hält im GPS-Modus mindestens 18 Stunden und im UltraTrac-Modus mit geringer Aufzeichnungsrate maximal 50 Stunden. Im Test hatte war Bluetooth permanent aktiviert, um meine Trainingseinheiten automatisch mit dem Smartphone zu synchronisieren. Dazu musste die Uhr ungefähr alle drei Tage aufgeladen werden. Die Bluetooth-Schnittstelle ermöglicht außerdem einige Smartwatch-Funktionen: So werden Anrufe und Nachrichten, die vom Smartphone kommen, per Vibrationsalarm von der Uhr angezeigt. Während dieser Aktivität kam es im Test zum einzigen Ausfall, bei dem die Uhr manuell zurückgesetzt werden musste. Zum Reset muss die Lichttaste 25 Sekunden lang gedrückt werden, bis die Uhr ausschaltet. Anschließend kann sie durch das Betätigen der Lichttaste wieder eingeschaltet werden.

Die Fenix 3 besitze eine ANT+-Schnittstelle zur Anbindung externer Sensoren wie zum Beispiel einen Brustgurt. Die integrierte WiFi-Funktionalität fällt in die Kategorie willkommener Luxus. Sie ermöglicht die Synchronisation der Trainingsdaten im Heimnetzwerk, während ihr unter der Dusche steht.

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Konfiguration am Handgelenk

Als Ultraläufer könnt ihr die Uhr auch im Zelt während des Wüstenlaufes umkonfigurieren, denn die Konfiguration kann nahezu vollständig ohne PC am Handgelenk erfolgen. Die Konfigurationsmöglichkeiten sind schier endlos. Besonders hilfreich finde ich die neue AutoClimb-Funktionalität, die ab einer Steigung von 2-3% automatisch auf eine Anzeige mit Steigungsdaten anzeigt. Während langer Anstiege habt ihr so die wichtigen Informationen automatisch im Blick.

Die AutoLap-Funktion ermöglicht die Konfiguration von Rundenzeiten nach Distanz. Bei langen Läufen lassen sich so damit die Zwischenzeiten gut überwachen.

Eine für mich überflüssige Funktion ist die Überwachung meiner Tagesaktivitäten wie Schrittzahl und zurückgelegte Distanz im Alltag. Der Inaktivitätsalarm schien völlig wahllos auszulösen und wurde von mir genervt deaktiviert.

Garmin Fenix 3
Garmin Fenix 3

Brauchbares Navi

Dank hochauflösendem Farbdisplay ergeben sich vielfältige Möglichkeiten zur Navigation: Aktivitäten, Strecken oder GPS-Punkte können über Garmin Connect auf die Uhr übertragen werden. Anschließend zeigt euch das Display eine kleine Karte an und führt euch zum Ziel. Während der Navigation entlang einer Route werden Abweichungen vom Track durch Warnungen signalisiert und die Fenix 3 berechnet eine geschätzte Ankunftszeit. Falls ihr euch mal verlaufen habt, bringt euch die TracBack-Funktion wieder zum Ausgangsort zurück — eine Funktion, die ich in unbekannten Regionen unglaublich praktisch finde.

Die Übertragung von Tracks auf die Uhr geht problemlos per Smartphone und per PC. Leider lassen sich GPS-Tracks aber nur am Computer und noch nicht per Smartphone-App in Garmin Connect übertragen. Ich habe zum Beispiel einen Track mit der Smartphone-APP GPSies gefunden, lade diesen auf meinem Telefon als Datei runter und kann ihn ohne den Umweg PC nicht auf die Uhr übertragen.

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Zusammenfassung

Die Fenix 3 ist mein treuer Begleiter im Alltag geworden. Das Design wirkt sportlich robust und trotzdem elegant. Die zahlreichen Funktionen der Uhr suchen bis dato ihresgleichen auf dem Markt. Besonders auf Langstrecken im Gelände ist die Fenix 3 hilfreich. Nach dem Lauf schreit sie nicht gleich nach dem Datenkabel, sondern kooperiert mit Android und iPhone. In Zukunft stehen für die Uhr mit Connect IQ auch Apps und Widgets bereit. Damit hat Garmin eine Lücke zu Suunto geschlossen.

In diesem Review habe ich einige der Funktionen der Fenix 3 vorgestellt, die für mich als Ultra-Läufer von besonderem Interesse sind. Die Informationen im Test stammen aus meinen Erfahrungen, Produktbeschreibungen des Herstellers sowie vom herausragenden Blog von Ray Maker. Falls ihr falsche oder unvollständige Informationen im Beitrag findet, schreibt mir einfach oder hinterlasst einen Kommentar.

GPS-Uhr Garmin Fenix 3
Preis (UVP) 499 €
Gewicht 82g
Barometrischer Höhenmesser ja
Kompass 3-Achsen
Akku-Betriebszeit (mit GPS) 16-50 Stunden
Akku-Betriebszeit (ohne GPS) 3 Monate
Wasserdichtigkeit schwimmtauglich
Aufzeichnungsintervall ab 1s

Thomas

Helle Köpfchen — Stirnlampen für Läufer

Wenn ich nachts auf meine dunklen Hausberge am Horizont blicke, sehe ich gelegentlich einen Lichtpunkt aufblitzen. Bei genauerem Hinsehen erkennt man, dass er sich langsam bewegt. Egal ob als Wanderer, Läufer oder Skitourengeher — immer mehr Menschen wagen sich in völliger Dunkelheit vor die Tür und greifen dabei auf künstliches Licht zurück. Erst Entwicklung der weißen LED und leistungsfähige Akkus ließen die Stirnlampen auch für Läufer nutzbar werden. Der Trend geht mittlerweile sogar zur Zweitlampe. Für mich zählt eine Stirnlampe genauso zur Pflichtausrüstung wie ein Mobiltelefon. Besonders in den Wintermonaten, wenn die Tage kurz sind, bietet mir meine Lampe die einzige Möglichkeit, sicher über technische Trails zu traben. Allerdings müssen nicht gleich 400 Euro für einen beleuchtetes Stück Wanderweg ausgegeben werden. Oft reicht ein günstiges Modell völlig aus und der Markt bietet zahlreiche Modelle: Angefangen bei einfachen, preiswerten Lampen für weniger als dreißig Euro über minimalistische Notlampen bis hin zu Hochleistungs-Lampen mit Software-Steuerung ist für unterschiedliche Einsatzzwecke etwas geboten. Ich habe eine breite Palette aktueller und zukünftiger Modelle für euch getestet.

Geonaute OnNight 410

Geonaute OnNight 410

Kompakt, leicht und mit schwenkbarem Kopf liefert diese Stirnlampe der Decathlon-Tochter bei maximaler Leuchtkraft einen recht konzentrierten Lichtkegel, der auf einfachen Trails gerade ausreichend Licht bietet. Die Lampe lässt sich über einen Druckknopf über dem Lampenkopf gut bedienen, allerdings verstellt sich bei der Betätigung die Position des Kopfes leicht. Die Verarbeitung ist einfach aber solide und der integrierte Akku wird per USB-Kabel geladen.

Petzl Myo RXP

Petzl Myo RXP 2015

Die Myo liefert 280 Lumen über sagenhafte 45 Stunden und ist damit ein Favorit für lange Ultras und mehrtägige Abenteuer. Die neue Version der Myo RXP fällt sofort durch eine ausgewogene Gewichtsverteilung auf. Eine aufklappbare Weitwinkellinse erzeugt einen gleichmäßigen Lichtkegel im Nahbereich, ohne die Linse entsteht ein stark fokussierter Lichtkegel. Zusätzlich verfügt sie übern einen Boost-Modus. Eine durchdachte Konstruktion und der Betrieb mit drei AA-NiMH-Akkus ermöglichen einen schnellen Akkuwechsel. Die Bedienknöpfe sind etwas klein geraten aber die Lampe wirkt hochwertig und robust.

Black Diamond Icon

Black Diamond Icon

Die Icon ist der robuste Partner für Abenteurer. Auffällig ist der Akkupack mit vier AA-Akkus, der die Icon zum Schwergewicht werden lässt. Sie liefert für circa neun Stunden 200 Lumen und ist damit ein zuverlässiger Begleiter auf langen Touren. Das Gewicht wird durch ein dreiteiliges Band sicher am Kopf gehalten. Das Gehäuse ist sehr robust und stabil. Die Bedienung der verschiedenen Leuchtmodi erfolgt über einen gut zu bedienenden Druckknopf am Lampenkopf.

Petzl TIKKA RXP

Petzl Tikka RXP

Die TIKKA RXP ist ein Leichtgewicht, das mit der reaktiven Lichtsteuerung der NAO ausgestattet ist. Das Gewicht trägt sie lediglich am Lampenkopf und lässt sich daher gut im Gepäck verstauen. Sie eignet sich für den kurzzeitigen Gebrauch und als Ersatzlampe. Die Verarbeitung ist hochwertig und der Akku lässt sich problemlos tauschen. Lediglich die Bedienung der zwei kleinen Druckknöpfe erfordert Fingerspitzengefühl.

Sigma Mono HL

Sigma Mono HL

Die Mono HL eignet sich für sehr einfache Trails und als Notleuchte, da die Lichtausbeute begrenzt ist. Der Lichtkegel ist sehr zentriert und für den Fernbereich optimiert. Die Bedienung erfolgt über einen Druckknopf auf dem Lampengehäuse. Die Verarbeitung der Lampe ist einfach und der integrierte Akku wird per Micro-USB geladen.

Silva Trail Runner II

Silva Trail Runner II

Bei der Trail Runner II hat der Hersteller besonderen Wert auf einen optimalen Lichtkegel gelegt. Die Lichtausbeute der 140 Lumen ist deshalb nahezu perfekt. Das Gehäuse des Vorgängers wurde nochmals etwas verschlankt und die Verarbeitung erscheint noch hochwertiger. Bedient wird sie über einen seitlichen Druckknopf. Die Trail Runner II ist die optimale Lampe für Ultras und Trail-Läufer, die lange Nächte vor sich haben und auf ein ausgewogenes Preis-/Leistungsverhältnis achten.

Stirnlampen Geonaute OnNight 410 Sigma Mono HL Silva Trail Runner II Black Diamond Icon Petzl TIKKA RXP Petzl Myo (2015)
Maximale Helligkeit in Lumen 120 32 140 200 215 280
rotes Lichttd>

nein nein nein ja ja nein
Preis (UVP) in € 25,90 27,90 70 79,90 ja 99,95
Gewicht in g 100 54 122 245 110 185
Betriebszeit in Stunden bei > 100 Lumen 5 k.A. 30 k.A. 5 47
Betriebszeit in Stunden bei max. Helligkeit 7 5 30 9 2.5 45
Wasserdichtigkeit übersteht Spritzer k.A. übersteht Regen übersteht Untertauchen übersteht Spritzer übersteht Spritzer

Hochleistungs-Lampen

Die folgenden Stirnlampen zeichnen sich durch eine besonders hohe Lichtstärke und Reichweite aus. Sie benötigen dafür mehr Energie als die oben aufgeführten Modelle und erzeugen mehr Wärme.

Silva Trail Speed Elite

Silva Trail Speed Elite

Die zwei Hochleistungs-LEDs dieser Lampe erzeugen zwei unterschiedliche Lichtkegel: einen sehr breiten sowie einen sehr zentrierten. Die Ausleuchtung und die Lichtleistung der Lampe überzeugt auch auf technisch anspruchsvollen Trails. Die Verarbeitung wirkt hochwertig. Ein großer Knopf an der Lampe regelt die Beleuchtung in drei Stufen und ist leicht zu bedienen. Während die Lampe sehr leicht ist, brachte der Akkupack deutlich mehr auf die Waage und rutschte beim Tragen am Hinterkopf immer wieder in den Nacken.

Silva Power Trail

Silva Power Trail

Die Silva Power Trail ist ein flexibel einsetzbarer Flutlichtscheinwerfer mit der höchsten Lichtleistung im Test. Die Lampe lässt sich durch ihre großzügige Kopfhalterung bequem tragen. Die fünf LEDs sind sehr gut aufeinander abgestimmt und leuchten den Trail perfekt aus. Die Bedienung erfolgt über einen Druckknopf am Lampengehäuse. Viel Licht verlangt nach viel Leistung, deshalb muss der massive Akku in den Rucksack ausgelagert werden.

Petzl NAO 2015

Petzl Nao 2015

Die Petzl NAO überzeugt durch ihre Anpassungsfähigkeit und Leistung. Sie leuchtet im Nahbereich automatisch schwächer und wenn der Blick in die Ferne schweift, dreht sie die Leistung richtig auf. Das spart Akkuleistung und erzeugt eine ausgewogene Ausleuchtung auf dem Trail. Bei langem Betrieb lässt sich der Akku im Handumdrehen wechseln, allerdings verheddern sich die Bänder der Kopfhalterung sehr leicht. Die Lampe ist per Drehknopf gut bedienbar.

Lupine Neo X2

Lupine X2

Die Lupine X2 sorgt mit ihrer Lichtleistung und ihrer minimalistischen Bauart für ein zufriedenes Grinsen in den Gesichtern von Trail-Läufern. Für ihre Größe liefert sie sehr viel Licht, sorgt für eine gleichmäßige Ausleuchtung und die Akkuleistung ist für eine Nacht ausreichend.

Lupine Piko X4 SC

Lupine Piko X4

Die Lupine X4 SC ist das unangefochtene Highlight in der Oberklasse der LED-Lampen. Sowohl Lichtleistung als auch Akkuleistung sind absolut überzeugend. Die Verarbeitung ist sehr hochwertig, die Bedienung intuitiv und die Lampe lässt sich problemlos in kleinen Laufrucksäcken verstauen. Bei der X4 SmartCore (SC) kann der Ladezustand des Akkus jederzeit per LED am Akku abgelesen werden.

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Stirnlampen Silva Trail Speed Elite Lupine Neo X2 Petzl NAOstrong> Silva Power Trail Lupine Piko X4 SC
Maximale Helligkeit in Lumen 660 700 575 1300 1200
rotes Licht nein ja nein nein nein
Preis (UVP) in € 280 180 150 550 310
Gewicht in g 190 195 185 490 200
Betriebszeit in Stunden bei > 100 Lumen k.A. 14 8 20 21
Betriebszeit in Stunden bei max. Helligkeit 2.5 2.25 6.5 2.5 2
Wasserdichtigkeit übersteht Regen übersteht Untertauchen übersteht Spritzer übersteht Regen übersteht Untertauchen

So habe ich getestet

Für uns Trail-Läufer ist nicht nur die Kombination aus Betriebszeit und Lichtausbeute entscheidend, sondern ebenfalls das Handling und das Gewicht. So sind wir mit allen Lampen über die Trails getrabt und haben sie draußen für euch getestet. Währenddessen haben wir festgestellt, dass die Angaben zur Betriebszeit wie zum Beispiel bei der Black Diamond Icon nicht mit der realen Nutzbarkeit übereinstimmen. Angaben zu Lichtleistung einzelner Lampen sind nicht immer aussagekräftig. So liefert die Trail Runner II von Silva eine ausgesprochen gute Ausleuchtung, obwohl die Lichtmenge nicht im Spitzenfeld liegt. Zudem spielt besonders auf langen Läufen der Tragekomfort und in der Kälte das Handling eine wichtige Rolle. Hier wirkt sich die Erfahrung der Häuser Lupine, Silva und Petzl sehr positiv auf deren Modelle aus.

Was ist das Lumen?

Das Lumen ist vergleichbar mit den PS beim Auto. Diese photometrische Einheit des Lichtstroms bezeichnet die vollständige Menge des sichtbaren Lichtes einer Lichtquelle. Je mehr Lumen, desto heller. Einfache LED-Stirnlampen bieten so um die 100 Lumen. Der hellste Vertreter unserer Testreihe ist die Lupine mit 1300 Lumen.

Was steckt hinter LED?

Die Abkürzung LED steht für Light Emitting Diode, ein elektronisches Halbleiter-Bauelement, das Strom in nur eine Richtung durchlässt. Fließt der Strom in Durchlassrichtung, erzeugt die LED Licht. Die Lichtfarbe wird maßgeblich durch die verwendeten Materialien und den Aufbau der LED bewirkt. In diesem Jahr wurden drei japanische Forscher für die Erfindung der blauen LED mit dem Nobelpreis ausgezeichnet. Die blauen LED sind die Grundlage für unsere Stirnlampen, denn nur durch blaue LEDs kann weißes Licht erzeugt werden.

Entering Active Bear Area

Death Valley - Devils Golf Court
Death Valley – Devils Golf Court

Schier endlos schlängelt sich die schwarze Teerstraße über den letzten Gebirgspass, der uns aus dem lebensfeindlichen Death Valley führt. Dornenbüsche und vereinzelt Joshua Trees markieren erste Lebenszeichen. Der auf unserer Karte verzeichnete Owens Lake erweist sich als eine schlammige, versalzene Pfütze, die als Wasserreservoir für Los Angeles herhalten musste. Gegen 10 Uhr erreichen wir am Fuße der Sierra Nevada die verschlafene Siedlung Lone Pine. Der Name hält, was er verspricht, denn tatsächlich stehen hier die ersten echten Bäume, die wir seit vielen Meilen zu Gesicht bekommen. Statt Pferden rollen riesige Pick-Up Trucks mit Cowboys durch den Ort. Sonst hat sich hier in den vergangenen fünfzig Jahren scheinbar nicht viel verändert. Nicht umsonst diente Lone Pine den Studios aus Hollywood als Drehort für zahlreiche Wildwestfilme — zuletzt Django Unchained von Quentin Tarantino.

Lone Pine

Zwanzig Zoll Schnee

Erster Halt ist das Visitors Center. Dieses versorgt Wanderer mit Bärenkanistern und Kartenmaterial, bietet aber auch aktuelle Infos zu Touren, wie zum Beispiel die auf den Mount Whitney — einen 4421 Meter hohen Granitriesen, der majestätisch in der malerischen Kulisse hinter den bunten Fassaden der Häuser thront. Ein grauhaariger, gut beleibter Ranger mit Brille mustert mich argwöhnisch und warnt: “Zu Beginn des Trails liegen sieben Zoll Schnee, weiter oben zwanzig. Du brauchst Micro-Spikes, später Steigeisen und Eispickel.” Zum Glück kann er meine Gedanken nicht lesen, denke ich. Denn im Kopf überschlage ich bereits die Zeit für den Aufstieg. “Gibt es eine Spur oder muss ich selbst spuren?”, frage ich. Seine Augenbrauen heben sich und seine Stirn liegt in Falten: ”Ich weiß von sieben Bergsteigern, die erst kürzlich den Gipfel besteigen wollten”, entgegnet er mir.

Burger und Schmalz

Unser nächster Stopp ist das Mount Whitney Restaurant, ein Saloon, der über Jahrzehnte Filmgeschichte geschrieben hat wie alles hier. Porträts mit Autogrammen von John Wayne und Marilyn Monroe verzieren die Wände des Gastraumes und der Stammtisch ist voll besetzt. Die Einheimischen mustern uns. Zwei unglaublich langsame Kerle bedienen in Zeitlupe und stellen die obligatorischen Plastikbecher mit Chlorwasser und schwimmenden Eiswürfeln auf den Holztisch. Ich bin ungeduldig, denn die Uhr tickt unaufhaltsam. Gegen 11 Uhr steht ein saftiger Burger vor mir. Judy verdrückt ein gigantisches Omelett mit einem amerikanischen Biscuit und einer Schale Schmalz zum Nachtisch. Das reicht locker für einmal rauf und runter, denke ich.

Wenige Augenblicke später quält sich unser Jeep die Kehren zum Whitney Portal hinauf, vorbei an einem Schild mit der Aufschrift: “Entering Active Bear Area”. Auf die Straße konzentriert, bemerke ich im Augenwinkel Judys schockierten Blick auf dem Beifahrersitz. “Bären sind eigentlich ganz harmlos. Sie suchen nur Futter”, bemühe ich mich ihren Blutdruck wieder zu senken. Am Whitney Portal auf 2550 Metern liegt Schnee. Da bis zum Gipfel 17 Kilometer und 1800 Höhenmeter zu bewältigen sind, werde ich voraussichtlich in die Dunkelheit laufen. Behutsam quetsche ich zwei Stirnlampen und eine warme zweite Schicht in meinen Rucksack.

Mount Whitney Trail
Mount Whitney Trail

Mount Whitney

Kurz nach 12 Uhr sind unsere Nahrungsvorräte in der bärensicheren Box hinter dem Auto verstaut und ich trabe in kurzer Hose und T-Shirt in die Wildnis. Auf sonnigen Abschnitten ist der Trail teilweise trocken, größtenteils jedoch mit Eis und Schnee bedeckt. Zunächst umgibt mich dichter Urwald. Die Laubbäume tragen ein gelbrotes Gewand, dazwischen ragen Kiefern mit mächtigen Stämmen empor, deren faustgroße Tannenzapfen wie Dinosauriereier am Boden verstreut liegen. Der Untergrund ist weich und es duftet mild nach Nadeln. Ideales Bärenrevier. Ab und zu überhole ich Wanderer mit heillos überladenen Rucksäcken, die wie Karawanen durch den Schnee ziehen. Wenig später trabe ich über ein Plateau mit rundgeschliffenen Granitblöcken der Größe von Autos. Mein Herz pocht mittlerweile im Hinterkopf. Ein Blick auf meinen Höhenmesser verrät, dass ich mich auf 3600 Metern befinde. Ich erreiche das auf einem Plateau gelegene Trail Camp. Aus der Ferne beobachten mich drei Bergsteiger, die offensichtlich bereits ihr Nachtlager aufgeschlagen haben. Es ist jetzt 14 Uhr und sie liegen wie riesige, bunte Raupen in ihren Schlafsäcken auf Granitblöcken. Bärenfutter, denke ich.

Blick hinüber zum Sequoia Nationalpark

Ein schmaler, schattiger Steig im Schnee führt über die berüchtigten 99 Kehren zu einem Grat auf über 4000 Meter. Beim Erreichen des Grates treffe ich auf den legendären John Muir Trail, der von hier bis zum Yosemite Nationalpark führt. Vor mir steht ein Holzschild mit der Aufschrift: Sequoia Nationalpark. Mehrere tausend Jahre alt werden die riesigen Sequoias, die in diesem Park wachsen. Die goldene Abendsonne wärmt mein Gesicht und lässt die endlose Berglandschaft in mystischen Farben erstrahlen. Auf der drei Kilometer langen Traverse fehlt mir der Sauerstoff. In einem Moment der Unaufmerksamkeit schlage ich mir das Bein an einem scharfen Granitstein auf und schnaufe verbissen in Richtung Gipfel. Ein französisches Pärchen wandert mir entgegen und grüßt freundlich: “Bonjours, gleich bist du oben.” — endlich vernünftige Wanderer, denn sie behandeln mich Läufer nicht wie einen Außerirdischen.

Abstieg

Das Panorama vom Gipfel genieße ich in absoluter Stille allein, nur der Wind säuselt mir leicht um die Ohren. Wie mit Puderzucker bestäubt, versinken die Nachbargipfel im Abendlicht. Im Tal hingegen herrscht trockenes, wüstenähnliches Klima. Nach wenigen Minuten trete ich den Abstieg an, denn der eisige Trail erfordert höchste Konzentration. Als die Dunkelheit hereinbricht, liegen die technischen Abschnitte hinter mir. Trotzdem verliere ich auf einem weiten Granitplateau den Trail und befinde mich wenig später im weglosen Gelände und versinke im hüfttiefen Schnee. Es herrscht tiefste Dunkelheit — shit, denke ich. Denn selbst meine extrem leistungsstarke Stirnlampe erlaubt keine Fernsicht, um mir einen Überblick vom Gelände zu verschaffen. Mein Versuch, den Rückweg zu finden, scheitert. Oberhalb einer Felswand erblicke ich jedoch den Schein zweier Lampen. Zwar kann ich die Wand nicht einsehen, höre aber die Stimmen der Wanderer ganz deutlich. Mit ausreichend Adrenalin im Blut klettere ich die Wand hinauf und befinde ich wenig später wieder auf dem Trail. Gerade nochmal gut gegangen, geht es mir durch den Kopf, während ich im Mantel der Nacht ins Tal rase.

We Toss'Em They're Awesome!

John Wayne und Pizza

Wenn die Filmstars aus Hollywood in Lone Pine übernachten, sind sie im Dow Hotel zu finden. In Zimmer Nummer zwanzig hat John Wayne übernachtet, als er hier seinen letzten Film gedreht hat. Es ist der krönende Abschluss eines Wildwesttages und ein angemessener Ort um die von Steinen und Eiskrusten malträtierten Beine zu versorgen. Gegen 19 Uhr werde ich von einer der Ledercouches in der Lobby verschluckt und genieße den Charme dieses historischen Ortes, während unsere Wäsche gegenüber im Waschsalon rotiert. Die Pizzeria auf der anderen Straßenseite scheint ebenfalls legendär: “We Toss’Em They’re Awesome!” Immerhin servieren sie nach 21 Uhr noch vernünftige Pizza.

Hightech im Miniformat — der Garmin ForeRunner 620

Der Garmin ForeRunner (FR) 620 ist das Topmodell der GPS-Uhren von Garmin. Die Uhr ist in erster Linie für ambitionierte Läufer gedacht und fällt durch ihr geringes Gewicht von 43 Gramm und ihre geringe Größe auf, was sie im täglichen Gebrauch zu einem angenehmen und unauffälligen Begleiter am Handgelenk werden lässt.

Die Signalsuche nach Satelliten benötigt beim ersten Einschalten an einem neuen Ort etwas Zeit, der FR 620 merkt sich allerdings diese Position und findet das Signal beim nächsten Lauf bereits nach wenigen Sekunden. Der GPS-Empfang während des Trainings konnte uns überzeugen. Ein Beschleunigungssensor in der Uhr ermöglicht das Training im Gebäude auch ohne GPS-Empfang.

Eine kritische Eigenschaft vieler GPS-Uhren ist ihre Akkulaufzeit. Durch das sparsame LCD-Display hält der FR 620 im Uhrmodus bis zu sechs Wochen durch. Im GPS-Modus machte er bei unserem Test nach knapp 10 Stunden schlapp. Dieser akzeptable Wert reicht für kurze Ultra-Läufe. Aufgeladen wird der Akku über eine magnetische Klammer mit vier Kontakten, die per USB mit Computer verbunden werden muss. Dabei können gleichzeitig die Trainingsdaten an Garmin Connect übertragen werden.

Die Daten lassen sich jedoch auch per Bluetooth über das Smartphone (Android & iPhone) an Garmin Connect übertragen und somit in sozialen Netzwerken teilen. Die zusätzliche WLAN-Fähigkeit erwies sich im Test als äußerst komfortabel. So konnte die Auswertung der Trainingseinheit gleich nach der Dusche nach dem Training beginnen, denn die Uhr hatte die Daten bereits selbstständig über das bekannte Heimnetz an Garmin Connect übertragen. Die Uhr muss dazu nicht einmal abgelegt werden. Weitere Sensoren können über die weit verbreitete Ant+-Schnittstelle angebunden werden. Dem FR 620 fehlt die Track-Back-Funktion sowie die Möglichkeit zur Navigation bzw. zum Nachverfolgen eines Tracks.

Ein zusätzliches Highlight des FR 620 ist sein Touchscreen. Während die wichtigsten Funktionen über Knöpfe am Gehäuse bedienbar bleiben (Training Start / Stopp), werden große Teile der Menüführung über den Touchscreen gesteuert. Das ist komfortabel, effizient und erleichtert die Menüführung erheblich. Die Steuerung funktioniert mit einem verschwitzten Körper noch recht gut, bei Regen versagt sie jedoch vollständig.

Garmin Forerunner 620
Garmin Forerunner 620

Wer einen strikten Trainingsplan befolgt, kann sich online seine Einheiten zusammenstellen und anschließend die Wochen- und Tagespläne an die Uhr übertragen. Zusätzliche Features wie Bodenkontaktzeit, vertikale Oszillation und VO2-Max sind meiner Meinung nach Spielerei und führen zu keinen nennenswerten Erkenntnissen für das Training. Im Test wurde die Uhr aufgrund ihrer Größe schnell zu einem permanenten Begleiter im Alltag. Der FR 620 deckt alle wichtigen Funktionen für Läufer ab und durch seine vielen technischen Features ist die Handhabung angenehm und nicht sehr zeitaufwändig.

GPS Uhre: Garmin Forerunner 620
Preis in € 399€ (mit HF-Gurt)
Gewicht 43g
Barometrischer Höhenmesser nein
Kompass nein
Akku-Betriebszeit mit GPS max. 10 Stunden
Akku-Betriebszeit ohne GPS 6 Wochen
Wasserdichtigkeit duschtauglich
Aufzeichnungsintervall ab 1s

Kenianer als Erster auf dem Gipfel

Mittenwald – Was für ein Rennen. Im Tal herrschten tropische
Verhältnisse, die Strecke war so lang und so schwer wie nie zuvor und
ein Kenianer holte sich den Titel. Bereits vor dem Rennen standen die
Zeichen gut, denn über 400 Läufer waren gemeldet und der Himmel war
blau, ganz ohne Wolken. “Die Temperaturen sind ideal, es herrschen
fast tropische Verhältnisse hier”, sagt Bergwacht-Chef Heinz Pfeffer.
Auf jedem, der elf Kilometer langen Strecke, steht einer seiner
Mittenwalder Kameraden für den Notfall. Außerdem gibt es fünf
Verpflegungsstellen bis zum Gipfel. “Mehr als ausreichend”, meint
Pfeffer.

Blick von der Linderspitze auf die Bergstation der Karwendelbahn
Blick von der Linderspitze auf die Bergstation der Karwendelbahn

Auch die Österreicherin Sabine Reiner ist guter Dinge, denn erst vor
einer Woche holte sie Bronze bei der Europameisterschaft im Berglauf.
“Ich lasse es auf mich zukommen”, sagt sie wenige Minuten dem Start.
“Die Temperaturen sind auch nicht zu verachten.” Pünktlich um 14 Uhr
geben der Zweite Bürgermeister Gerhard Schöner und die Biathletin
Nadine Horchler den Startschuss, und das Feld der 343 angetretenen
Läufer sprintet los. Vom Zentrum des Ortes geht es zunächst auf
flachen 1,5 Kilometern Asphalt bis zum Berg. Dort wartet dann die
erste steile Rampe, eine Teerstraße. “Da kann man sich gleich
abschießen, wenn man die nicht kennt”, erklärt der Bergläufer Stefan
Paternoster, der hier zu den großen Favoriten zählt. Anschließend
folgen die Teilnehmer etliche Kilometer einer Forststraße, bis sie auf
einen schmalen Pfad treffen. Dieser windet sich in Serpentinen durch
Latschen hinauf zur Dammkarhütte. Dort beginnt der schwierige Teil der
Strecke.

Der Kenianer Isaac Kosgei gewinnt das Rennen überraschend
Der Kenianer Isaac Kosgei gewinnt das Rennen überraschend

“Es ist eine richtige Schinderei”, beschreibt es Paternoster treffend.
“Du machst einen Schritt und rutschst einen halben zurück”, sagt der
Kenianer Isaac Kosgei später. “Jeder Meter ist so hart.” Trotzdem kann
er sich etwas absetzen und seinen Vorsprung durch den Tunnel halten.
Wenige Minuten nach 15 Uhr erreicht er als Erster das überdimensionale
Fernrohr an der Bergstation der Karwendelbahn. Doch bis zum Ziel sind
es diesmal einhundert Höhenmeter mehr. “Wer ist das?”, fragte der
Organisator Kurt König überrascht. Bisher konnten sich die Kenianer
auf dieser anspruchsvollen Strecke nicht durchsetzen. Auf dem letzten
steilen Anstieg bis zum Gipfel der Linderspitze holt der Schotte
Robbie Simpson gefährlich schnell auf und die Zuschauer toben. Am Ende
trennten die beiden nur 43 Sekunden und Kosgei gewann das Rennen in
1:06:12 Stunden. Den dritten Platz sicherte sich der Kenianer Francis
Maina Njoroge, der nicht mit dem zähen Schotten gerechnet hatte. “Ich
dachte eigentlich, ich werde Zweiter”, sagte Njoroge nach dem Rennen.

Sabine Reiner (1. Frau) und ihr Freund Stefan Hubert
Sabine Reiner (1. Frau) und ihr Freund Stefan Hubert

Während den Männern die Strecke zu schaffen machte, fühlte sich Sabine
Reiner scheinbar pudelwohl. “Es war super abwechslungsreich und hat
mit voll taugt. Ich habe nicht ein Mal auf die Uhr geschaut.” Mit
einer Zeit von 1:14:27 Stunden ließ sie ihre Konkurrenz weit hinter
sich und siegte bei den Damen. Ihr Freund Stefan Hubert lief die
Strecke außerhalb der Wertung in 1:20 Stunden zum Training mit
Rucksack. Das Paar gehört zur Weltspitze der Bergläufer und befindet
sich mitten in der Vorbereitung auf die Berglauf Weltmeisterschaft im
September in den USA.

Licht am Ende des Tunnels. “Ganz ehrlich, der Tunnel ist heftig”, sagt Sabine Reiner, nachdem sie den Tunnel durchquert hat.
Licht am Ende des Tunnels. “Ganz ehrlich, der Tunnel
ist heftig”, sagt Sabine Reiner, nachdem sie den Tunnel durchquert
hat.

Die schnellen Läufer sind allerdings nur ein kleiner Teil der
Athleten, die sich den technischen 1460 Höhenmetern stellen. Nur fünf
Teilnehmer brechen das Rennen vorzeitig ab und 338 erreichen das Ziel.
Für viele ist dieser Lauf eine große Herausforderung. “Er zählt zu den
schwierigsten Läufen im Alpenraum”, sagt der österreichische
Berglauf-Weltmeister Helmut Schmuck, der heuer erstmals mitlief. Am
Ende stand König die Erleichterung ins Gesicht geschrieben. “Wir
wussten nicht, funktioniert das jetzt bis da hoch. Top. Ich habe ein
gutes Team.”

Gobi March 2014 – hinter den Kulissen

Der Gobi March zählt zu den spektakulärsten Extremläufen unseres Zeitalters, denn er führt seine Teilnehmer über eine Distanz von 250 Kilometern durch eine der entlegensten Regionen dieser gigantischen, lebensfeindlichen Wüstenlandschaft im Herzen Asiens. Extreme Hitze, klirrende Kälte und beißende Winde sind die täglichen Begleiter derer, die sich auf dieses Abenteuer wagen. Seit mittlerweile elf Jahren veranstaltet RacingThePlanet diesen Etappenlauf und dieses Jahr bereitete ich den Teilnehmern als Course Director ihren Weg.

Plötzlich sind wir mitten drin in der Baustelle
Plötzlich sind wir mitten drin in der Baustelle

Die Anreise führte mich über die chinesische Hauptstadt Peking nach Urumqi, einer Millionenstadt am Rande der Wüste in der Provinz Xinjiang. Urumqi ist seit jeher geprägt durch verschiedenste kulturelle Einflüsse, was ich direkt nach meiner Ankunft an den dreisprachig beschrifteten Verkehrsschildern ausmache; leider umfasst mein Sprachschatz keine dieser Sprachen. Wurden die mehrspurigen, breiten Stadtautobahnen Urumqis noch vor wenigen Jahren hauptsächlich von Eselkarren befahren, werden sie heute dem drastisch gestiegenen Verkehrsaufkommen der Stadt kaum noch gerecht und die Eselkarren sind nahezu vollständig von der Fahrbahn verschwunden. Lediglich auf den Randstreifen verirren sich vereinzelt Fußgänger und Radfahrer, was den Fahrer unseres Geländewagens nicht weiter zu irritieren scheint, denn dieser erklärt den Randstreifen regelmäßig zu seiner Überholspur und verursacht damit bei uns Insassen eine zwanghafte innere Unruhe. Von der Provinzhauptstadt Urumqi fahren wir ca. 450 Kilometer weiter gen Westen in Richtung des äußersten Zipfels Chinas in die chinesische Stadt Bole (Bortala).

Gobi March 2014 40

Hin und wieder tauchen am Horizont gigantische, gleißende Industrieanlagen der Größe einer Stadt auf, sonst ist es pechschwarz um uns und die lebensfeindliche Wüstenlandschaft zu beiden Seiten der schnurgeraden Autobahn lässt sich im Dunkel der Nacht nur erahnen. Wir passieren heillos überladene LKW mit blinkender Leuchtreklame oder gänzlich ohne Beleuchtung. Gegen 03:30 Uhr verliert sich die Teerstraße urplötzlich in eine staubige Piste, denn wir rumpeln in eine Baustelle. Als ich am Straßenrand eine leblose Person bemerke, bitte ich unseren Fahrer zu stoppen. Offenbar wurde die Schotterpiste einem Motorradfahrer zum Verhängnis, der jetzt schreiend und blutverschmiert auf der Fahrbahn liegt. Wir sichern die Unfallstelle, alarmieren den Rettungsdienst und leiten den nächtlichen Schwerlastverkehr zentimetergenau an seinem Körper vorbei. Gegen 05:00 Uhr und nach insgesamt knapp 40 Stunden Reisezeit erreichen wir die Retortenstadt Bole und die Vorbereitungen für den Lauf können endlich beginnen.

Pavel (vorne) und Dominik
Pavel (vorne) und Dominik

Auf die Teilnehmer wartet ein Etappenlauf über sechs Etappen mit Einzeldistanzen zwischen 14 und 68 Kilometern und bis zu 2500 Höhenmetern pro Tag. Die Planung dieser Strecke sowie aller logistischen Abläufe während des Rennens obliegen mir; bei der Markierung unterstützen mich Pavel und Dominik – beide sehr erfahrene und zähe Langstreckenläufer, auf die ich mich voll und ganz verlassen kann. Noch bevor die ersten Teilnehmer in das Camp vor dem Start des Rennens verlegen, haben wir die 47 Kilometer der Auftaktetappe bereits vollständig mit kleinen pinkfarbenen Fähnchen markiert. Per Funk erfahre ich, dass das vermeintlich sichere Camp über Nacht durch einen Wüstensturm vollständig demontiert wurde und der Campmanager Hernan die Nacht unsanft, in Zeltplanen gewickelt, und an einen Generator geklammert, verbracht hat. Um den Läufern diese Erfahrung zu ersparen, bringen wir sie in der Nacht vor dem Start in einer nahegelegenen, verlassenen — zugegebenermaßen hässlichen — Bergbausiedlung unter. Während sich Dominik ein Zimmer mit einer hässlichen Hundeminiatur teilt, übernachte ich mit Hernan unter freiem Himmel und bete für beständiges Wetter. Extreme klimatische Bedingungen erfordern ein gewisses Maß an Flexibilität und Respekt gegenüber der Natur, so plane ich die erste Etappe um, noch bevor der erste Läufer die Startlinie auch nur in Sichtweite bekommt.

Gobi March 2014 32

Während die Dornbüsche und die steinigen Trails der Gobi noch vom Mantel der Nacht umhüllt sind, trabt Pavel bereits behutsam mit Stirnlampe über den Schotter und überprüft die Markierungen der ersten Etappe. In der Zwischenzeit beladen die freiwilligen Helfer die Geländewagen der Checkpoints mit Wasser und Hernan schürt uns im Camp ein Feuer, damit wir unseren Instant-Kaffee und unser Müsli mit warmem Wasser aufgießen können. Sind die Teilnehmer um 08:00 Uhr auf der Strecke, stehen alle Checkpoints in Abständen von ungefähr 10 Kilometern wartend in Position und das Course Team widmet sich der Markierung der Etappe des Folgetages. Die Auftaktetappe sorgt für ausgezeichnete Stimmung im Läuferfeld, denn sie führt durch eine Fabellandschaft, die mit bizarren, vom Wind geformten Felsen, durchsetzt ist. Zum Glück ahnen die Läufer nicht, dass mit der zweiten Etappe eine weniger spannende, dafür aber deutlich forderndere, mit trockenen Flussbetten durchsetzte, Gerölllandschaft auf sie wartet.

Checkpoint am ersten hohen Pass auf 2785 Metern
Checkpoint am ersten hoher Pass auf 2785 Metern

Als am dritten Tag das Wetter kippt und Dominik unsere pinkfarbenen Fähnchen im Schnee vorfindet, ist der Lauf längst gestartet und die ersten Athleten nähern sich ihm bereits. Erneut bewährt sich unser flexibles System und wir erklären eine nahegelegene Yurtensiedlung zum Camp und markieren die Strecke in Windeseile um. Noch bevor der erste Läufer schlotternd in eine der Yurten schlürft, haben die Nomaden Teppiche ausgelegt und die Yurten eingeheizt. Seit ich diese Siedlung kennengelernt habe, ist mir Schafkopf nicht nur als Kartenspiel bekannt, sondern zusätzlich in gekochter Form als Abendessen. Zusammen mit dem salzigen Milchtee zum Frühstück hält sich hier meine kulinarische Begeisterung stark in Grenzen.

Das Highlight des Laufes bildet seit jeher der “Long March”. Die fünfte und längste Etappe führt nicht nur die Teilnehmer an ihre Grenzen, sondern ist auch für die gesamte Organisation eine enorme Belastung, da sie die Masse der Läufer auf einer großen Distanz und über mehr als 24 Stunden betreut. Zwei gewaltige Pässe weit über 2000 Meter sind von den Teilnehmern zu bewältigen, bevor sie den unvergesslichen Blick auf den Sayram See erhalten. Der Sayram See ist ein 2000 Meter hoch gelegener, kristallklarer und azurblauer Bergsee, der von Blumenwiesen umgeben ist, die an einen überdimensionalen Golfplatz erinnern. Durchziehende Stürme mit Schnee und Hagel sind in dieser Region auch im Sommer an der Tagesordnung und es ist mir ein Rätsel, wie Menschen in diesem lebensfeindlichen Klima überleben und leben können. Immer wieder stehe ich staunend vor Kasachen und Mongolen, die mit ihren Pferden über diese Farbteppiche traben und mich während der Markierungsarbeiten begrüßen. Die Leichtigkeit und Eleganz sowie der kraftvolle Schritt einer Pferdehorde in diesem, ihrem Element, ist an Schönheit kaum zu überbieten.

Wie geschaffen scheinen diese Pferde für diese Region und das raue Klima.
Wie geschaffen scheinen diese Pferde für diese Region und das raue Klima.

Während die langsamsten Läufer und letzte Teile der Organisation erschöpft aber vollzählig das sechste Camp am Ufer des Sees erreichen, nähert sich das Schnarchkonzert in den Zelten seinem Höhepunkt. Der Tag vor der finalen Etappe wird von allen gleichermaßen zum Lecken der Wunden genutzt, denn die sechste Etappe schlägt lediglich mit 14 Kilometern zu Buche und stellt keine ernstzunehmende Hürde mehr dar. Im Camp spielen sich bizarre Szenen ab: Während die Spanier ihre Oberkörper in der Höhensonne braten, sitzen die Japaner und Chinesen völlig vermummt im Schatten. Sie haben jeden Millimeter ihres Körpers verdeckt, um die Sonneneinstrahlung und deren bräunende Wirkung auf ihre Hautfarbe zu minimieren. Die Jungs aus Polen haben sich für die spanische Variante entschieden und sind mittlerweile krebsrot. Pulver für Kartoffelpampe wechselt ebenso den Besitzer wie Lachs aus der Dose oder gefriergetrocknetes Elchragout aus der Tüte. Das Ärzteteam behandelt weiterhin unzählige Blasenfüße im Medic-Zelt, das mittels iPhone in ein Partyzelt umfunktioniert wird. Der Gang zum Toilettenloch ist für einige die maximale Herausforderung des Tages — es herrscht eine Bombenstimmung!

Die letzten Meter des Laufes verbringen die Teilnehmer am Ufers des gigantischen Sees, der am heutigen Morgen keine Wellen wirft, sondern sich behutsam in den Schleier eines hauchdünnen Nebels hüllt. Der Läufer Pit aus Deutschland bemerkt im Ziel: “Bereits bevor ich das Ziel vor Augen hatte, konnte ich euch hören.” Dieser Kommentar überrascht keineswegs, denn hinter der Ziellinie erwartet die Läufer eine Partyzone, beschallt von einer lokalen Musikgruppe und krachendem Techno im Wechsel. Über dreißig Nationen tanzen ausgelassen und aufgedreht wie Kleinkinder im Kreis. Zum gebührenden Empfang gibt es Reis mit Ei, Wassermelone und natürlich Bier nach deutscher Brauart. Am Ende sind wir alle müde, erleichtert und auch ein wenig stolz, diesen Jungs und Mädels ein unvergessliches Erlebnis bereitet zu haben.

Eine Bomben-Stimmung herrscht unter den Volunteers nach dem Lauf
Eine Bomben-Stimmung herrscht unter den Volunteers nach dem Lauf

D-Day – auf dem Trail durch die Geschichte Europas

Annähernd 160 000 alliierte Soldaten landeten am 6. Juni 1944 an den Stränden der Normandie und führten in den frühen Morgenstunden diese Tages die größte militärische Landungsoperation durch, die die Welt bis heute gesehen hat. Das Ausmaß der Verluste bei dieser Operation überschreitet jegliche Vorstellungskraft. Am 6. Juni 1984 feierten Ronald Reagan, Margaret Thatcher, Königin Elisabeth II., François Mitterand und der kanadische Ministerpräsident Pierre Trudeau mit tausenden Veteranen den 40. Jahrestag des D-Day. Der deutsche Kanzler Helmut Kohl war zu diesem Zeitpunkt noch nicht eingeladen, denn die Zeit hatte die Wunden auch nach 40 Jahren nicht geheilt. Als ich im März dieses Jahres einen Anruf aus Frankreich erhielt und gefragt wurde, ob ich als deutscher Soldat für den Ultra D-Day Traillauf zum 70-jährigen Gedenken an den D-Day zur Verfügung stände, war ich mir der Bedeutung dieser Veranstaltung bewusst. Der Lauf sollte eine Gruppe, bestehend aus sieben zivilen Läufern sowie sieben militärischen Läufern aus sieben verschiedenen Nationen über 100 Meilen, entlang der fünf Landungsstrände in der Normandie führen: Utah, Omaha, Gold, Juno und Sword Beach.

© Michel Dehaye
© Michel Dehaye

Prinzipiell führen Trailläufe auf schmalen Pfaden abseits befestigter Wege durch die Landschaft. Darüber hinaus sind die Strecken von Ultra-Trails länger als die hinreichend bekannte Marathondistanz von 42,195km und häufig sind Berge inklusive. So ist es nicht allzu verwunderlich, dass neben mir auch Philipp aus Bad Reichenhall und Tom aus Graz zu den Bergspezialisten dieser sehr alten Sportart zählen. Eines ist sicher: Berge gibt es in der Normandie jedenfalls nicht! Das Teilnehmerfeld des Ultra D-Day umfasst außerdem Läufer aus den USA, Kanada, Großbritannien, Frankreich, Belgien und aus Polen. Allesamt stehen wir am Morgen des 12. Juni im feuchten Sand des Utah Beach und wissen nicht so recht, was uns in den folgenden Stunden bevorsteht.

© Tom Wagner
© Tom Wagner

70 Jahre nach der Landung der alliierten Truppen sind die Strände sauber, die Luft ist klar und ein Meeresrauschen liegt in unseren Ohren. Es ist schwer vorstellbar, wie sich vor 70 Jahren die Landungsboote ihren Weg durch diese Wellnessoase bahnten und die Soldaten mit klatschnassen Kleidern unter ohrenbetäubendem Lärm in den Kugelhagel liefen. Nach den ersten Metern am Strand nehmen uns französische Kinder bei der Hand und geleiten uns zur Eröffnungszeremonie. Das Medieninteresse ist gewaltig und das Klicken der Kameras erreicht seinen Höhepunkt, als die Nationalflaggen der Teilnehmer zusammen mit Roland, einem der französischen Läufer, am Fallschirm einschweben. Auch die Bundeswehr ist mit einem Kamerateam vor Ort.

Endlich laufen wir los. Die 17 Kilometer bis zum ersten Versorgungspunkt sind zäh, denn die Läufergruppe orientiert sich am schwächsten Läufer — eine völlig neue Erfahrung für uns Bergläufer. Für die Versorgungspunkte wurden die bedeutendsten historischen Stellen im Küstenverlauf im Abstand von 8 bis 24 Kilometern gewählt. Der erste befindet sich nahe der Ortschaft Carentan, einer schwer umkämpften Schlüsselstelle des D-Day. Der deutsche Soldatenfriedhof La Cambe hinterlässt bei mir gewaltigen Eindruck. 21 000 gefallene deutsche Soldaten liegen hier begraben. Während ich die Namen der Gefallenen auf den schwarzen Grabsteinen innerlich laut vorlese, überkommt mich ein seltsames Gefühl, denn die Namen klingen unheimlich vertraut.

Pegasus Bridge © Michel Dehaye
Pegasus Bridge © Michel Dehaye

Nach 60 Kilometern erreichen wir einen Versorgungspunkt am Omaha Beach und erste Verschleißerscheinungen treten bei uns Läufern hervor. Der Asphaltanteil der Strecke liegt oberhalb meiner Schmerzgrenze wie auch die Inhomogenität der Gruppe. Jason aus Kanada ist überzeugter Vegetarier, kann sich nach 60 Kilometern allerdings nicht mehr beherrschen: “Ahh, I think I am not really a Vegetarian anymore.” und stopft sich genüsslich zwei Schinkenschnittchen zwischen die Kiefer. Ich blicke noch einmal in den knallroten Sonnenuntergang, drehe mich um und trabe im Schein meiner Stirnlampe in die stille Nacht.

Gegen 24:00 Uhr laufen wir mit brennenden Fackeln zum britischen Friedhof in Bayeux. Ich bin mir nicht sicher, ob der Rauch der Fackel meines Vordermannes oder die Flammen der strauchelnden Belgierin neben mir das größere Risiko darstellten, ohne Zweifel war auch nach über 80 Kilometern höchste Konzentration angebracht. Der zeremonielle Teil dieser Station ist geprägt von einem massiven Hunger- und Kältegefühl und ich kann mir nur mühevoll ein Lächeln abringen. Immer mehr Läufer zollen der Belastung Tribut und müssen pausieren, mich eingeschlossen. Wie ein Segen erscheinen uns die ersten Sonnenstrahlen am frühen Morgen des 11. Juni und verleihen unseren müden Knochen frische Energie für die letzten 40 Kilometer nach Caen. Erst gegen 15:00 Uhr erreichen wir die Stadt, die infolge des D-Day fast völlig zerstört wurde. Zum Zielsprint treten wir gemeinsam mit 4000 französischen Kindern an. Ihr strahlendes Lachen, die kraftvoll wehenden Nationalflaggen und die Friedenstauben am Himmel bleiben mir wohl ewig im Gedächtnis und erinnern mich daran, in welch schönen und friedlichen Zeiten wir uns in Europa befinden.

Stillstand

Madeira ist ein süßer Wein mit ordentlich Umdrehungen, der von der gleichnamigen Insel stammt. Dessen spezieller Geschmack wurde durch die Schiffsreisen zum Festland und den damit verbundenen Reifeprozess überhaupt erst geprägt. Heute wird für den Reifeprozess natürlich keine Schiffsreise mehr benötigt und so sitze ich im Flugzeug, statt auf einem Segelschiff zwischen hölzernen Weinfässern zu schwanken.

Die portugiesische Insel Madeira befindet westlich von Afrika, etwa auf der Höhe Marokkos und ist in wenigen Flugstunden von Deutschland aus erreichbar. Neben mir sitzen Gerald und Jörg, zwei erfahrene Läufer, die bereits zusammen auf den Kilimandscharo gelaufen sind und dabei ihren Bergführer abgehängt haben. Diese beiden alten Hasen haben mich auf den Madeira Island Ultra Trail (MIUT) aufmerksam gemacht — ein Lauf quer über die Insel mit knackigen Anstiegen. “Das ist toll, da bekommt man in kurzer Zeit die ganze Insel zu sehen”, hörte ich es in meinen Ohren. Jetzt sitzen wir im Flugzeug und sind uns einig, dass die Laufsaison noch viel zu jung ist diesen ausgewachsenen Lauf.

Der MIUT feiert diesjährig seine sechste Austragung und wartet mit vier verschiedenen Strecken auf: 20km, Marathon, 85km und 115km. Es muss ja auch nicht immer gleich ein Ultra sein! Ist doch klar, für welche Strecke wir uns entscheiden — wir wollen schließlich die ganze Insel sehen. Am Tag vor dem Lauf landen wir auf dem einst für seinen schwierigen Anflug und seine extrem kurze Landebahn berüchtigten Flughafen Funchal, dessen Landebahn heute durch eine einzigartige Säulenkonstruktion in den Atlantik verlängert ist.

Am Abend nach der Landung düsen wir mit weiteren 380 Läufern in Reisebussen an das andere Ende der Insel. Das Feld ist klein und familiär, so wie die Insel. Man kennt sich untereinander. Punkt 24:00 Uhr passiert das Feld des UT85 und des UT115 die Startlinie in Porto Moniz und begibt sich auf eine wunderbare Reise durch die laue Nacht. Jörg ist bereits auf der Strecke unterwegs, denn er konnte keine Startnummer mehr lösen und läuft jetzt in Einzelwertung auf Teilabschnitten des UT85 und UT115 über die Insel.

An den ersten Hügeln formen die Stirnlampen leuchtende Ketten im Dunkel der Nacht. Ich verschlinge die salzige Luft mit purem Genuss und tanze auf den glitschigen Pfaden steile, schwarze Rinnen bergab – ein technischer Höchstgenuss — bis gegen 06:00 Uhr meine Stirnlampe versagt. Während des Laufens streife ich den Rucksack ab, taste nach meiner Ersatzlampe und versuche sie zu packen. Dabei linse ich immerzu über die Schulter meines Vordermannes, um einen Blick auf den beleuchteten Teil des Trails zu erhaschen. Als wir im dichten Wald auf einen Checkpoint stoßen, gewinnt mein Vordermann einige Meter Abstand und mein Licht ist plötzlich weg. Nun bin auf mich allein gestellt und stolpere mit dem diffusen Schein meiner Notlampe (Petzl E+LITE) durch das Gestrüpp. Hält die jetzt bis zum Sonnenaufgang? Falls nicht, bin ich geliefert, denke ich. Die Strecke führt schier endlos entlang der Lebensadern der Insel – den sogenannten Levadas. Das sind schmale Wasserkanäle aus Beton, die Felder und Siedlungen mit frischem, klarem Quellwasser versorgen.

Gegen 07:00 Uhr erreiche ich die Passstraße des Encumeada-Passes und treffe auf den bestens gelaunten Jörg. Er wird an den Stationen ebenso freundlich empfangen wie die Teilnehmer und trotz seines ausdrücklichen Widerspruchs genötigt sich zu verpflegen. Nach einer frischen Nacht und infolgedessen stetig gekühlten Getränken verhält sich mein Magen nun etwas irritiert und ich löffele zaghaft Hühnersuppe und knuspere an salzigen Crackern. Draußen zeichnen sich mittlerweile blaue Silhouetten der umliegenden Berge ab. Es dämmert! Jörg begleitet mich zur nächsten Levada, ich verliere ihn jedoch bereits nach wenigen Minuten aus den Augen. Es folgt ein endloser Abstieg ins Tal der Nonnen, in dessen Winkeln einst Nonnen ihre Zuflucht vor Seefahrern und fleischlichen Gelüsten suchten. Ich hingegen suche erneut Hühnersuppe und Cracker, denn der nun folgende 1300m Anstieg führt zum höchsten Berg der Insel, dem Pico Ruivo mit 1861m.

Noch befinde ich mich im Bereich der Top Ten, aber nach stundenlangem Lauf ohne ausreichende Energiezufuhr fühle ich mich jetzt leer wie ein verdorrtes Blatt in der Wüste. Sicher kennst du dieses Gefühl. Dein Vorsprung schmilzt wie Eiscreme in der Sonne und in jeder Kehre blickst du dich ängstlich um, als ob der Teufel hinter mir her sei: Wann kommen sie endlich und traben in vernichtendem Tempo an dir vorbei? Ich krieche wie Stück Butter über einen heißen Tiegel und erklimme Meter um Meter diesen endlosen Anstieg. Die Landschaft baut sich atemberaubend vor mir auf, aber dafür reicht meine Aufmerksamkeit nicht. Gefährlich schwankend stolpere ich über die ausgesetzten Felsgrate — die Auswirkungen von Dehydrierung und Unterzucker sind unverkennbar. Selbst leicht abfallende Abschnitte werden zur Quälerei. In diesem Zustand rückt das Ziel in unerreichbare Ferne. Immerhin liegen noch 55 Kilometer mit entbehrungsvollen Anstieg zwischen meinem aktuellen Zustand und der Ziellinie in Machico!

Vor drei Jahren steckte ich beim Ultra-Trail du Mont-Blanc (UTMB) in einer ähnlichen Situation und es fehlten noch knapp 70 Kilometer bis ins Ziel. Damals beendete ich den Lauf aufgrund von Magenproblemen und dem damit verbundenen Mangel an Nährstoffen vorzeitig. Wie habe ich diese Entscheidung bereut!

Als ich einen Schritt in die Holzhütte unterhalb des Pico Ruivo setze, steht mein Entschluss bereits fest. Mein Körper sackt auf einem Stuhl in der Ecke des dunklen Raumes zusammen und mein Kopf fällt schwer nach hinten. Die zuständige Ärztin schaut mich an, läuft zu mir herüber und fragt: “Geht es dir gut?” Ich erwidere: “Hätten Sie etwas Suppe? Mein Magen versagt die Funktion und ich muss pausieren.” Unverzüglich reicht mir ein Helfer warmen, schwarzen Tee. “Der ist gut für den Magen”, erklärt er in gutmütigem, väterlichen Ton. Ich sitze da, döse, lasse die Zeit verstreichen und registriere wie meine Verfolger die Hütte betreten, sich verpflegen und weiterlaufen. Meine Arme verdecken meine Startnummer, denn ich fühle mich geschlagen, völlig am Boden. Es ist mir peinlich hier zu sitzen und teilnahmslos dem Rennen zuzusehen, bei dem ich vor wenigen Minuten einer der Hauptakteure war. Wie verhalte ich mich, wenn sich mein Magen nicht beruhigt?

Schließlich raffe ich mich auf, fülle etwas Tee in meine Flaschen und lasse die Hütte hinter mir. Fünfundvierzig lange und schwere Kilometer liegen jetzt vor mir. Der landschaftlich schönste Teil der Insel breite sich unter meinen Füßen aus. Ich nehme mir Zeit, genieße die exponierten Pfade, laufe durch pechschwarze Felstunnel und erfreue mich der verstörten Gesichter der deutschen Wanderer, die sich mit einem freundlichen “Grüß Gott” einstellen. Mein Magen erholt sich allmählich. Am nächsten Verpflegungspunkt unterhalb des Pico Ariero (1818m) pausiere ich erneut ausgiebig und schlürfe wässrige Hühnerbrühe. Endlich habe ich Zeit, mir über die Hühner in der Suppe meine Gedanken zu zerbrechen. Wieder betreten meine Verfolger die Station, aber jetzt verlasse ich den Verpflegungspunkt vor ihnen. Sie sitzen mir wie Wespen im Nacken. Auf abschüssigen und flachen Trails kann ich den Abstand zu ihnen halten, ja sogar vergrößern. Allen die langen Anstiege fressen zu viel Kraft. Etwa 20 Kilometer später ist ein Finne direkt hinter mir. Ich lasse ihn passieren. Plötzlich taucht Jörg vor mir auf; er läuft mir entgegen. Ich freue mich wahnsinnig sein vertrautes Lächeln zu sehen. Er hat definitiv einen guten Tag, auch außerhalb der Wertung.

Madeira coast

Der Nordküstenweg vor Machico belohnt mich mit traumhaften Tiefblicken auf die Steilküste und den schäumenden Atlantik. Ich passiere Läufer des T20, die auf diesem Abschnitt mit den Juwelen des Trailrunning verwöhnt werden. Feinste Trails, steile Rampen und technische Leckerbissen zieren diesen Parkours. Ob diese Leckerbissen als solche wahrgenommen werden, hängt von den technischen und sportlichen Fähigkeiten der Läufer ab. Meine Gedanken wandern zu Gerald, der diese halsbrecherischen Abstiege bei Nacht absolvieren muss. Jörg erreicht Machico kurz vor Einbruch der Dunkelheit nach ca. einhundert zurückgelegten Kilometern. Am Ende erfahre ich, dass ich die Ziellinie als elfter Läufer überschritten habe und bin unendlich dankbar. Ich bin dankbar für den Mut, die Zeit verstreichen haben zu lassen.

Finally finished
Finally finished
Flugkosten: ab 250€
Startgeld
T20 35€
Marathon 55€
T85 85€
T120 105€
Übernachtungsort Machico
Übernachtung Casa da Graça
Die Strecke (T115) auf Strava

Madeira 11 copy

Grundausstattung:
– leichter Laufrucksack
– Stirnlampe mit Ersatzbatterien
– Notlampe
– Rücklicht (vom Veranstalter vorgeschrieben)
– Trinkbecher
– 1 l Wasservorrat
– Mobiltelefon

Bekleidung:
– T-Shirt
– Laufhose
– Socken
– Trailschuhe
– leichter Windbreaker
– wasser- und winddichte Jacke mit Membran
– Kopfbedeckung (Buff)
– Sonnenbrille

Notfallausrüstung:
– elastischer Verband
– Notfalldecke
– Tempotaschentücher

Nahrung:
– Salztabletten
– Nussmischung / Riegel / Gels
– Elektrolytpulver

MIUT auf GPSies

Garmin Fenix 2 – testD

Während auf den Berggipfeln die Schneereste beharrlich glänzen und der Niederschlag hoch oben noch immer in fester Konsistenz zu Boden fällt, laufe ich für euch mit den technischen Highlights der kommenden Saison über die matschigen Trails. Die robuste Allzweckwaffe unter den GPS-Uhren wurde durch die amerikanische GPS-Schmiede Garmin einer umfangreichen Überarbeitung unterzogen. Bereits vor der Markteinführung in Deutschland habe ich für euch die neue Fenix 2 unter die Lupe genommen und getestet. Was verspricht das neue Modell und was bietet es euch auf den Trails?

Auf den ersten Blick ähnelt die GPS-Uhr ihrem Vorgänger: Die Multisport-GPS-Uhr Fenix haben hatte ich bereits hier im Vergleich zu Konkurrenzmodellen vorgestellt. Das Display der Fenix 2 zeigt helle Schrift auf schwarzem Hintergrund, bei der Fenix war das umgekehrt. Leider lässt sich diese Anzeige nicht verändern. Die rote Hintergrundbeleuchtung der Anzeige beeinträchtigt deine Nachtsichtfähigkeit etwas weniger. Mich konnte diese Neuerung während des Tests überzeugen. Das Gewicht gleicht mit 85g dem Vorgänger und ist etwas höher als das der Suunto Ambit 2. Die Anordnung der Funktionen der Knöpfe am Gehäuse wurde verändert, erscheint jedoch logisch und durchdacht.

Im Lieferumfang enthalten ist ein langes Klett-Armband, das für die Befestigung an dicken Jacken gedacht ist, die du zum Beispiel beim Skifahren oder Bergsteigen im Winter trägst. Je nach Ausstattungspaket ist ein Brustgurt zur Herzfrequenzmessung im Lieferumfang enthalten. Mit dem Brustgurt lassen sich Daten wie Schrittfrequenz, Vertikalbewegung des Brustkorbes sowie Bodenberührungszeit messen. Die Auswertung erfolgt später mit Garmin Connect. In der unten gezeigten Grafik lassen sich Aufstieg und Abstieg anhand der Schrittfrequenz klar voneinander unterscheiden. Am Gipfel habe ich mir eine Pause gegönnt und bin ein paar Meter gegangen.

Schrittfrequenz und Temperatur während einer Tour
Trittfrequenz und Temperatur während einer Tour

Der Brustgurt liefert außerdem Daten zur Herzfrequenzvariabilität und ermöglicht der Uhr Aussagen zu VO2-Max, Erholungszeit und zum erzielten Trainingseffekt. So wird nach wenigen Minuten Trainingszeit bereits ein Hinweis zur aktuellen Erholungsfähigkeit gegeben. Basierend auf VO2-Max und dem eigenen Alter kann die Fenix 2 sogar deine erwartete Bestzeit bei Rennen schätzen. Die Schätzwerte stammen aus einer intern hinterlegten Tabelle, die den VO2-Max-Wert als Grundlage verwendet. Die Aussagen zur Erholungszeit und VO2-Max sind stark abhängig von der aktuellen der Tagesform und geben lediglich einen guten Hinweis, ob das aktuelle Training angebracht ist oder besser eine Pause eingelegt werden sollte.

Aktivitäten aufzeichnen

Die bedeutendste Änderung an der Fenix 2 ist der Multisport-Modus. Im Multisport-Modus werden unterschiedliche Sportarten verzugslos miteinander kombiniert. Dieser Modus eignet sich nicht ausschließlich für Triathleten, sondern ist auch für Trail-Läufer sehr hilfreich. Fährst du zum Beispiel mit dem Fahrrad zum Berg, läufst dann einen Trail und fährst dann wieder nach Hause, kombinierst du Radfahren, Trail-Running und Radfahren zu einer Aktivität mit verzugslosen Übergängen. Leider werden in der Auswertung auf Garmin Connect diese Aktivitäten wieder als einzelne Sportarten gespeichert und nicht miteinander kombiniert. Aktivitäten können jederzeit wiederaufgenommen werden. Damit werden lange, über mehrere Tage dauernde Touren als einzelne Aktivität gespeichert. Beim Langzeittest mit unserem Modell habe ich den Akku bis an die Grenze ausgereizt und damit ca. 16 Stunden aufgezeichnet. Als mich die Uhr mehrfach durch Vibration auf den niedrigen Ladezustand des Akkus aufmerksam machte, habe ich schließlich die laufende Aktivität beendet und wollte speichern. Scheinbar gibt es bei langen Aktivitäten ein Speicherproblem, denn das Display der Uhr war anschließend eingefroren und die Uhr schaltete sich automatisch ab. Auch nach erneutem Aufladen ließ sich die Aktivität nur nach mehreren Versuchen speichern. Garmin Connect weigert sich bisher beharrlich die Aktivität von der Uhr auszulesen, nur Strava verrichtet hier seine Dienste zuverlässig wie gewohnt.

Das Löschen einzelner Trainingsaufzeichnungen ist bei der Fenix 2 leider sehr umständlich gestaltet, da die jeweilige Aktivität zuvor vollständig geladen werden muss. Der Ladevorgang nimmt viel Zeit in Anspruch. Hier wäre eine Mehrfachauswahl zum schnellen Löschen die bevorzugte Lösung. Am Rechner lassen sich die Aktivitäten über USB-Port jedoch schnell und einfach löschen.

Die Fenix eignet sich hervorragend zur Navigation bzw. zum Folgen eines vorher aufgezeichneten Tracks. Das hilft euch zum Beispiel in langen Wettkämpfen, wenn ihr vor dem Start einen GPS-Track erhaltet und während des Laufes vom Weg abkommt. Leider wird bei der Aktivität “Navigation” der UltraTrack-Modus zur reduzierten Aufzeichnung nicht angeboten und dadurch reduziert sich die Akkulaufzeit von 50 Stunden auf 16 Stunden. Nutzt ihr hingegen die Aktivität Trail Running im UltraTrac-Modus, zeichnet die Fenix zwar mit etwas weniger Genauigkeit Positionsdaten auf, bietet euch hingegen 50 Stunden Akkulaufzeit.

Bei der Anpassung an die deutsche Sprache sind noch einige Nachbesserungen nötig, wie das folgende Foto zeigt:

Aufstiegsintervall ? - hier sind noch Nacharbeiten notwendig
Aufstiegsintervall ? – hier sind noch Nacharbeiten notwendig

Genauigkeit der Uhr

Der GPS-Sensor überrascht durch recht zuverlässige Daten, jedoch nicht im Gelände mit eingeschränktem Empfang. Die Uhr liefert im ersten Teil der Strecke des Madeira Island Ultra Trails (MIUT) gute Ergebnisse, jedoch stößt sie in Tunneln und im steilen Gelände nahe des Pico do Arieiro auf Probleme. Dieses Verhalten deutet darauf hin, dass der Beschleunigungssensor in der Uhr keine optimalen Daten bei GPS-Ausfall liefert. Die gemessenen Höhenmeter auf der 110km langen Strecke wurden durch Garmin Connect und die hinterlegten Reliefkarten von 6845m Anstieg auf 6446m Anstieg korrigiert.

Madeira Island Ultra Trail (MIUT) auf Strava

Madeira Island Ultra Trail (MIUT) auf Garmin Connect

Der Wank bei Partenkirchen sollte als zweite Teststrecke Einblicke in das Verhalten der Uhr geben. Ich lief die Strecke im Trail-Run-Modus mit folgender Konfiguration der Fenix 2:

– Data Recording: smart
– GPS-Mode: normal

und parallel dazu mit dem Garmin GPSmap 62s:

– Record Method: auto
– Recording Interval: normal

Die Ergebnisse der Aufzeichnungen seht ihr unter folgenden Links:

Berglauf auf den Wank mit Fenix 2

Berglauf auf den Wank mit GPSmap 62s

Legt man beide Tracks parallel (siehe Google Earth Bild), gibt es sowohl beim GPSmap 62s als auch bei der Fenix 2 Abweichungen vom Weg. Die Resultate sind sehr ähnlich, Unschärfen sind auf die Abstände der aufgezeichneten Punkte zurückzuführen und nicht auf den GPS-Empfang. Bei der Wallfahrtskirche St. Anton habe ich eine kurze Schleife ohne GPS-Empfang eingebaut und auch hier lieferte der Beschleunigungssensor der Fenix 2 keine vernünftigen Daten.

Vergleich GPSmap 62s (rot) mit Fenix 2 (blau)
Vergleich GPSmap 62s (rot) mit Fenix 2 (blau)

Die Höhendaten vom GPSMap 62s liegen am Gipfel des Wank näher an der tatsächlich gemessenen Höhe von 1780m. Der Streckenunterschied der beiden Geräte von ca. 500m ist bei einer Gesamtstrecke von ca. 14km bereits erheblich.

Sensoren

Bluetooth-Smart-Sensoren werden von der Uhr nicht unterstützt, jedoch ist die Bluetooth-Kopplung mit dem Smartphone möglich. Die Android-App Garmin Connect wartet leider noch auf das Update zur Fenix 2 und damit auf die Kompatibilität. In Kürze wird die Fenix 2 damit zur Smart Watch, die Anrufe und Textnachrichten vom Trainer oder von Freunden während des Laufens auf dem Display anzeigt. Ein Live-Tracking während deines Trainings wird dann ebenfalls möglich sein, jedoch solltest du dir unbedingt vorher über den Zuschauerkreis im Klaren sein.

Radfahrer können mit der Fenix 2 verschiedene Leistungsmessgeräte für Fahrräder verwenden, die auf ANT+ Datenübertragung basieren. Die Verwendung von ANT+ Sensoren und Bluetooth Smart Datenübertragung ist gleichzeitig nicht möglich. Das Display der Uhr ist mit bis zu drei Datenfeldern pro Seite konfigurierbar und es können mehrere Seiten pro Sportart erstellt werden. Darüber hinaus kannst du deine eigenen Sportarten konfigurieren. Diese Funktionen sind direkt an der Uhr konfigurierbar, hilfreich und sehr nützlich!

Besondere Eigenschaften

Für die Schönwetterläufer bietet die Fenix 2 die Trainingsoption “im Gebäude” und misst zurückgelegte Entfernung und Geschwindigkeit — auch ohne Fußsensor — über einen Beschleunigungssensor im Gehäuse am Handgelenk. Falls du zum Ausgleich gern schwimmst, ist die Fenix 2 sowohl in freien Gewässern als auch in der Schwimmhalle dein Trainingspartner, der dir aktuelle Geschwindigkeit, Armfrequenz und zurückgelegte Distanz anzeigt. Bitte beachte allerdings, dass die Wasserdichtigkeit der Uhr auf 5 ATM begrenzt ist und damit die Eignung zum Schwimmen stark einschränkt wird. Schnorcheln zum Beispiel und häufiges Schwimmen sind nicht empfohlen. Aus diesem Grund erhält die Uhr auch nur die Wertung “duschtauglich”. Die Fenix 2 liefert auch für alpine Skifahrer interessante Auswertungen und erkennt automatisch, wenn du den Lift verlässt und du dich wieder zur Abfahrt auf die Piste begibst.

GPS Uhren: Garmin Fenix 2
Preis in € 399€ (449€ mit HF-Gurt)
Gewicht 85
Barometrischer Höhenmesser ja
Kompass 3-Achsen-Kompass
Akku-Betriebszeit mit GPS 16-50h
Akku-Betriebszeit ohne GPS 5 Wochen
Wasserdichtigkeit duschtauglich
Aufzeichnungsintervall ab 1s (konfigurierbar)

Die Fenix 2 auf Tour

Zusammenfassung

Die Fenix 2 ist eine hochwertige und robuste GPS-Uhr für Outdoor-Sportler, die sich nicht ausschließlich auf eine Sportart beschränken und viel im Gelände unterwegs sind. Die Änderungen zum Vorgängermodell beschränken sich auf Funktionen, die besonders für Multisportler interessant sind und nur in geringem Umfang auf die Hardware der Uhr. Wie alle GPS-Uhren dient sie nicht zur reinen Navigation und ersetzt die Papierkarte nicht. Die Zuverlässigkeit der Uhr ist verbesserungswürdig; bei langen Aufzeichnungen trifft die Fenix ganz schnell auf ihre Grenzen. Beim Speichern, Laden und Auslesen von Daten hatte ich mehrfach Probleme. Der Empfang der Uhr ist zufriedenstellend, konnte allerdings in Gelände mit geringem Satellitenempfang nicht vollständig überzeugen. Auch der Beschleunigungssensor am Handgelenk konnte den fehlenden GPS-Empfang nicht kompensieren. Die lange Akkulaufzeit im UltraTrack-Modus ist besonders bei langen Distanzen hilfreich und ebenso schätze ich Möglichkeit Einstellungen an Aktivitäten an der Uhr selbst vornehmen zu können.

Die Informationen in diesem Test stammen aus meinen eigenen Erfahrungen, Produktbeschreibungen des Herstellers sowie vom herausragenden Blog von Ray Maker. Falls ihr falsche oder unvollständige Informationen in meinem Beitrag findet, bin ich für euren Hinweis dankbar.

Die Königsrunde

Der Herzogstand — kein anderer Münchner Hausberg bietet einen vergleichbaren Ausblick. Am Fuße des Berges liegt Kochel, dessen gleichnamige Kalksteinfelsen von der internationalen Kletterelite hoch geschätzt werden. Gleich dahinter breitet sich das flache Voralpenland bis zum Münchner Olympiaturm aus. Vom Pavillon auf dem Gipfel lässt sich heute noch erahnen, was König König Ludwig II. bewegte, diesen Berg zu seinem Lieblingsberg zu wählen. Die Gipfeltour zum Herzogstand lässt sich mit der Gratüberschreitung auf den Heimgarten zu einer Laufrunde der Extraklasse kombinieren. Aber Vorsicht! Die Wanderzeit auf dieser Strecke ist mit mehr als sechs Stunden angegeben und der Gratweg ist ausschließlich für trittsichere und geübte Läufer ratsam.

Anfahrtsbeschreibung

Von München kommend, fährst du zunächst nach Kochel am Kochelsee, passierst das Walchenseekraftwerk mit den markanten Wasserröhren und fährst die Serpentinen hinauf bis über die Passhöhe zwischen Kesselberg und Herzogstand. Weiter fährst du am Ufer des Walchensees bis zur Talstation der Herzogstandbahn. Die Talstation ist ebenfalls mit dem Bus aus Kochel erreichbar. Der Parkplatz vor der Bahn ist der Ausgangspunkt für unsere Laufrunde.

Der Grat hinüber zum Herzogstand mit dem Pavillon auf dem Gipfel
Der Grat hinüber zum Herzogstand mit dem Pavillon auf dem Gipfel

Wegbeschreibung

Am nordöstlichen Ende des Parkplatzes beginnt unser Trail. Dieser traumhafte Singletrail führt dich bei mäßiger Steigung und herrlichem Blick über den Walchensee durch den bewaldeten Südhang des Berges. Im Sommer ähneln die bunten Segler auf dem See kleinen Papierfähnchen, die ausgelassen im Wind tanzen. Nach ca. vierhundert Höhenmetern erreichst du eine felsdurchsetzte Passage und passierst einen Wassergraben. Dieser führt nicht zu jeder Jahreszeit ausreichend Wasser! Nach weiteren vierhundert Höhenmetern und zahlreichen Serpentinen erreichst du recht unverhofft den Berggasthof Herzogstand. Vorbei am Berggasthof und den japanischen Touristen querst du anschließend unterhalb vom Martinskopf (1675m) hinüber in die von Latschen durchwachsene Südostflanke des Herzogstandes. Nach wenigen Kehren und weiteren unbeholfenen Bahntouristen stehst du zunächst am Gipfelkreuz und anschließend am Pavillon des Königs (1731m).

Am Pavillon bietet sich dir ein herrlicher Rundblick über das weitreichende Alpenvorland, die strahlend blauen Seen und die gewaltige Alpenkulisse im Süden. In westlicher Richtung erkennst du den Gratweg und in dessen Verlängerung den Gipfel des Heimgartens. Leicht unterhalb des Gipfelpavillons befindet sich der Zugang zum Gratweg. Gleich zu Beginn erwarten dich etwas steilere Passagen, die du jedoch ohne Probleme meistern wirst. Falls nicht, dreh um! Im ständigen Auf und Ab, mit Drahtseilen gesichert, führt dich der Grat hinüber zum Heimgarten, dessen Gipfel du nach einem kurzen aber steilen Anstieg durch Latschengebüsch mühelos erreichst. Das glänzende Gipfelkreuz des Heimgartens strahlt im Abendlicht besonders schön.

Vom Gipfel begibst du dich in südlicher Richtung zur Heimgarten-Hütte, die nur im Sommer bewirtschaftet ist. Vorbei an der Hütte, folgst du dem schmalen und felsdurchsetzten Pfad durch dichten Wald hinab in Richtung Süden zur Ohlstädter Alm. Über die Almwiese, vorbei an einer Viehschleuse passierst du die Ostseite des Rotwandkopfes, weiter in südliche Richtung, leicht bergauf. Nachdem der Weg abrupt in Richtung Osten abknickt, führt er dich über kurze und gut laufbare Serpentinen bergab bis zum Rotwandgraben. Dem Weg neben dem Rotwandgraben folgst du, bis der Parkplatz der Herzogstandbahn ausgeschildert ist.

Als abschließendes Highlight der Tour empfehle ich diesmal keine Einkehr mit Kaffee und Kuchen, sondern ein erfrischendes Bad im Walchensee. Besonders in den Sommermonaten ist das für mich der krönende Abschluss dieser Tour.

Am Ufer des Walchensees mit Blick auf den Herzogstand
Am Ufer des Walchensees mit Blick auf den Herzogstand

Zeitansatz

Schnelle und erfahrene Läufer sollten für diese Tour mindestens zwei Stunden ansetzten. Weniger schnelle und weniger erfahrene Läufer sollten für die Tour ca. 3-4 Stunden einplanen. Bitte denkt an die obligatorische Ausrüstung, die ihr in den Bergen jederzeit mitführen solltet:

Ausrüstung

– wasser- und winddichte Jacke mit Membran
– wärmende zweite Schicht
– Erste-Hilfe-Päckchen
– Notlampe
– Nahrung / Wasser

Tourdaten

Link zu den Tourdaten auf Strava.com

Viel Spaß und vielleicht sehen wir uns auf dem Trail!

Lebensläufer – was uns antreibt

Es gibt Menschen, die heben Gewichte, um sie kurze Zeit später wieder fallen zu lassen. Andere stoßen Bälle in Tore und holen sie kurze Zeit später wieder heraus. Ich laufe für mein Leben gern auf Trails — besonders dann, wenn mir der Regen ins Gesicht peitscht, der Wind um die Ohren pfeift und meine Wangen rot glühen. Was treibt uns Menschen zu diesem unlogischen Verhalten? Warum gehen Läufer auch bei schlechtem Wetter vor die Tür, während andere es vorziehen den Fernseher einzuschalten und die Couch zu belasten?

Jeder Marathonläufer kennt diese Frage: Warum läufst du eigentlich? Die Antworten auf diese Frage sind so vielfältig wie die Läufer, die Marathons laufen. Die Quote derer, die bei dieser Antwort in Verlegenheit geraten, da sie die Startnummer quasi am Stammtisch bei eine Wette erworben haben, ist dabei erstaunlich hoch. Dieses Starterklientel ist mir persönlich deutlich lieber als das gehobene Management, bei dem es zum guten Ton gehört, einen Marathon gefinisht zu haben. Top-Läufer wie Kilian Jornet laufen um zu siegen — sie wollen mit aller Macht dieses Banner im Ziel als Erster mit ihrer Brust zerreißen, koste es was es wolle. Bloß was treibt die tausend Starter im Feld hinter ihnen an? Ihr Kampf ist ein anderer: Schaffe ich es oder schaffe ich es nicht? Bin ich schneller als meine geplante Zielzeit oder langsamer? Der David gegen Goliath Effekt treibt uns Menschen seit jeher zu Spitzenleistungen. Die Freude über den Erfolg ist dabei umso größer je schwerer die gestellte Aufgabe ist. So erscheint es plausibel, dass der Zieleinlauf beim Münchner Stadtlauf nie derart mit emotionalen Szenen beladen sein wird wie der Zieleinlauf des RacingThePlanet Gobi Marches. Saisonziele sind demnach eine gute Grundlage für zeitlich begrenzte Motivation.

UTMB Ziel TNF © Thomas Bohne

Vorübergehende Motivationsschübe werden außerdem in Form von Peitschenhieben durch den Lauftrainer, die mahnenden Blicke der Ehefrau oder das blinkende Display der Körperwaage verabreicht. Kennst du das Gefühl, auf der Couch zu sitzen und die Gipfelbilder der vermeintlichen Freunde auf Facebook vorbeirauschen zu sehen? Gleichermaßen vergänglich sind Trainingspläne, die du in Laufzeitschriften oder Büchern findest, da sie nicht auf dich, allenfalls auf den Autor des Trainingsplanes zugeschnitten sind und schnell in Vergessenheit geraten. Belohnungen, Drohungen, Gruppendynamik oder Gesundheitsbewusstsein — keine dieser extrinsischen Motivationsquellen ist auf Dauer Erfolg versprechend.

Wenn ich als Ultra-Läufer durch die Berge laufe, dabei meinen Körper beobachte, wie er sich auf den langen Distanzen verhält und genau diesen Moment genieße, dann bin ich auf dem richtigen Weg. Ich spiele in technischen Abschnitten mit dem Untergrund, atme die duftgeschwängerte Luft des Waldes und spüre den Schweiß auf der Haut. Ich laufe, weil ich es will und ich bestimme mein Tempo selbst! Meine Antwort auf die Frage “Warum läufst du?” lautet: “Weil es mir Spaß macht.” Ich genieße jede Minute in der Natur und ich sauge ihre Launen auf wie ein trockener Schwamm einen Schluck Wasser.

Pfunderer Höhenweg
Pfunderer Höhenweg

Sicher kennst du diesen Moment nach einem anstrengenden Tag auf der Arbeit: Die Beine sind schwer, der Kopf brummt und spürst bereits beim Blick aus dem Fenster eine Gänsehaut am ganzen Körper. In dieser Situation ist die beste Motivation dein Laufpartner, der an die Tür klopft und dich abholt. Ist das diesmal nicht der Fall, müssen andere extrinsische Motivationshilfen herhalten. Entweder wartet die neue Laufbekleidung im Schrank auf einen Testlauf, die Pulsuhr mahnt piepsend vor Trainingsdefiziten oder die Berichte der Cyberfreunde im sozialen Netzwerk locken verführerisch nach draußen.

Grundsätzlich ist es nicht falsch, wenn Ziele, Erfolg oder große Herausforderungen zu deiner Motivation beitragen. Spitzenleistungen sind jedoch nur in seltenen Fällen ausschließlich über extrinsische Faktoren erreichbar, sondern oft durch großes inneres Streben begründet. Der von Dieter Baumann beschriebene Lebensläufer, erreicht seine Endausprägung erst, wenn er frei von Zielen läuft und seine innere Haltung angepasst hat (D. Baumann, Laufende Gedanken, Klöpfer & Mayer, 2009). Er läuft, weil das Laufen ein Bestandteil seines Lebens geworden ist – bis dahin ist es allerdings ein langer Weg.

Wie entwickelst du dich vom Laufanfänger zum Läufer und vielleicht sogar zum Lebensläufer? Zahlreiche Strategien, angefangen bei Zielvorgaben, Partnersuche über Belohnungen und Rituale, werden alljährlich in den Laufzeitschriften angepriesen und erweisen sich als äußerst kreativ, jedoch völlig sinnfrei (Achim Achilles, Sportmotivation: Wecke den Bock!). Da bekanntlich selbst der längste Weg mit dem ersten Schritt beginnt, empfehle ich hartnäckig: Lauf einfach los!

Auf eisigen Pfaden: Trail-Running im Winter

Winterlaufen 1

Eine Gruppe Schneeschuhwanderer stapft im Gänsemarsch durch tiefen Schnee im dichten Nadelwald. Es ist Februar und der Winter hat die Berglandschaft in eine weiße Decke gehüllt. Trotz ihrer breiten Schneeschuhe sinken die Wanderer tief in die kalte, weiche Decke ein, wenn sie den Fußabdruck ihres Vordermannes verfehlen. Mittlerweile rollen ihnen die Schweißtropfen über die Stirn und der kondensierende Atem der Gruppe bildet eine Wolke wie bei einer Dampflock. Hinter ihnen nähert sich ein drahtiger Läufer, der mit langen Schritten zur Gruppe aufschließt. Sein Herz pulsiert, seine Lunge pumpt und seine Augenbrauen sind mit Reif überfroren. Die Gruppe hat ihn noch nicht bemerkt. Erst als er zum Überholen ansetzt, drehen sich die Wanderer erschrocken um. Als er die festgetretene Spur der Wanderer verlässt, sinkt er bis zum Oberschenkel ein und wühlt sich unter ungläubigen Blicken der Wanderer mit ganzer Kraft durch den tiefen Schnee an der Gruppe vorbei. Nachdem der Läufer die Gruppe überholt hat, springt er zurück in die ausgetretene Spur. Sogleich umgibt ihn wieder die stille, weiße Landschaft, und nur das Knarzen seiner Schritte im Schnee ist noch zu hören.

Winterlaufen 4

Trail-Läufer sind zu jeder Jahreszeit draußen unterwegs, denn genau das unterscheidet sie von Läufern, die im Fitnessstudio auf dem Laufband in Richtung Bildschirm laufen. Im Sommer springen sie leichtbekleidet und wie Gämsen durch hochalpines Gelände, im Winter traben sie völlig vermummt und mit Leuchtfarben dekoriert durch die eisige Kälte. Trail-Running ist zu jeder Jahreszeit möglich, allerdings gestaltet sich das Training auf den Lieblingstrails im Winter gänzlich anders als im Sommer. Liegt tiefer Schnee, ist der
Kraftaufwand ungleich höher als auf trockenem Boden und tiefe Außentemperaturen müssen vom Körper durch zusätzliche Wärmeproduktion kompensiert werden. Ihr verbraucht folglich beim Training im Winter mehr Energie als im Sommer. Aus diesem Grund nehme ich bei langen Läufen in jedem Fall Verpflegung mit. Achtet aber darauf, dass sich viele Riegel in gefrorenem Zustand nicht gut kauen lassen und verstaut diese nah am Rumpf oder greift auf Nüsse und Trockenfrüchte zurück. Gefrorenes Olivenöl lutschen nur die ganz Harten. Zum Ausgleich des Flüssigkeitsbedarfes eignen sich die üblichen Sportgetränke, diese solltet ihr allerdings warm halten. Auch wenn die Flüssigkeit in der Trinkblase auf dem Rücken angenehm temperiert ist, friert sie im Trinkschlauch schneller ein als ihr ansaugen könnt. Schnee zu essen ist auf Dauer auch keine Alternative, denn dieser enthält keine Mineralien. Vielmehr wäscht er die Mineralien eures Körpers aus und senkt zusätzlich eure Körperkerntemperatur.

Ich empfehle:

Nuss-/Beerenmischung

Winterlaufen 6

Für die Bekleidung gilt auch im Winter: Vor dem Lauf musst du leicht frieren! Zieh dich keinesfalls zu warm an, denn zu warme Bekleidung führt zu erhöhter Schweißproduktion und damit zu mehr Nässe am Körper und in der Bekleidung. In der Konsequenz kühlst du schneller aus. Ein Anzug nach dem Zwiebelschalenprinzip bewährt sich besonders im Winter und bei wechselnden Bedingungen. Die einzelnen Bekleidungsschichten können flexibel an- und ausgezogen werden und Lufteinschlüsse zwischen den Schichten isolieren zusätzlich. Da ich sehr wenig schwitze, trage ich direkt auf der Haut Textilien aus Merinowolle; für viel schwitzende Sportler eignen sich hingegen Kunstfasern wie Polyester besser. Als zweite Bekleidungsschicht empfehle ich Kleidung aus dem Material Polartec, da dies besonders gut Wärme speichert und auch bei Nässe funktioniert. Meist ist ein dünner Windbreaker als dritte Bekleidungsschicht ausreichend, bei Niederschlag und Schnee greife ich jedoch auf atmungsaktive Materialien zurück. Glich die Atmosphäre unter älteren Funktionsjacken noch der eines Gewächshauses, sind aktuelle Membranen erstaunlich durchlässig und eignen sich auch für schweißtreibende Abenteuer. Wer in den Bergen läuft, sollte für den Notfall immer eine zusätzliche, trockene Bekleidungsschicht im obligatorischen Rucksack mitführen. Und bitte vergesst Mütze und Handschuhe nicht!


Erste Bekleidungsschicht: Patagonia Long-Sleeved Thermo Flyer Shirt
Zweite Bekleidungsschicht: Patagonia Men’s Piton Pullover
Dritte Bekleidungsschicht: Patagonia Men’s M10 Jacket
Patagonia Men’s Alpine Guide Pants

Auf Schuhe möchte ich in diesem Beitrag nicht näher eingehen, denn die richtige Schuhwahl hängt in erster Linie von der Passform, den Bedingungen und den persönlichen Vorlieben ab. Im Tiefschnee sind Gamaschen von Vorteil, denn diese verhindern, dass euch der Schnee in den Schuh rutscht und den Fuß tiefkühlt. Längere Socken sind im Schnee von Vorteil, denn sie bieten einen zusätzlichen Schutz der Waden bei Bruchharsch.

Gamaschen findet ihr zum Beispiel im RacingThePlanet Shop.

Winterlaufen  bei Nacht

Berufsbedingt laufe ich in der kalten Jahreszeit meist erst nach Eintritt der Dunkelheit und bin aus diesem Grund auf meine Stirnlampe angewiesen. Diese ist leicht, hell, wird mit Akkus betrieben und besitzt eine lange Leuchtdauer. Auf langen Touren und in den Bergen habe ich zusätzlich eine Ersatzlampe im Gepäck, denn bei Nebel und im Wald ist ohne entsprechende Beleuchtung keine Orientierung mehr möglich. Für die urbanen Läufer sind Lampen von geringerer Bedeutung, vielmehr schützen ausreichend Reflektoren vor unerwarteten Begegnungen mit anderen Verkehrsteilnehmern.

Meine Empfehlung:

AY UP Lights aus Australien

Winterlaufen 3

In der Tat ist der materielle Aufwand zur Vorbereitung für einen Lauf im Winter größer als der für einen Lauf im Sommer. Dennoch kann ich mir nicht vorstellen die einzigartige Atmosphäre bei Nacht und das Gefühl von Freiheit gegen ein Laufband im Studio einzutauschen.

GPS-Uhren für Trail-Läufer

Für einen Traillauf brauche ich lediglich ein Paar Schuhe, eine Hose und ein T-Shirt. In den Bergen habe ich zusätzlich ein Notfallpaket mit Smartphone dabei, welches bei mir oft den GPS-Track aufzeichnet. Will ich auf aktuelle Trainingsdaten zugreifen, trage ich eine Uhr am Handgelenk. Kürzlich habe ich mich gefragt: Was leisten heutige GPS-Uhren und wie können sie uns Trail-Läufer unterstützen?

GPS-Uhren überwachen ununterbrochen unseren Körper; sie zeichnen Position, Distanz, Zeit und Geschwindigkeit auf. Einige warnen sogar vor Unwettern. Hersteller von GPS-Uhren haben speziell für uns Trail-Läufer Produkte entwickelt, die eine genaue Trainingsauswertung zulassen und die entscheidenden Informationen im Wettkampf liefern. Ich hatte die Möglichkeit sieben aktuelle Modelle zu testen und präsentiere euch hier die Ergebnisse. Die spezifischen Funktionen der Uhren sind im Text beschrieben und die wichtigsten Informationen sind am Ende dieses Blogeintrages in einer Tabelle zusammengefasst. Bei allen Uhren ist die Messung der Herzfrequenz möglich, denn ein Herzfrequenzsensor war stets im Lieferumfang enthalten.

Die Informationen in diesem Test stammen aus meinen eigenen Erfahrungen, Produktbeschreibungen der Hersteller und vom herausragenden Blog von Ray Maker. Falls ihr falsche oder unvollständige Informationen in meinem Beitrag findet, bin ich für euren Hinweis dankbar.

Nike+ Sportwatch
Nike+ Sportwatch

Nike+ Sportwatch

Die Nike+ Sportwatch überzeugt durch ihr schlichtes und elegantes Äußeres sowie die große, gut lesbare Anzeige. Das Armband der Uhr fühlt sich hart und steif an und steht bei schmalen Handgelenken seitlich ab. Eine Zusatzfunktion fällt sofort auf: Das Antippen des Displays aktiviert entweder die Hintergrundbeleuchtung oder started eine neue Rundenzeit (kein Touchscreen). Somit könnt ihr die Uhr auch bei hoher Laufgeschwindigkeit bedienen. Negativ wirkt sich dieses Feature auf Radtouren aus, denn dann löst jeder größere Holperer diese Funktion aus. Zur Auswertung der Aufzeichnungen, wird die Uhr über einen verdeckten USB-Port im Armband mit dem Computer verbunden. Die Nike+ Connect Software überträgt die Daten an das Nike+ Onlineportal. Leider ist diese Auswertung nur online und auch nur laufspezifisch möglich. So verfälschen gelegentliche Radtouren die persönlichen Statistiken ganz ordentlich. Liebe Produktentwickler von Nike: Bitte schleunigst für zusätzliche Sportarten erweitern! Der mitgelieferte Schrittfrequenzsensor soll Messungen auch ohne GPS-Empfang ermöglichen, der Sensor passt allerdings nur in Nike+ Schuhe bzw. benötigt eine zusätzliche Halterung am Schuh. Die Genauigkeit des Sensors und die Aufzeichnungskapazität von 15 Stunden sind für meine Zwecke völlig ausreichend. Insgesamt ist die Nike+ Sportwatch ein toller Begleiter für den Trail-Läufer, der eine unkomplizierte und zuverlässige GPS-Uhr im unteren Preissegment sucht.

Polar RC3 GPS
Polar RC3 GPS

Polar RC3 GPS

Polar hat mit der RC3 GPS eine sehr leichte und schmale Uhr geschaffen, die erstmals in der Polar-Produktserie das GPS-Modul integriert hat. Frühere Modelle ließen sich lediglich mit einem externen GPS-Modul kombinieren. Die RC3 GPS wurde speziell für Läufer entwickelt, lässt sich jedoch mit Zusatzgeräten und angepassten Funktion auch von Radfahrern nutzen. Wie üblich glänzt die Uhr bei der EKG-genauen Messung und bei der Analyse der Herzfrequenz. Leider ist sie sich nicht mit dem Bluetooth-Brustgurt H7 kombinierbar. In einem Fitnesstest kannst du deine Trainingsbereiche grob bestimmen und sogar deine VO2max ermitteln. Wenn du die eigenen Werte bereits kennst, kannst du diese natürlich direkt in der Uhr übernehmen und dein Training anschließend sehr gezielt steuern. Die Anzeige der Uhr ist groß und verschiedene Darstellungen sind auswählbar, diese sind allerdings nicht konfigurierbar. Die Bedienung der Uhr wirkt auf mich unübersichtlich und etwas überladen. Für Erkundungen ganz hilfreich finde ich die Funktion “back to start”, die anhand eines Pfeils die Richtung und die Entfernung zum Ausgangsort anzeigt. Eine Uhr dieser Preisklasse sollte zum Schwimmen geeignet sein und nicht — wie mir passiert — beim ersten längeren Lauf im Regen von innen anlaufen.

Über einen verdeckten Micro-USB Anschluss auf der Rückseite der Uhr lässt sie sich per Micro-USB-Kabel mit dem Computer verbinden. Die Trainingsdaten kannst du über die WebSync-Software sowohl online im PolarPersonalTrainer (PPT) als auch offline mit zahlreicher Drittsoftware bequem auswerten. Der PPT bietet dir detaillierte Statistiken und unterstützt die Erstellung von Trainingsplänen. Die Oberfläche des PPT ist leider etwas in die Jahre gekommen und bedarf einer Überarbeitung. Auch die Integration weiterer Geräte von Drittherstellern sowie die Synchronisation mit Smartphones sind unzureichend umgesetzt. Die Polar RC3 GPS ist eine Uhr für Läufer, die ihren Körper genau analysieren und ihr Training gezielt steuern möchten und dabei ab und zu auf andere Sportarten ausweichen.

Suunto Ambit 2 Silver
Suunto Ambit 2 Silver

Suunto Ambit 2 Silver

Die Suunto Ambit 2 ist die robuste Allzweckwaffe für den alpinen Läufer und Multisportler. Das massive Erscheinungsbild und das Gewicht täuschen dabei leicht über die übersichtlichen sowie konfigurierbaren Menüs und die zahlreichen Funktionen hinweg. So lassen sich Apps auf der Uhr installieren, die beispielsweise Gewitterwarnungen angeben, eure minimale Herzfrequenz während des Schlafes aufzeichnen oder die voraussichtliche Marathonzeit während des Laufes berechnen. Die Uhr ist wasserdicht und eignet sich zum Schwimmen. Besonders spannend finde ich die Kombination von barometrischer Höhe und GPS (FusedAlti). Routen können vorab im Web unter Movescount konfiguriert werden und die Uhr besitzt einen Multisport-Modus, der den Wechsel zwischen Sportarten während des Trainings ermöglicht. Die Kommunikation mit externen Sensoren ist mit Produkten zahlreicher Hersteller möglich (ANT+).

Bryton Cardio 40
Bryton Cardio 40

Bryton Cardio 40

Die Bryton Cardio 40 Uhr wurde speziell für Läufer entwickelt und ist so schmal und klein, dass man bei dieser Uhr gar kein GPS erwartet. Es ist aber drin! Sechs konfigurierbare Anzeigen stellen die Trainingsdaten übersichtlich und groß auf dem Display dar. Die Uhr verfügt über eine Intervallfunktionen und ermöglicht die Anbindung zusätzlicher Sensoren (ANT+). Die Installation der Software zur Datenübertragung funktionierte leider nicht fehlerfrei. Trainingsdaten können online auf brytonsport.com ausgewertet werden.

Garmin Fenix
Garmin Fenix

Garmin Fenix

Die Garmin Fenix richtet sich an Outdoorsportler und erfüllt mit barometrischem Höhenmesser, Kompass, Karte und vielseitig konfigurierbaren Menüs alle Anforderungen von Profis. Mehrere Alarme können als Ton oder als Vibration konfiguriert werden. De Akku-Betriebszeit mit bis zu 50 Stunden im GPS-Modus setzt Maßstäbe. Der Ant+ Standard ermöglich die Kombination mit zahlreichen Sensoren von Drittherstellern. Die Uhr lässt sich problemlos per Bluetooth 4.0 mit dem Smartphone sowie mit anderen Fenix-Uhren zum Datenaustausch verbinden. Wenn ihr euch auf Reisen in ein anderes Land begebt, kümmert euch nicht mehr um die Zeitzonen. Die Garmin Fenix übernimmt das völlig automatisch, sobald das GPS aktiviert wurde. Die Garmin Fenix unterstützt sowohl Routen, die auf Garmin Connect erstellt wurden wie auch GeoCaching. In Garmin Adventures lassen sich Bilder mit den aufgezeichneten Daten verknüpfen (Geo-Tags) und veröffentlichen. Das Angebot an Softwarepaketen wirkt verwirrend auf den Nutzer und sollte in einem Gesamtpaket integriert werden. Die Auswertung der Trainingsdaten erfolgt entweder online im web-basierten Garmin Connect oder offline mit Basecamp. Die Beschränkung in Basecamp auf Garmin-Karten im Zeitalter von GoogleMaps, Bing Maps und OpenStreetmap scheint nicht zeitgemäß.

Runtastic RUNGPS1
Runtastic RUNGPS1

Runtastic RUNGPS1

Diese vergleichsweise kleine und leichte Uhr des oberösterreichischen Unternehmens der gleichnamigen App ist ein schlichter Laufbegleiter, der dennoch die wichtigsten Funktionen bereithält. Ein kleines aber konfigurierbares Display zeigt in drei Zeilen die aktuellen Daten an, allerdings sind die Zeichen aufgrund der geringen Auflösung nicht immer gut ablesbar und die Buchstaben am Rand des Displays wirken auf mich kryptisch. Ein elektronischer Kompass ist verfügbar und Rundenzeiten können automatisch (über Wegpunkt oder Distanz) aufgezeichnet werden. Die Bedienung ist nicht sehr intuitiv, so fehlt nach dem Ende einer Aufzeichnung die Rückmeldung der Uhr, ob die Trainingsdaten tatsächlich gespeichert wurden. Das Web-Portal runtastic.com bietet die Möglichkeit zur Auswertung unterschiedlichster Sportarten, die volle Funktionalität steht aber erst bei einer Gold-Mitgliedschaft zur Verfügung, die eine nicht unerhebliche Jahresgebühr voraussetzt.

Geonaute Keymaze 700
Geonaute Keymaze 700

Geonaute Keymaze 700

Das Produkt der Decathlon-Tochter Geonaute rangiert qualitativ am unteren Ende meiner Testexemplare. Die Bedienungsanleitung liefert trotz der 18 Sprachen auf zwei Seiten nicht ausreichend Informationen und leider sind auch online nicht viele Hinweise zum Produkt auffindbar. Das Keymaze 700 wird mit einem einfachen Klett-Armband am Handgelenk befestigt. Die Uhr verfügt über einen barometrischen Höhenmesser sowie einen elektronischen Kompass. Auf vier nicht konfigurierbaren Displayseiten werden die aktuellen Trainingsdaten dargestellt. Trotz der Größe der Uhr sind die Zeichen auf dem Display schlecht lesbar. Leider können die Trainingsdaten ausschließlich über eine Microsoft Windows-kompatible Software an den Rechner übertragen werden und mit einer veralteten Software ausgewertet werden.

http://www.mygeonaute.com/

GPS Uhren: Nike+ Sportwatch Polar RC3 GPS Suunto Ambit 2 Silver Bryton Cardio 40 Garmin Fenix Runtastic RUNGPS1 Geonatue Keymaze 700
Preis in € 169 279 499,95 149,99 449 149,99 179,90
Gewicht in g 64 57 79 49 85 56 67
Barometrischer Höhenmesser nein nein ja nein ja nein ja
Kompass nein nein magnetischer 3D-Kompass nein magnetischer Kompass elektronischer Kompass elektronischer Kompass
Akku-Betriebszeit mit GPS 9h 12h 15h 8h 16-50h 14h 15h
Akku-Betriebszeit ohne GPS 7 Wochen 4 Monate 1 Monat 2 Wochen 6 Wochen k.A. k.A.
Wasserdichtigkeit duschtauglich duschtauglich schwimmen und schnorcheln schwimmen schwimmen Regen k.A.
Aufzeichnungsintervall 1s 1s 1-60s (konfigurierbar) 4s ab 1s (konfigurierbar) 1s-10min 2s

Trans-Atlas Marathon – im Land der Berber

In zwei Reihen stehen die 25 Teilnehmer der Erstaustragung des Trans-Atlas Marathon (TAM) hinter der Startlinie. “Die erste Reihe könne genauso gut bei den Olympischen Spielen am Start stehen”, flüstert mir der neuseeländische Unternehmensberater Mike in mein rechtes Ohr, ein netter Kerl mit völlig überpacktem Trekkingrucksack. Links neben mir steht Basti Haag: Speedbergsteiger, Extremskifahrer und Produktentwickler von UvU. Im Hintergrund krächzt derweil die Vangelis-Hymne aus völlig übersteuerten Lautsprechern. Vor mir zappeln 15 drahtige marokkanische Laufmaschinen, alles Freunde der Brüder Mohamad Ahansal und Lahcen Ahansal. Mohamad und Lahcen haben den Marathon des Sables — das ist DER prestigeträchtigste Wüstenlauf der Erde — zusammen vierzehnmal gewonnen. Ihre Freunde hüpfen völlig aufgedreht vor mir im Staub der Startlinie und genießen das Blitzlichtgewitter und die Atmosphäre vor dem Start. Einige von ihnen erhalten hier erstmalig die Möglichkeit, ihr Können vor einem internationalen Publikum zu präsentieren. Große internationale Laufmagazine sind vertreten und der zweite öffentliche marokkanische Fernsehsender 2M TV überträgt täglich im Sportteil der Abendnachrichten vom Lauf.

Zaouiat Ahansal
Zaouiat Ahansal

Was erwarte ich von einem Lauf, den ein Weltklasse-Trailläufer organisiert? Das Kursbuch kündigt 275 Kilometer und 15 000 Höhenmeter an, das sind in etwa die Anforderungen vom Gore-Tex Transalpine Run (TAR); uns bleiben dafür sechs Tage Zeit, statt der acht Etappen beim TAR. Ruhetag gibt es keinen! Von Mohamad erwarte ich anspruchsvolle, aber laufbare Trails im Hohen Atlas. In meinem Rucksack möchte ich keine Expeditionsausrüstung tragen, dennoch soll die Pflichtausrüstung ausreichend Schutz vor dem extremen Klima bieten. Daher werden wir jeden Morgen unsere Reisetasche abgeben, um sie am Abend im nächsten Lager wieder in Empfang zu nehmen. Übernachtungen bei Einheimischen gehören für mich zu diesem Lauf wie die lokale Küche, denn erst dadurch bekomme ich einen Einblick in die Kultur und den Alltag der Berber. Magenverstimmungen werden dabei bewusst in Kauf genommen. Verpflegungspunkte? Die Micropur-Tabletten in der Pflichtausrüstung deuten an, dass es davon nicht viele geben wird. Was diese Premiere bringt, können die 25 Teilnehmer nur erahnen.

TAM 53

Kurz nach dem Start blicke ich mich um und stutze irritiert. Eine Traube von zehn Berber-Läufern umgibt mich. Diese Jungs laufen sich lockeren Schrittes warm und schießen obendrein Fotos mir ihrer kleinen Digitalkamera. Als wir an einer Brücke rechts auf einen halsbrecherischen Trail abbiegen und von der Ehrenrunde durch das Dorf Zaouiat Ahansal erneut in Richtung Startlinie laufen, erhalte ich einen Vorgeschmack ihres atemberaubenden und technisch perfekten Lauftstils: Wie ein Vogelschwarm erhöhen sie schlagartig ihr Tempo und fliegen wild und frei in Richtung der klickenden Kameras und wartenden Würdenträger. In dem Augenblick als ich die Startlinie erneut passiere, bemerke ich Lahcen am Streckenrand und blicke für einen Moment in ein väterlich mahnendes Lächeln, das er seinen Jungs entgegenwirft — bloß nicht zu schnell anfangen, die Woche wird noch sehr lang.

Tizi N’Tichka

Prolog — 54 Kilometer

Die erste Tagesetappe schlägt bereits mit 54 Kilometern und mit 2400 Höhenmetern zu Buche, dennoch laufen die jungen Berber durch das ausgewaschene Flussbett der ersten 1000 Höhenmeter-Rampe mit einer Leichtigkeit, die mich an die Schilderungen in McDougalls “Born to Run” erinnert. Die Landschaft ähnelt der in den Star-Wars-Filmen — karge, braune Gebirgslandschaften erstrecken sich vor mir, dazwischen schimmern vereinzelt grüne Oasen. Ab und zu begegnet mir Obi-Wan Kenobi in braunem Gewand mit Kapuze, eine Ziege oder ein Schaf auf der Schulter tragend. Der Trail ist so wild wie seine Heimat. Den Großteil der Etappe laufen wir auf über 2000 Metern Höhe, was ich deutlich am Schnaufen meiner marokkanischen Begleiter vernehme. Nach den Erfahrungen beim UTAT (siehe Blogeintrag UTAT) bin ich dieses Jahr ausreichend akklimatisiert und kann besonders bergauf und während der technischen Abschnitte punkten. Die flachen Abschnitte gehören den Tarahumara. Die Versorgung während des Laufes ist minimal. An zwei bis drei Punkten wartet ein Geländewagen, und jeder Läufer erhält eine Flasche Wasser. Den Rest musst du im Rucksack haben!

Ausfall

Etappe Zwei fällt aus! Über Nacht hat es geregnet, Straßen weggespült und auf den Hochebenen geschneit. Infolgedessen erwartet uns eine siebenstündige Busfahrt auf schmalen Pisten, machmal näher am Abgrund als uns lieb ist. Als unser Konvoi die nächste Unterkunft erreicht, empfängt uns das Dorf mit einem Volksfest der besonderen Art: Am gefühlten Ende der Welt tanzt ein Dorf in traditionellem Gewand für uns und singt im Chor. Ich reihe mich in eine riesige Polonaise und wir tanzen durch die Nacht. Mohamad bemüht sich ausdrücklich um die Nähe zu den Einheimischen. So ist es uns Läufern gestattet, ja sogar gewünscht, Speisen und Getränke vor Ort zu kaufen, sowohl während des Rennens als auch danach.

Dritte Etappe — 42 Kilometer

Nach dem gemeinsamen Abendessen findet die Wettkampfbesprechung für die dritte Etappe statt und Mohamad bemerkt freundlich: “The time limit is 14 hours and if you can’t do it in 14 hours, we will wait for you at the finish line.” Eventuell gibt es nur einen Versorgungspunkt auf der heutigen Marathondistanz, da die Zugangsstraßen abermals weggespült wurden. Am nächsten Morgen sind die Beine der Berber-Jungs wieder frisch und wir schießen im gewohnten Eiltempo gen Sonnenaufgang durch das prächtigste Dorf des Hohen Atlas. Der Kerl vor mir ist hochmotiviert, so kürzen wir alle Serpentinen ab und hecheln bei maximalem Anstieg mit maximaler Herzfrequenz gen Himmel. Oben angekommen, bemerken wir schließlich, dass unsere Verfolger inzwischen abgebogen sind, da wir eine der Markierungen übersehen haben. Nach der dritten Irrfahrt übernehme ich fluchend die Führung und folge stur den Markierungen. Wenig später überholt uns Omar, ein heimischer Bergführer, der heute erstmals als Gast mitläuft. Dran bleiben, denke ich! Der kennt sich aus. Omar trabt seelenruhig vor mir her, schaltet allerdings in unregelmäßigen Abständen in den Sprintmodus, was mich an den Rand der Verzweiflung bringt. Seine Taktik funktioniert besser als erwartet, denn nach zwanzig Kilometern bricht er selbst ein und ich betrete die Südseite des Hohen Atlas in völliger Einsamkeit. In diesem Augenblick breitet sich vor mir der graue Dunst der unendlichen Sahara aus und ein warmer, trockener Wüstenwind weht mir auf 2800 Metern ins Gesicht. Den Sand in der Luft kann ich förmlich schmecken.

TAM 19

Die nächsten Stunden verbringe ich allein, nur Schafe, Ziegen und einzelne Hunde kreuzen meinen Weg. Erst wenige Kilometer vor dem Ziel erreiche ich eine grüne Oase und treffe auf Gesellschaft. Ein kleiner Junge hat mich erspäht und läuft zu mir heran. Er ist nicht älter als fünf Jahre. Wir begrüßen uns mit Handschlag und toben anschließend wie Geschwister über die felsigen Trails am Rande des grünen Idylls. “Wuaaaa” rufe ich jedes Mal ängstlich, wenn er neben mir von einem dieser schulterhohen Felsblöcken springt, da landet er bereits federleicht im Staub und lacht. Ich dagegen fühle mich wie ein träges Rhinozeros. Auf unglaublichen vier Kilometern albern wir herum und lassen die Fetzen fliegen, so dass der Zieleinlauf danach zur Formsache wird. Das breite Grinsen verharrt an diesem Abend noch lange in meinem Gesicht.

Die klaren Nächte im Hohen Atlas

Tighza-Wawrikt
Tighza-Wawrikt

Vierte Etappe — 40 Kilometer

Die ersten zwanzig Kilometer dieser Etappe verlaufen relativ flach, und ich bin bemüht, die führenden Marokkaner nicht aus den Augen zu verlieren. Beim ersten Verpflegungspunkt habe ich den Zweitplatzierten hinter mir gelassen und zum Führenden, zu Ali, aufgeschlossen. Wir nippen genüsslich süßen Minztee aus kleinen Gläsern, bevor wir gemeinsam in den längsten Anstieg des Tages traben. Ab diesem Punkt zolle ich dem hohen Anfangstempo Tribut und verbringe daraufhin den Rest der Etappe allein.

Hammam

Royal Stage — 66 Kilometer, 4500 Höhenmeter

Die Königsetappe macht ihrem Namen alle Ehre. Völlig ohne Markierungen verlassen wir uns am frühen Morgen erneut auf die Orientierung eines einheimischen Läufers. Erfreulicherweise haben wir wieder einen Berber-Läufer im Feld, der sich in dieser Region auskennt. Auch Basti Haag ist als zweiter deutscher Teilnehmer ganz vorn mit dabei. Etwas später erreiche ich mit Ali ein gigantisches Hochplateau, auf dessen Boden Werkzeuge ausgegraben wurden, die bis ins vierte Jahrtausend vor Christus zurückreichen. Die Stimmung ist gut und wir tauschen Datteln gegen geröstete Cashew-Nüsse vom Aldi. Wer jemals von Nomadenhunden angegriffen wurde, der weiß, solange die Köter bellen, ist alles in Ordnung. Falls ihr allerdings eine rotierende Staubwolke auf euch zu rasen seht, die sich in den Kurven beinahe überschlägt, dann ist Gefahr im Verzug. Völlig synchron schnappen sich Ali und ich Steine vom Boden und drehen uns um. Drei zerzauste Nomadenhunde rasen wie besessen auf uns zu. Ich werfe sofort und einer der Hunde jagt augenblicklich meinem Stein hinterher, die anderen Beiden gehen auf uns los. Im überschlagenen Rückzug werfen, laufen und werfen wir, bis die Hunde schließlich von uns ablassen — unseren Verfolgern viel Glück! Nach etwa vierzig Kilometern treffen wir auf eine Teerstraße und verpflegen uns kurz mit Wasser. Ab jetzt wirds lustig! Die Jungs von 2M TV filmen uns aus dem Geländewagen, die Einheimischen am Straßenrand klatschen und Ali dreht so richtig auf. An meiner Ehre gepackt, muss ich natürlich mithalten und klebe in brütender Hitze auf kochendem Asphalt wie eine Klette an Alis Ferse mit stetem Blick in die Kamera. Auf geschätzten fünf Kilometern brüllt mein Hirn: Langsamer du Idiot, da kommt noch mehr! Die folgenden Kilometer bezahle ich teuer. Die Sonne brennt auf mich herab, während Lahcen und Mohamad uns aus Geländewagen mit Wasserflaschen versorgen. Ich bilde mir ein, dass es jedes Mal zischt, wenn ich mir das Wasser geradewegs über den dampfenden Körper gieße. Das Gefühl, von einem der besten Läufer der Welt eine Flasche Wasser in die Hand gedrückt zu bekommen, ist unbeschreiblich. Der letzte 3200 Meter hohe Pass wird zur Qual. Ali gewinnt verdient mit zwei Minuten Vorsprung und ich bin mächtig stolz — was für ein Lauf!

Oukaïmeden
Oukaïmeden

Finale — 17 Kilometer

Die letze Etappe startet in Oukaïmeden auf über 2600 Metern. Dieses marokkanische Skigebiet kenne ich bereits vom vergangenen Jahr und kann mich noch gut an das beste Restaurant erinnern: Hotel Chez Juju! Am Morgen vor dem Lauf sitze ich mit Mike und Basti vor dampfendem Cappuccino in kolonialem französischen Ambiente. Für Basti geht es heute um das Podium … vermuten wir jedenfalls. Die Gesamtplatzierung ist nicht ganz offensichtlich, aber eins ist klar: Basti muss heute kämpfen! Die Berber-Jungs wissen das leider auch und so poltern beim ersten höllischen Downhill zunächst Basti und anschließend drei Marokkaner donnernd an mir vorbei, als ich genüsslich die Serpentinen auslaufe. Mohamad hat sich die besonders technischen Passagen für die letzten Kilometer aufgehoben und ich bin froh, alle verbliebenen Teilnehmer heil und glücklich in Imlil einlaufen zu sehen. Hier endet das Rennen und eine lange Reise geht damit zu Ende.

What a great journey we had together!

Ultra-Trail du Mont-Blanc 2013

© Judy Ng
© Judy Ng

Der Ultra-Trail du Mont-Blanc (UTMB) ist einer der anspruchsvollsten Trailläufe Europas und führt seine Teilnehmer auf einer 168 Kilometer langen Strecke mit 9600 Höhenmetern non-stop um das Dach Europas herum. Neben dem eigentlichen UTMB können sich die Teilnehmer für die kleinere aber nicht wesentlich zahmere Schwester, den Courmayeur – Champex – Chamonix (CCC), oder den Sur les Traces des Ducs de Savoie (TDS) registrieren.

Der Petite Trotte à Léon (PTL) zählt ebenfalls zur Serie der Läufe des UTMB, findet aber unter besonderen Rahmenbedingungen statt. Dieser Lauf startet bereits am Montagabend in Chamonix und endet sechs Tage später am gleichen Ort, dem Place Triangle de l’Amitié. Die Teilnehmer dieses Abenteuers finden sich in Zweier- und Dreierteams zusammen, bewegen sich in völliger Autonomie um den Mont-Blanc und “drehen zusätzlich noch eine Schleife durch ein anderes Gebirge”, formulierte der deutsche Teilnehmer Thomas Eller lässig. Von den 91 Teams befand sich dieses Jahr nur ein einziges deutsches Team auf diesem Parkour: “Les émeus rampants” (die schleichenden EMUs). Thomas Eller hat sich kurzfristig beim Frühstück am Montagmorgen im Deutschen Haus dazu entschlossen, das Team von Uwe Herrmann und Eric Türlings zu ergänzen. Die 288 Kilometer lange Strecke mit 25 000 Höhenmetern hat es in sich, so müssen die Teams selbstständig navigieren und werden nur an drei Labestationen versorgt. Sie passieren auf ihrem Weg nicht weniger als 33 Bergpässe und bewältigen schwere alpine Passagen bei Nacht und bei schlechtem Wetter. Bewusst wird bei dieser Kategorie auf eine Wertung verzichtet: Ankommen ist das Ziel!

Leider steht Thomas Eller zu unserer Überraschung am Mittwochmorgen völlig entkräftet, kalt und durchnässt in der Küche des Deutschen Hauses und berichtet den staunenden Gesichtern über die Strapazen der letzten Nacht, die das Team zur Aufgabe gezwungen haben. Das schlechte Wetter zu Beginn dieses Laufes setzte vielen Teams schwer zu und führte bereits in der ersten Nacht bei 12 Teams zur Aufgabe. Insgesamt konnten 43 Mannschaften den Lauf erfolgreich beenden, davon legten 31 die Gesamtdistanz zurück.

Als Tom, Bernie, Jan und Bei am Freitagmorgen bereits im Bus nach Courmayeur sitzen, schläft das Deutsche Haus noch tief. Später beim Frühstück verfolgen wir den Start des CCC per Ultratrail TV, dem online TV-Programm des UTMB. Der CCC führt seine Teilnehmer über 101 Kilometer und 6100 Höhenmeter von Courmayeur in Italien über Champex-Lac in der Schweiz nahezu vollständig auf der UTMB-Nordschleife nach Chamonix und bietet einen Vorgeschmack dessen, was der große Bruder an Herausforderungen bereithält. Direkt an der Startaufstellung kontrollieren Mitarbeiter der Organisation stichprobenartig die Ausrüstung einzelner Läufer. Extreme Wetterbedingungen und Notsituationen bei Trailläufen vergangener Jahre ließen die Pflichtausrüstung der Teilnehmer deutlich anwachsen und ziehen diese drastischen Konsequenzen nach sich. Der Start der 1901 Teilnehmer des CCC erfolgt in drei Gruppen zeitversetzt.

UTMB 2013CCC© The North Face¨ Ultra-Trail du Mont-Blanc¨ - Pascal Tournaire
UTMB 2013CCC© The North Face¨ Ultra-Trail du Mont-Blanc¨ – Pascal Tournaire

Während Tom am ersten Pass mit Schwindel kämpft, befinden sich Jan, Bernie und Bei unterdes weiter hinten im Feld und marschieren im Gänsemarsch den 1500m-Anstieg zum Tête de la Tronche hinauf. Jan fühlt sich dabei an seine Heimat erinnert: “Das ist wie in Polen vor 30 Jahren. Da standen diese langen Schlangen vor den Geschäften.” Champex Lac hingegen gleicht eher dem Rummel wie auf dem Oktoberfest: Während sich die Masse der Läufer inbrünstig an Speisen und Getränken labt und dabei halbe Kuchen verdrückt, liegen einige zitternd und röchelnd auf Bänken und Tischen. Bernie hat hier die Linzer Törtchen entdeckt, schlürft dazu ein Tässchen Kaffee und beobachtet das wilde Treiben im Zelt mit argwöhnischer Neugier. Unser Küchenchef Jan ist begeistert von der Verpflegung auf der Strecke: “Überall gab es Nudelsuppe, an den großen Stationen sogar warme Spaghetti; die habe ich natürlich gegessen. Und die Salami erst — großartig!” Erfahrungsgemäß kehrt Jan bei Wettkämpfen gemütlich auf Berghütten ein und ordert lokale Spezialitäten. Da er sich diese Zeit beim CCC sparen konnte, lief er diesmal prompt auf Platz Eins unserer internen Hauswertung.

Der Start vom großen Bruder gleicht einem Rock Festival der Superlative: Die Zuschauermassen schieben sich durch die viel zu engen Gassen von Chamonix, Fotoapparate klicken und Catherine Poletti tanzt berauscht vor der tobenden Menge, während die Stars der Szene mit großen Schritten einmarschieren. Die Stimmung im Feld ist elektrisiert. Alle sind sie heute hier versammelt: Julien Chorier, Miguel Heras, Tony Krupicka, Mike Wolfe, Sébastien Chaigneau, Nuria Picas und dann das gigantische Feld der 2500 Läufer. Alle vereint sie ein gemeinsames Ziel: Sie wollen um diesen weißen Riesen laufen, so schnell und kraftsparend wie möglich. Als sich schließlich das Feld zur Vangelis-Hymne in Bewegung setzt, blicke ich in zahlreiche feuchte Augen. Es sind diese Momente, die diesen Lauf unvergleichlich werden ließen.

Nach etwas vierzig Kilometern schaltet die Spitze des Feldes in Les Contamines ihre Stirnlampen ein und trabt in die Nacht. Durch die Startzeit am Nachmittag kommt beim UTMB auch die Spitze des Feldes in den Genuss durch die Nacht zu laufen. Unter leuchtendem Sternenhimmel zieht sich die schier endlose Lichterkette über die schwarze Berglandschaft und immer wieder stehen Menschen an der Strecke und klatschen. Vom Deutschen Haus laufen Axel, Gerald, Marius und auch Thomas den UTMB. Die Frauen von Axel und Gerald beobachten den Rennverlauf per Internet und sind beruhigt, als sie im LiveTrail-Tracking sehen, dass die beiden mit geringem Abstand durch die Nacht traben: “Die beiden laufen zusammen. Bin ich froh! Da schlafe ich ruhiger”, ist Geralds Frau erleichtert. Axel genießt indes die sternklare Nacht: “Auf einem Stück Teerstraße habe ich meine Stirnlampe ausgeschaltet, um den Sternhimmel zu betrachten — unglaublich diese Pracht!” An der Kontrollstation vor dem Col du Bonhomme sagten sie ihm: “Du ziehst jetzt deine lange Hose an, sonst lassen wir dich nicht weiter.” “Das war auch gut so”, meint Axel. “Dort oben hat der Wind gepfiffen, das kannst du dir nicht vorstellen! Bei Regen möchte ich diese Strecke nicht laufen müssen.” Gerald hingegen geht es in der ersten Nacht schlecht. Schon vor dem Lauf hatte er Magenprobleme und jeder erfahrene Läufer weiß: Magenprobleme können dich richtig aus der Bahn werfen. In Courmayeur ruft er seine Frau an. Er will ihr mitteilen, dass sie ihm mit dem Auto abholen soll. Sie hat allerdings das Telefon ausgeschaltet und schläft. Gerald läuft schließlich weiter.

Xavier THEVENARD
Xavier THEVENARD

Wer kannte schon vor diesem Rennen den 25-jährigen Xavier Thevenard? Vor drei Jahren gewann der Junge aus dem französischen Jura den CCC, der bis dahin sein dritter Ultratrail war. Dieses Jahr lief er zusammen mit den Weltklasse-Läufern Julien Chorier, Miguel Heras und Tony Krupicka an der Spitze des UTMB-Feldes. Nach etwa einhundert Kilometern konnte er sich am Grand Col Ferret von seinen Verfolgern absetzen, so dass diese ihn bis zum Ende des Rennens in Chamonix nie wieder einholten. Doch damit nicht genug. Thevenard lief in 20:34 Stunden eine neue Rekordzeit auf der Strecke. Tony Krupicka plagte seine hintere Oberschenkelmuskulatur und er schied in Trient aus.

Bei den Damen führte Núria Picas auf den ersten Kilometern das Rennen an und konnte sich etwas Vorsprung vor ihren Verfolgerinnen erarbeiten. Dieser Vorsprung wurde von Rory Bosio am Col du Bonhomme aufgeholt und Bosio führte fortan das Rennen bei den Frauen an. Sie lief den Lauf ihres Lebens, scherzte an Verpflegungsstationen mit den Helfern und pulverisierte den alten Streckenrekord von Krissy Moehl um fast zwei Stunden. Sie finishte in 22 Stunden und 37 Minuten und lag damit auf Rang Sieben der Gesamtwertung hinter Julien Chorier. Sie ist damit die erste Frau, die es beim UTMB unter die besten Zehn der Gesamtwertung geschafft hat.

Das Deutsche Haus feierte mit seinen vier UTMB-Teilnehmern vier glückliche Finisher. Gerald lief auf einen fabelhaften 258. Platz in Chamonix ins Ziel und Axel landete bei seiner UTMB-Premiere sogar auf dem Treppchen seiner Kategorie. Thomas und Marius wurden am Sonntagmorgen von Julia Böttger im Ziel empfangen und beglückwünscht.

Der UTMB versammelt jährlich die Elite der Szene und das nicht zuletzt durch das Punktesystem bei der Anmeldung. Eine Auswahl der Teilnehmer, die über die Höhe des Startgeldes geregelt wird, wurde hier bisher vermieden. Die Strecke ist ein landschaftliches Highlight, technisch nicht zu schwierig, nicht zu hoch gelegen und durch die vielen Höhenmeter eine beachtliche Herausforderung für jeden Teilnehmer. Wer die Atmosphäre vor Ort, die Professionalität der Organisation und Qualität dieser Veranstaltung in Chamonix erlebt hat, der wird verstehen, dass sich die Frage nach einer Weltmeisterschaft über 100 Meilen damit erübrigt.

Deutsches Haus – UTMB 2013

Deutsches Haus

Erstmals habe ich mit Judy dieses Jahr das Deutsche Haus in Chamonix organisiert und damit einen zentralen Treffpunkt für deutschsprachige Athleten und deren Freunde und Familien geschaffen. Die bunt gemischte Hausbesatzung aus Deutschen, Franzosen, einem Polen, einer Chinesin, einer Kanadierin und vier Bayern wohnte die gesamte Wettkampfwoche in Chamonix und bereitete sich bis zur letzten Minute gewissenhaft auf die Wettkämpfe vor. Neben gemeinsamen Läufen und Filmabenden standen eine Gletscherwanderung auf dem Mer de Glace und ein gemeinsamer Akklimatisierungsausflug auf die Aiguille du Midi (3842m) auf dem Programm.

Unter den Bewohnern waren Teilnehmer des CCC, PTL und UTMB vertreten, außerdem besuchten uns viele bekannte Gesichter aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. So konnten alte Hasen mit jungen Füchsen über Ernährung, Training und Wettkampfbekleidung fachsimpeln und dabei die eine oder andere neue Bekanntschaft schließen. Am Mittwochabend und am Donnerstagnachmittag lud das Haus offiziell zu Veranstaltungen ein: Der RacingThePlanet-Abend und die Patagonia Pasta Party waren ein voller Erfolg! Zusammen bereiteten wir Hausbewohner Berge von Pasta zu, dekorierten Käseplatten, backten leckeren Kuchen und bewirteten unsere Gäste mit deutschem Bier der Marke Erdinger Alkoholfrei. Küchenchef Jan war gänzlich in seinem Element und kochte wie in alten Zeiten, als er noch auf einer Berghütte als Koch gearbeitet hatte und das, obwohl er am nächsten Morgen beim CCC starten sollte. Aufgrund der zahlreichen Besuche platzte das Deutsche Haus schnell aus allen Nähten, doch dank Kaiserwetter wichen die Gäste in unseren Garten mit Mont-Blanc-Panorama aus. Im Laufe der Woche nahm die Zahl der roten Finisherwesten in den Gassen der Stadt stets zu und wir zählten am Ende allein sieben Stück im Haus. Wir freuen uns, einen Teil zum Erfolg dieses Abenteuers UTMB beigetragen zu haben. Bis ins nächste Jahr!



Weitere Berichte zum Haus findet ihr hier:


Herzlichen Dank für die Unterstützung durch:

Vom Pleisensigi

Sigi Gaugg © Judy Ng


Wenn du als Läufer in die Pleisenhütte im Karwendel kommst, fühlt sich das zunächst an wie in einer gewöhnlichen Berghütte: Du öffnest die schwere Holztür zum Gastraum, trittst in die warme Stube ein und plötzlich verstummt das Hintergrundmurmeln der Gäste, die hinter ihren Biergläsern hocken; fragende Blicke durchbohren dich und sie tuscheln leise: “Schau mal, wie der angezogen ist. Bei der Kälte da draußen trägt der kurze Hosen. Und die Schuhe erst!” So ergeht es mir sehr oft, wenn ich durch die Berge laufe. Als das Profil meiner Trailschuhe die Holzdielen des Gastraumes der Pleisenhütte berühren, steht sofort der Hüttenwirt Sigi mit einem Lächeln vor mir und begrüßt mich und meine Begleitung mit den Worten: “Servus Burschen, ihr seht aber sportlich aus. Wie lange habt ihr für den Aufstieg zur Hütte gebraucht?”

Pleisenhütte © Thomas Bohne

Sigi Gaugg ist seit 1992 Hüttenwirt auf der Pleisenhütte und läuft selbst gern auf den heimischen Trails durch das Karwendel. Dieses Jahr hatte er sich zum Salomon Zugspitz Ultratrail angemeldet. “Ich wollte mich mal richtig auspowern”, sagt er. “Außerdem ist es ganz praktisch, wenn du die Verpflegung auf einer so langen Strecke nicht mitnehmen musst, du bist dann viel leichter”. Als Hüttenwirt bleibt ihm für sein Training allerdings nicht viel Zeit, denn besonders an schönen Tagen besuchen viele Wanderer und Mountainbiker die Pleisenhütte im Karwendel. Den Großteil der Trainingszeit verbringt er deshalb auf Tourenskiern im Winter. Im Sommer kann er die Hütte mit seinem Geländewagen beliefern, doch im Winter muss er alle Nahrungsmittel aus eigener Kraft auf die 1757m hoch gelegene Hütte befördern. Dazu schnappt er sich mehrmals pro Woche eine großen Rucksack, schnallt seine Skier unter die Stiefel und geht bei Wind und Wetter hinauf zur Hütte.

Pleisenhütte 3

Eine unglaubliche Anstrengung hatte bereits sein Vater Toni Gaugg auf sich genommen als er die Hütte errichtete. Während seiner fünfjährigen Kriegsgefangenschaft in Russland schwor er sich, eine Hütte auf seinem Lieblingsberg – dem Pleisen – zu bauen, sollte er den Zweiten Weltkrieg und die Gefangenschaft überleben. Im Jahre 1953 erhielt er die Genehmigung zum Bau, jedoch glaubte niemand ernsthaft daran, dass er diesen Bau fertigstellen könnte. Damals gab es noch keine Forststraße, somit er trug alle Baumaterialien, die er nicht auf dem Berg fand, aus eigener Kraft hinauf zum Bauplatz der Hütte. Noch im selben Jahr verwirklichte er sich seinen Traum. Heute bewirtschaftet sein Sohn Sigi die Hütte und führt diese ganz im Stile seines Vaters.

Toni-Gaugg-Weg © Thomas Bohne

Für die 6.5 Kilometer lange Strecke vom Parkplatz in Scharnitz bis zur Pleisenhütte benötigt ein Trail Runner eine reichliche Stunde. Der Aufstieg ist also auch noch nach dem Feierabend möglich. Die Hütte bietet 39 Lagerplätze, gute lokale Küche und urige Stimmung bei Kerzenschein. Besonders zu empfehlen ist der Haselnussschnaps. Von der Hütte kann man die Pleisenspitze auf 2569m über einen leichten Wanderweg erreichen. Besonders erfahrene und alpin versierte Trail Runner können über den Toni-Gaugg-Weg zum Karwendelhaus steigen und dann über die Forststraße zurück zum Parkplatz in Scharnitz laufen. Diese Tour wurde bereits vor 25 Jahren von einheimischen Läufern zurückgelegt und zeigt, dass technisch anspruchsvolles Trail Running keine Erfindung des 21. Jahrhunderts ist.


© OpenStreetMap contributors

Zu Gast im Land von Dschingis Khan

Gobi March



Sie sagen, man riecht sie von weitem, sogar bevor der Donner ihrer Hufe zu hören ist. Dann ist es sowieso zu spät. Binnen Sekunden kamen die ersten, mörderischen Schwälle von Pfeilen, verdunkelten die Sonne und kehrten den Tag zur Nacht. Dann waren sie unter ihnen — schlachtend, vergewaltigend, plündernd und brandschatzend. Wie geschmolzene Lava zerstörten sie alles auf ihrem Weg. Sie hinterließen einen Pfad rauchender Städte und weißer Knochen, der bis in ihre Heimat nach Zentralasien führte. “Die Soldaten des Antichristen sind gekommen, um die letzte schreckliche Ernte einzufahren”, so bezeichnete ein Gelehrter aus dem 13. Jahrhunderts die mongolischen Horden.

— Peter Hopkirk, Foreign Devils on the Silk Road

Nomad @ Sayram Lake
Nomad @ Sayram Lake

Im 13. Jahrhundert trieb Dschingis Khan seine Horden in Richtung Süden durch die Wüste Gobi und eroberte große Teile Chinas. Nach seinem Tod zerfiel sein Großreich und der Islam hielt Einzug im Westen Chinas, der heutigen Provinz Xinjiang. Noch heute leben in dem Bezirk Bortala mongolische Nomaden, denn sie haben gelernt, dem rauen Klima und den beißenden Winden dieser Region zu widerstehen.

RacingThePlanet hat sich für die zehnte Austragung des Gobi Marches für einen besonderen Ort entschieden: die ehemaligen Schlachtfelder von Dschingis Khan. Der autonome Bezirk Bortala befindet sich im äußersten Nordwesten der chinesischen Provinz Xinjiang und ist umschlossen von Tien-Shan, ein Hochgebirge, das bis auf 7439 Meter reicht.

Bereits die Anreise aus Deutschland ist ein Abenteuer: München (1.4 Mio Einwohner) – Peking (20 Mio) – Urumqi (3.2 Mio) – Bole (0.25 Mio). Auf dem Flug von Urumqi nach Bole sitze ich mit dem Briten Ross in einer kleinen Maschine voller Chinesen; wir sind die einzigen Ausländer und schmunzeln leicht, als ein Chinese schwankend im Gang steht und lebhaft mit einem anderen Passagier diskutiert, als das Flugzeug abhebt. Ein junger Flugbegleiter sitzt mit schüchternem Blick auf seinem Klappsitz und gestikuliert wild mit den Armen umher, traut sich aber nicht den Ton zu ergreifen und den Passagier auf seinen Sitzplatz zu verweisen. Irgendwo hinter uns raucht ein Passagier Zigaretten – egal, denke ich und blicke aus dem winzigen Bullauge in die weite Landschaft am Rande Chinas. Letzte Sonnenstrahlen durchbrechen die grauen Wolken und in feinen Schleiern fällt Regen zu Boden.

Bole (Bortala) Stadt gleicht einer typischen chinesischen Retortenstadt aus einem Meer von Plattenbauten; sie beheimatet mehr als die Hälfte der Einwohner des Bezirks Bortala. In den Straßen registriere ich chinesische Zeichen ebenso wie arabische Schriftzüge, viel augenscheinlicher wird der islamische Einfluss jedoch auf dem lokalen Nachtmarkt. Unter freiem Himmel brutzeln die Lamm- und Rindfleischspieße über der glimmenden Holzkohle und verbreiten dabei einen Duft, der einem das Wasser im Munde zusammenlaufen lässt. Während die Rauchschwaden über unseren Tisch ziehen, füllt sich dieser wie von selbst mit lokalen Spezialitäten: gegrillte Pilzspieße, geröstete Bohnen mit Chili, ein Berg Nudeln mit gekochtem Hühnchenfleisch, Erdnüsse, Shish Kebabs und gegrillter Fisch. Die Uyguren am Nachbartisch sind von unserer Anwesenheit überrascht; wahrscheinlich haben sie nie zuvor Europäer gesehen, denn nach Bole verirren sich nur sehr wenige europäische Touristen.

Erneut bin ich mit dem Team von RacingThePlanet in eine der entlegensten Regionen unseres Planeten gereist, um für 150 Läufer aus 29 Ländern eine 250 Kilometer lange Strecke vorzubereiten. Diese Strecke werden die Läufer in sechs Etappen und sieben Tagen zurücklegen und dabei unvergessliche Eindrücke sammeln.

Die erste Etappe führt die Athleten durch das Koytas-Tal, ein riesiges Gebiet geheimnisvoller Steinformationen nordöstlich von Bole. Noch vor Sonnenaufgang mache ich mich auf den Weg und laufe die erste Etappe. Im Schein meiner Stirnlampe taste ich mich durch die Dämmerung und kontrolliere dabei die Streckenmarkierungen. Die ersten Kilometer führen mich durch trockene, steinige Flussbetten. Zu beiden Seiten türmen sich braune Felsen, die im ersten Sonnenlicht rötlich schimmern. Noch nie in meinem Leben habe ich so viele Schafe auf einmal gesehen wie in dieser Region. Des Öfteren klettert eine ganze Schafherde durch die steilen Felsformationen und plärrt anschließend lauthals zu mir herab. Kurz vor einer Nomadenhütte empfangen mich drei zerzauste Hunde, Zähne fletschend und knurrend. Taktisch klug umzingeln sie mich von mehreren Seiten und rücken auf, je mehr ich mich der Hütte nähere. Meine Schritte verlangsamen sich. An Rückzug ist nicht zu denken, denn hinter mir kommen schließlich bald die Läufer. Laut rufe ich in Richtung des Hauses und hoffe, dass meine Schreie bis in die Hütte vordringen. Als sich die knarrende Holztür öffnet, atme ich auf. Eine junge Frau tritt heraus und pfeift die Hunde energisch zurück. Kurz darauf sitze ich mit der Nomadenfamilie am warmen Ofen, beobachte wie die Frau den Teig für das Frühstück knetet und neben mir dösen friedlich die Hunde.

Im Gegensatz zu vorherigen Austragungen ist der diesjährige Gobi March kein Wüstenlauf, vielmehr führt die Strecke über grüne Wiesen und durch blühende Gebirgslandschaften. Der Schweizer Athlet Roberto fühlt sich prompt an seine Heimat erinnert, nur die Kamele wirken etwas befremdlich.

Die fünfte Etappe ist bei den 4Deserts-Läufen bekannt unter der Bezeichnung: “The Long March”. Diese über 70 Kilometer lange Etappe ist für viele Teilnehmer mehr als eine eintägige Herausforderung. Bereits bei der Streckenmarkierung heult der Wind bedrohlich in meinen Ohren. Es sind weit und breit keine Gebäude, Tiere oder Menschen Spuren erkennbar. Ich bin tief im Tien-Shan Gebirge angekommen. Einige der Läufer werden diesen Abschnitt bei Nacht bewältigen müssen, denke ich. Auf etwa 2700 Metern begegnet mir ein dunkler Reiter, er ist Mongole. Als er näher kommt, begrüßen wir uns freundlich, betrachten uns neugierig und ziehen dann unseres Weges – ich stecke weiter kleine pinkfarbene Fähnchen, er reitet davon. Wie überleben diese Menschen in dieser rauen Umgebung?

Als Trail-Läufer erlebt man viele wunderbare Momente, jedoch gibt es diese ganz besonderen Augenblicke im Leben, die sich ewig in das Gedächtnis brennen. Als ich mich schniefend über den zweiten hohen Pass schiebe, erblicke ich einen gigantischen azurblauen See, zu dessen Ufern sich farbenfroh blühende Blumenwiesen ausbreiten. Eingerahmt von schneebedeckten Bergen liegt er ruhig und schweigsam vor mir. Die Wucht und Kraft dieses Anblicks muss wohl auch Dschingis Khan beeindruckt haben, denn sein Denkmal steht noch heute am Ufer. Der Sayram See liegt auf 2073 Metern und wird als “Perle der Seidenstraße” bezeichnet. Sayram bedeutet in kasachischer Sprache “Segen”.

Am darauffolgenden Tag ist der See alles andere als ein Segen für die Läufer. Wir sitzen in unseren Geländewagen als der Regen bedrohlich laut gegen die Karossen peitscht. Die Fenster sind geschlossen, was die Fahrer nicht davon abhält im Fahrzeug zu rauchen. Draußen spielen sich apokalyptische Szenen ab. Durchziehende schwarze Wolken bringen Regen und Hagel im Minutentakt. Unsere Zelte halten den eisigen Böen nicht stand und klappen wie Kartenhäuser in sich zusammen. Nur die ersten neun Läufer erreichen das Ziel am Ufer des Sayram Sees und werden von den Helfern mit Decken und heißem Wasser empfangen. Der Rest des Feldes wird angehalten, in Busse und Fahrzeuge verladen und zu einer nahegelegenen Jurtensiedlung befördert. Die roten Teppiche in den Jurten sind klamm, meine Bekleidung ist nass. In der darauffolgenden Nacht fallen die Temperaturen unter den Gefrierpunkt und Eiskristalle glitzern im Lichtkegel meiner Stirnlampe.

Sayram Lake

Am siebten Tag präsentiert sich die azurblaue Perle erneut in ihrer ganzen Pracht. Das Spiegelbild der schneebedeckten Berge liegt ruhig im Wasser. Auch nach über 200 Kilometern in den Beinen bewegen sich die Teilnehmer des zehnten Gobi Marches mit einem Grinsen durch die gelben und blauen Blüten der Seeufer als seien es ihre ersten Schritte – das Panorama und die Stimmung sind gigantisch.