Parc national des Ecrins

24-27/08/2009 La Berarde

Die Reise führt uns zunächst durch Valloire und den Col du Galibier, eine der höchsten Passstraßen in den Alpen und damit ein Paradies für Radfahrer. Leider ist Valloire touristisch vollständig erschlossen und unsere Suche nach einer Wanderkarte für Wanderungen über 30 Minuten erweist sich als zeitaufwändig. Leicht frustriert reihen wir uns in die Karawane der Wohnwagen ein und suchen Zuflucht in La Berarde. Bereits die Zufahrt ist beeindruckend, die Stille, die Abgeschiedenheit dieses kleinen Domizils für Bergsportler lässt unsere Augen im Sonnenuntergang erstrahlen.

Die Hütte des französischen Alpenvereins bietet jeden wünschenswerten Komfort bei alpinem Charme in Kombination mit französischer Küche. Die erste Tour führt uns zur Refuge Promontoire (3082m) am Fuße der La Meije, dem schwierigsten Nicht-Viertausender der Alpen. Aufgrund fehlender Ausrüstung/Erfahrung beenden wir unsere Besteigung hier. Die spektakulär gelegene Hütte wird von einem jungen Paar mit zwei Kindern (4-6 Jahre) bewirtschaftet, die prompt nach unserer Ankunft eine Klettertour starten. Ich staune und bin begeistert!

Am darauf folgenden Tag starten wir den nächsten Versuch einen Gipfel zu besteigen und erreichen nach ca. 1,5h die Refuge de Temple Ecrins. Im Écrins-Massiv befindet sich der höchste Gipfel dieses Gebietes, die Barre des Écrins mit 4102m. Das Wetter bleibt instabil, wir entscheiden uns für einen Aufstieg über den Gletscher zum Col des Ecrins, einem Pass auf 3321m. Der Weg ist auf unserer Karte nicht verzeichnet, nur sporadisch auftretende Steinmandl (Cairns) markieren den richtigen Pfad. Der Aufstieg ist sagenhaft, mit jedem Atemzug strömt ein Gefühl von Freiheit durch unsere Körper. Ein eisiger Wind sowie ein faszinierender Ausblick auf das Massiv L’Ailefroide erwarten uns am höchsten Punkt. Für den Abstieg wählen wir eine eigene Variante und umgehen den Gletscher. Die Refuge wirkt kalt und wir sind die einzigen Gäste, deshalb steigen bis nach La Berarde ab und treffen um 1930 Uhr, etwas verspätet, aber noch rechtzeitig, zum Abendessen ein.

Am 26. August, zwei Tage vor dem Lauf, dient der Klettersteig Le Perron als Alternative zum Athletiktraining. Nach den Regengüssen der Nacht ist die Felswand feucht und rutschig, der Klettersteig aber trotzdem relativ einfach und unspektakulär. Bereits nach 1,5h erreiche ich den Ausstieg. Im nahe liegenden Les Deux Alpes plündere ich den Supermarkt und kaufe frisches Obst und Gemüse. Der Ort ist von zahlreichen Seilbahnen umgeben und bietet ein groteskes Stadtbild für Besucher. Downhill Bikes mit vermummten Fahrern fliegen an mir vorbei, nachdem sie über die kahlen Hänge den Berg herauf gezerrt wurden. Auf dem Rückweg scheucht ein Lehrer seine Schüler den Weg unterhalb der Seilbahn herauf; das erscheint mir annähernd so motivierend, wie eine Wanderung auf der Autobahn. Anders als Österreich, das einen gemäßigten und vergleichsweise ökologischen Tourismus betreibt, verfolgt Frankreich die Methode “Alles oder nichts”.

Thomas Bohne

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