About Thomas Bohne

Thomas is a German Trail Runner, Course Director for Ultra-Trail Races and a Journalist.

Der 40-Stunden-Tag

Nach fast 2 Jahren Abstinenz bin ich endlich wieder bei einem Ultra-Trail unterwegs und dann gleich ein 100-Meiler in der Schweiz — das nur spannend werden.

Das kleine, verschlafene Schweizer Dorf Grächen liegt in sicherer Entfernung, etwa 20 Kilometer vor der Touristenhochburg Zermatt. Statt Hotelburgen ragen hier mit Geranien geschmückte Walserhäuser empor und viel weniger Touristen verirren sich in das Bergdorf. Grächen ist Start und Ziel für die Ultra Tour Monte Rosa (UTMR) – die Trainingsrunde von Lizzy Hawker. Diese Runde diente Lizzy viele Jahre als Vorbereitung für den berühmten großen Bruder, den Ultra-Trail du Mont-Blanc (UTMB).

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Mit 170 Kilometern und 11.300 Höhenmetern erscheint die Runde auf den ersten Blick unwesentlich anspruchsvoller als der große Bruder. Auf unserer sechsstündigen Hinfahrt fragt meine Frau Judy: “Was meinst du, wie lang brauchst du?” Ich überschlage kurz im Kopf: “Ich bin in mäßiger Form, beim UTMB bedeutet das ca. 27-28 Stunden, also brauche ich voraussichtlich 30 Stunden.” Judy meint: “Thomas, das ist der aktuelle Streckenrekord. Ich glaube, so schnell bist du nicht.” Könnte etwas länger dauern, denke ich.

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Grächen ist ein wunderbarer kleiner Ferienort mit wenigen Besuchern im Vergleich zum nahegelegenen Zermatt

Mit hängenden Schultern stehe ich im Ortskern von Grächen. Links am Arm baumelt die Reisetasche, rechts der Laufrucksack. Neben uns ein kleiner Brunnen, davor steht ein Festzelt auf grüner Wiese. So kenne ich das von Dorffesten in meinem Leipziger Heimatdorf. In einer Turnhalle ist Ausrüstungskontrolle. Hier treffe ich Daniel Heideck, der sich gerade auf dem Tor des Geants vorbereitet und beim UTMR aushilft. Die Kontrolle der Pflichtausrüstung wird nicht ohne Grund penibel genau genommen. In den Bergen werden kleine Fehler hart bestraft.

Folgende Pflichtausrüstung steht auf der Liste:

  • Mobiltelefon
  • Zwei Stirnlampen mit jeweils Ersatzbatterien
  • Trinkflasche oder -blase mit mindestens 1.5 Litern Kapazität
  • Notration in verschlossener Ziplock-Tüte mit mind. 400kCal
  • Notfallsack (keine Notfalldecke)
  • Pfeife
  • Elastische Haftbandage (1m x 6cm)
  • Atmungsaktive, wasserdichte Jacke mit Membran (10.000mm Schmerber)
  • Wasserdichte Hose
  • Warme langärmelige Top-Schicht
  • Mindestens knielange Laufhosen
  • Warme Mütze
  • Handschuhe
  • GPS-Tracker
  • Ausweis

Da das Wetter in den nächsten Tagen umschlagen soll, packe ich die Winterausrüstung ein, in mehrfacher Ausfertigung versteht sich. In den Höhenlagen sind Temperaturen unter 0 Grad und in den Tälern über 30 Grad keine Überraschung. Kommt dann noch etwas Wind und Niederschlag hinzu, werden die Bedingungen schnell lebensfeindlich.

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Der Ausblick entschädigt dafür, dass wir auf einem anderen Berg wohnen

Lebensfeindlich sind auch die Schweizer Preise, jedoch fördern sie unsere Kreativität bei der Logistik. Das günstigste AirBnB liegt 30 Kilometer entfernt, dazu fahren wir gefühlt endlos Serpentinen auf einen anderen Berg. Judy hat irgendwann genervt aufgehört die Kehren zu zählen. Gegen 22 Uhr stehen wir vor einem dunklen Haus. Start des Rennens ist gegen 4 Uhr. Drei Stunden Schlaf müssen ausreichen.

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Schweizer Hütten im Walser-Stil

Um 4 Uhr stehe ich mit weiteren 146 Läufern unter Sternenhimmel auf dem Dorfplatz von Grächen. Es ist still, kein Vangelis, keine Zuschauer, nur die Sterne leuchten. Bloß keinen wecken, müssen sich die Organisatoren wohl denken. Dann trabt das Feld los wie eine Schafherde ins Verderben. Ich hänge mich an meinen Lauffreund Axel und wir lassen es locker angehen. Einen 100-Meilen-Lauf gewinnst du nicht auf den ersten 50 Kilometern.

Wir laufen ins Tal, dort werden wir fehlgeleitet. Scheinbar weiß der Rest, wo es langgeht und läuft auf der anderen Flussseite an uns vorbei. Jetzt sind’s 172 Kilometer — Rundungsfehler, denke ich.

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Die Europabrücke – die alte Brücke liegt unterhalb zerschellt im Geröll

Im Morgengrauen wird es etwas wärmer und wir traben auf den ersten Sonnenstrahlen über den Europatrail durch das Mattertal. Nach einer Europabrücke steht neben uns im Wald ein Steinbock — wir halten kurz inne. Das Matterhorn lugt um die Ecke und ein Panorama auf die umliegenden Viertausender baut sich auf. In Zermatt ist die Verpflegungsstation auf einem Parkplatz. Das ist zwar nicht sehr romantisch, dafür versichert mir die Oma am Verpflegungspunkt, dass die Suppe hausgemacht ist. Ich bin noch im Genießermodus unterwegs.

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Die Verpflegungsstation in Zermatt ist etwas nüchtern gestaltet – hier das Zelt mit den Versorgungssäcken

Nach Zermatt steigen wir hinauf zum Theodul-Pass und hinüber auf die Italienische Seite, das heißt über den Gletscher rauf auf 3300 Meter. Der Gletscher ist unspektakulär. Die Snowboarder, die mir auf Blankeis entgegen schaben, tun mir leid. Spannender ist der Schneeregen, der mir ins Gesicht peitscht. Ich könnte jetzt Klamotten wechseln, doch meine Verfolger treiben mich und sie nerven, also durchhalten. Es hat auch nur 50 Kilometer gedauert, bis ich im Rennmodus angelangt bin.

Hinter dem Pass liegt der Lago Cime Bianche, der sieht aus wie ein Speichersee für Schneekanonen. Eine Mondlandschaft mit Stahlskulpturen tut sich auf. Die Kälte setzt der kleinen Japanerin vor mir zu. Ich agiler Laufstil geht allmählich in den Robotermodus über. Gleich bleibt sie stehen, denke ich. Mit zwei anderen Läufern erklimme ich den nächsten Pass. Beim Abstieg schüttet es wie aus aus Eimern, das “Tap Tap” der Schuhe wird zum “Patsch Patsch” und die Kuhfladen lösen sich in den Pfützen auf. Auf der Wiese vor mir sitzt ein Fotograf wie ein Frosch im Feuchtbiotop. Vor ihm werfe ich meinen Rucksack ins Gras und mir die Regenjacke über. Mit jedem Schritt schmatzen meine Socken und die Steine sind jetzt wie mit Öl bestrichen. Ein falscher Schritt das wars.

Das Rifugio Ferraro dampft wie eine Sauna. Innen ist es brütend warm, zwei asiatische Läuferinnen fragen mich, ob ich ein Taxi mit ihnen teile. Ich erwidere: “Nein, ich wollte den Rest auch noch laufen.” Sie sind raus und müssen jetzt selbst sehen, wie sie von Italien zurück in die Schweiz kommen.

Bis nach Gressoney sollten es jetzt nur elf Kilometer sein, doch die Etappe scheint endlos. Hinter jeder Kuppe, erhebt sich die nächste. Es ist einsam und wild hier oben, die Landschaft im Grau. Gressoney präsentiert sich trostlos und verschlafen, ganz anders als beim Tor des Geants. Mein Magen rebelliert, das nasskalte Wetter und die kalten Getränke bekommen ihm nicht. Ich muss kurz pausieren, bestelle Nudeln mit Parmesan. Als ich nach Tomatensoße frage, schauen mich die Helfer verdutzt an: Tomatensoße gibt es nicht. Es staubt im Mund vor Trockenheit. Als ich nach warmem Tee frage, wird Tee gekocht, einzeln und in Tassen. Jetzt fehlt der Trichter, um ihn in meine Flaschen zu füllen. Ich bemühe mich nicht die Stirn zu runzeln und gehe einfach, sie meinen es ja alle nur gut.

Der nächste Anstieg wird lang und zach. Mein Magen dreht sich im Kreis, mir fehlt die Energie und mit zunehmender Höhe wird mir schwindelig. Über mir leuchten wieder die Sterne, hinter mir die Stirnlampen der Verfolger. Oben treffe ich Daniel wieder. Mir geht es elend. Daniel muntert mich auf und ich beschließe, langsam ins Tal zu traben, um dort zu pausieren. Im Kopf habe ich Rennen beendet, jetzt zählt Ankommen. Den UTMB habe ich in so einer Situation mal abgebrochen, das war Quatsch. Pause hilft. Der Abstieg geht schnell, unterwegs laufe ich durch das kleine Bergdorf Alagna Valsesia mit seinen bezaubernden und puristischen Häusern im Walserstil. Hier möchte ich bleiben. Die Holzhäuser passen sich perfekt in die Umgebung ein. Um die Körperwärme der Tiere zu nutzen, leben beide unter demselben Dach.

Ich plane ganze zwei Stunden Schlaf, als ich die Tür zum warmen Checkpoint in Alagna aufschiebe. Die Helferin fragt mich direkt: “Wie lange magst du schlafen, 20 Minuten?” Um mir hier nicht als Langschläfer die Blöße zu geben, antworte ich demütig: “30 Minuten?” Ich schlürfe genüsslich die Tomatensoße von meinem Teller Nudeln, lege mich auf eine der weiß bezogenen Liegen und schließe die Augen.

Nach knappen 30 Minuten trabe ich erneut in die Nacht. Auf den nächsten 20 Kilometern erwarten mich 1700 Höhenmeter im Auf- und Abstieg ohne Verpflegung — wahrscheinlich die schwerste Etappe der Tour. Ein Geröllhaufen schlängelt sich hinauf zum Turlopass – die Walser nennen das historische Straße. Plötzlich taucht vor mir eine Sternenwolke auf. Ich glaube, mich verlässt nun endgültig die Vernunft. Als sich die Wolke bewegt, stellt sich heraus, dass die vermeintlichen Sterne die funkelnden Augen einer Kuhherde sind, die auf dem Weg liegt. Leise stapfe ich durch die schlafenden Rindviecher, um diese nicht auch noch zu wecken. Der Bulle hat mich längst bemerkt, hält aber Sicherheitsabstand. Oben am Turlopass setze ich mich auf einen nassen Stein und starre für einige Minuten in der Dunkelheit auf die nassen Felsen. Gefühlt bin ich über den Berg, jetzt muss ich nur noch ins Ziel kommen.

Der Abstieg ist der Horror und ich verfluche die Walser erneut. Der Walser Geröllhaufen schlängelt den Berg hinunter. Unmöglich, dass hier ein Karren fahren könnte, selbst mir Crossbike wäre das ein Himmelfahrtskommando. Meine Füße ächzen, die Steine drücken mir Blasen in malträtierten Füße. Endlose Kehren führen mich ins Tal. Der kleine Checkpoint bei Quarazza ist kaum der Rede wert, gute Verpflegung gibt es hier nicht. Ich bekomme ein Pflaster und klebe es provisorisch über eine geplatzte Blase. Im Schuh wabert mittlerweile ein Gemisch aus Blut und Schlamm zwischen den Zehen.

Macugnaga

Im Dorfzentrum von Macugnaga erblicke ich Judy und freue ich mich wie eine Kind. Sie ist über Nacht über den Simplonpass nach Italien gefahren, sich die Nacht um die Ohren geschlagen und hilft mir bei der Wundversorgung. Es ist jetzt Tag und die Sonne scheint wieder.

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Im warmen Sonnenlicht geht’s die nächsten 1500 Höhenmeter rauf

Mit etwas Pause, gutem Essen und Motivation mache ich mich an die nächsten 1500 Höhenmeter zum Monte Moro Pass. Mit der Sonne kommt die Kraft und die Mädels am Checkpoint höre ich bereits auf halber Höhe kreischen. Die Hütte ist bestens ausgestattet und die Läufer werden mit Leckerbissen und Motivation überschwemmt. So ungefähr kann man sich die Checkpoints beim TDG vorstellen. Vorbei geht es an der übergroßen goldenen Maria hinunter zum Mattmark-Stausee in Richtung Saas Fee. Der Weg nach Saas Fee ist schmerzhaft und lang. Mittlerweile zwickt jeder Schritt und diese scheinen mich Saas Fee nur sehr langsam näher zu bringen.

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Hübsch und teuer – Saas Fee mit dem Blick auf die schmelzenden Gletscher

Zielsprint

Die Strecke von Saas Fee bis Grächen wirkt mit seinen knapp 20 Kilometern fast wie ein Zielsprint. Den Verpflegungspunkt Hannigalp unterschlage ich hier frech. Der Pfad schlängelt sich mehrere Hundert Meter oberhalb des Talbodens eng entlang steiler Berghänge. Da ich diese Etappe bei Dämmerung absolviere, sehe ich zwar in den Abgrund, allerdings sehe ich auch den Pfad. Bei Nacht ist dieser Abschnitt durchaus spannend, jeder falsche Schritt kann hier den Sturzflug einleiten. Auf dem Gaskocher zweier Wegarbeiter brodelt Käsefondue, der Duft steigt mir in die Nase und freue mich, in der Schweiz zu sein. Das Ziel ist nah und die schwächelnden Athleten vor mir steigern meine Motivation. Auf den letzten Metern gebe ich Gas, kassiere noch ein paar Konkurrenten und laufe trotte ins Ziel. Danke Lizzy, das war ein gutes Training.

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Einmal quer durch die Pfunderer Berge und zurück

Der Pfunderer Höhenweg ist ein hochalpiner Wanderweg von Sterzing nach Bruneck, der von erfahrenen Trail-Läufern an einem Wochenende bewältigt werden kann. Mein Plan ist, den Trail in zwei Etappen zu laufen und anschließend mit dem Radl zurück zum Ausgangspunkt zu fahren.

Vor etwa fünf Jahren war ich schon einmal mit meinem Freund Denis auf dem Pfunderer Höhenweg unterwegs. Damals hatten wir uns allerdings nach halber Strecke zum Abstieg entschieden. Diesmal wollte ich den Weg komplett allein und ohne Unterstützung laufen — die Versorgung auf der Edelrauthütte mal ausgenommen. Um von Bruneck wieder zurück nach Sterzing zu gelangen, hatte ich am Vorabend in St. Georgen mein Rad deponiert, mit dem ich am zweiten Tag der Tour wieder zum Ausgangspunkt zurückfahren wollte — so der Plan.

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Der Blick vom “goldenen Sattel” – eintauchen in die Pfunderer Berge

1. Etappe

Ausgangspunkt der Tour ist Freienfeld (Campo di Trens), ein kleiner Ort nahe Sterzing mit einem kleinen Frischwasserbrunnen im Ortszentrum. Genau dort waren wir vor bereits vor zwei Jahren zum ersten Anlauf gestartet. Gleich zu Beginn erwartet mich eine 1000 Meter Rampe, die am Ende mit einem traumhaften Blick über einen goldgelben Bergrücken belohnt wird. Auf den letzten Metern lief ich im zackigen Schritt hinter einer Bergbäuerin, die mich oben ansah und fragte: “Hascht du ein Flieger dabei?” und damit auf meinen Rucksack deutete. Klasse, dachte ich, haste diesmal bissl mehr eingepackt und gleich siehst du aus, als ob du einen Gleitschirm durch die Berge schleppst.

Da ich allein unterwegs bin und der Weg recht ausgesetzt und die Strecke einsam ist, wollte ich für alle Fälle gewappnet sein. Das steckt im Rucksack:

Ein schmaler und bewachsener Hirtensteig führt mich hinüber zum Grat und kurz darauf steil hinunter zur Simile-Mahd-Alm — oft das erste Tagesziel für Wanderer des Pfunderer Höhenweges. Anschließend geht es hinauf Sengesjöchl, hinter dem ein blauer Bergsee liegt – die Bezeichnung ‘Wilder See’ trifft es hier nicht ganz, denn am anderen Ufer kreischt eine Horde Italiener und ruft mich zurück in die Zivilisation.

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Ein Pfad aus Schieferschutt zieht sich von nun an steil hinauf zum Rauhtaljoch. Die bunten Gruppen Wanderer linker Hand deuten an, dass sich hier mit der Kreuzspitze ein beliebter Wandergipfel befindet. Den Gipfel lasse ich dankend liegen, denn der Tag sollte noch lang werden. Das Schneefeld hinter dem Rauhtaljoch war in diesem Jahr bereits ordentlich abgeschmolzen. Über den Schotter- und später Wiesenpfad erreiche ich in wenigen Minuten die Brixner Hütte.

Direkt vor der Brixner Hütte steht ein Wegweiser, der einladend die Distanz zur Edelrauthütte quantifziert: Ganze 9 Stunden veranschlagen Wanderer für diesen Abschnitt. Auch für Trail-Läufer ist dieser Abschnitt fordernd und verlangt Aufmerksamkeit und viel Geduld. Voller Erwartungen stapfe ich hinauf zur ersten Scharte: der Steinkarscharte.

Mit ganzen vier Scharten ist dieses Teilstück gespickt, dazwischen breiten sich jeweils üppige Täler aus:

  1. Steinkarscharte
  2. Kellerscharte auf 2439m
  3. Dannelscharte auf 2437m
  4. Gaisscharte auf 2700m
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Der Blick vom Rastplatz

Der schmale Steig führt durch urige Täler mit saftig grünen Wiesen wie in einem Bilderbuch. Als ich vor einer dieser Wiesen bei einer Rast sitzend diesem Schauspiel folge, stapft ein braunes Pferd zu mir herüber, beugt den Kopf herunter und deutet an, meine Karte fressen zu wollen. Den Hinweis habe ich verstanden und trotz der eher suboptimalen Nährwertkomposition meiner Knoppers, teile ich heute nicht. Kurz darauf hat mich die ganze Herde umzingelt und schnüffelt an mir. Ich finde, es ist Zeit aufzubrechen.

Die nächsten beiden Scharten kosten Kraft und der Steig fordert kontinuierlich Aufmerksamkeit. An Laufen ist kaum zu denken, jeder Schritt will überlegt sein. Nach einem kurzen ausgesetzten Stück blicke neugierig hinunter zum Walter-Brenninger-Biwak, das auf dieser langen Etappe als Notunterkunft durchaus Sinn ergibt. Die Sektion Brixen des Alpenverein Südtirol hat dieses Biwak aus einem alten aufgegebenen Schafstall errichtet und zu Ehren des 2. Vorsitzenden der Sektion Brixen benannt. Ich bin jetzt schon knappe 7 Stunden unterwegs und die anspruchsvollsten Meter stehen mir noch bevor. Über große Blöcke balanciere ich hinauf zur letzten Scharte. Hinter des Felsspaltes in der Scharte erfordert ein kurzes Stück Klettersteig volle Konzentration, denn hier fällt das Gelände senkrecht ab – ein Fehler hätte fatale Folgen.

Auch danach verliert der Steig nicht an Charakter, ich balanciere über Blöcke und steige steile steinbesetzte Stiche hinab, bevor die Edelrauthütte endlich in auftaucht. Nach knappen 9 Stunden und circa 3500 Höhenmetern stehe ich vor der Hüttenkonstruktion, die vor etwa drei Jahren errichtet wurde. Wenige Minuten später genieße die Abendsonne auf der neuen großen Terrasse. Die Hütte ist gut durchdacht und eine Konstruktion aus Holz und Glas, die den Gästen maximale Aussicht gewährt. Während sich die deutschen Gäste über die Vor- und Nachteile der neuen Hüttenkonstruktion den Kopf zerbrechen, fließt bei mir in guter Südtiroler Gesellschaft das eine oder andere Bier den Gaumen herunter.

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Blick von der Edelrauthütte

2. Etappe

Nach einem kleinen Frühstuck stehe ich bereits um 6.30 Uhr vor der Hütte, denn das Tagesprogramm hat es auch heute wieder in sich. Die zweite Etappe wirkt mit guten 35 Kilometern aber deutlich weniger Höhenmetern als die erste Etappe etwas zahmer, doch ist mir den geplanten 7 Stunden für den Höhenweg und 2 Stunden für die anschließende Radfahrt in Summe nicht weniger lang.

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Beim Blick zurück ins Eisbruggtal glänzt der Bach wie eine Silberader

Zunächst folge ich dem – für die Pfunder Berge – breiten Wanderweg in Richtung Tal, bevor der Höhenweg über die Kuhscharte links abzweigt. Danach wird er tatsächlich laufbar und zieht sich als schmaler Trail malerisch entlang der Almwiesen. Es ist traumhaft im Morgenlicht durch die duftenden und mit Blumen geschmückten Wiesen zu laufen.

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Ein traumhafter Pfad führt über die Almwiesen oberhalb des Pfunderer Tals – die Bewirtschaftung dieser steilen Wiesen schaut nach harter Arbeit aus

An der etwas versifften Gampishütte geht es hinauf zur Hochsägerscharte, zunächst über eine Kuhweide und später über Blockwerk. Wer beim steilen Abstieg von der Scharte stolpert, fällt quasi fast direkt vor die Haustür der Tiefrastenhütte. Wie auf einem Gemälde steht steht neben dem Tiefrastensee die Hütte, die sich vieler Tagesgäste erfreut.

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Wollgras steht auf einer feuchten Fläche neben dem Goldsee

Auf breiten Hüttenzustieg geht es hinab bis kurz vor eine Holzhütte, da zweigt der schmale Höhenweg links ab und führt über zwei Scharten hinauf auf das Rückgrat der Pfunderer Berge.

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Am Horizont: das Rückgrat der Pfunderer Berge

Diese letzten Kilometer führen über zahlreiche kleinere Gipfel und zählen landschaftlich zu den Highlights der Strecke: Links die Zillertaler Alpen, rechts am Horizont die Dolomitengipfel. Vom letzten Gipfel des Sambock geht es dann gute 1000 Höhenmeter hinunter nach St. Georgen zum Ende des Pfunderer Höhenweges.

Zurück zum Start

Da der Pfunderer Höhenweg kein Rundweg ist, stellt sich unweigerlich die Frage: Wie komme ich zurück zum Start? Öffentliche Verkehrsmittel schienen mir hier keine optimale Lösung, weshalb ich vor Beginn der Tour ein Fahrrad am Ziel deponiert habe, mit dem ich nun zurück nach Frauenfeld radeln konnte. Alles in allem schließt sich dann der Kreis und eine sehr schöne und anspruchsvolle Wochenendtour geht zu Ende.

Tourdaten findet ihr auf Strava:

Leider sind die Distanzen nicht ganz korrekt, die Garmin Fenix 5S hat hier ein paar zusätzliche Datenpunkte eingefügt.

Island Peak – Expeditionstagebuch

Tag 1 — Landung auf dem gefährlichsten Flughafen der Welt

Der Tenzing-Hillary-Airport in Lukla ist der Ausgangspunkt unserer Expedition. Nach etwa einer halben Stunde Flug von Kathmandu taucht vor uns die sehr knapp bemessene Landebahn des Flughafens auf — ich sitze direkt hinter dem Piloten — und hoffe, dass unser Flugzeug die Piste richtig erwischt. Die 527 Meter lange Landebahn kann aufgrund ihrer 12 Grad Hangneigung nur von einer Seite angeflogen werden und bricht am unteren Ende abrupt in eine 600 Meter tiefe Schlucht ab. Die Flugzeuge rollen nach der Landung bergauf, startende Flugzeuge rollen bergab. Mit Schwung setzen wir auf, der Pilot tritt sofort kräftig auf die Bremsen, mein Oberkörper wird gegen den Gurt gepresst und schon biegen wir rechts auf den kleinen Parkplatz ab. Eigentlich müsste man nach dieser Landung klatschen, denke ich. Da höre ich auch schon den ersten Applaus hinter mir und stimme mit ein. Das war in der Tat eine solide Landung. Noch während die Rotoren laufen, steigen wir aus und überlassen unsere noch warmen Polster den Passagieren für den Rückflug. Scheinbar ist den Piloten viel daran gelegen, den Flugplatz vor der nächsten Wolke wieder zu verlassen.

Landeanflug Tensing Hillary Airport Lukla

Wir sind am Ausgangsort angekommen. Lukla ist ein kleines Bergdorf und nur zu Fuß oder per Lufttransport zu erreichen, Straßen gibt es hier keine. Mit Karma Sherpa werde ich zwei Wochen in der Khumbu-Region verbringen, das ist die Region um den Everest auf der nepalesischen Seite. Wir möchten gemeinsam den Island Peak besteigen, ein sehr schöner Sechstausender, der direkt neben Lhotse und Everest wie eine Insel in einem See aus Eis aufragt. “Nur wenn das Wetter und die Akklimatisation erfolgreich verlaufen”, habe ich ihm am Telefon gesagt. “Falls nicht, wandern wir und verbringen eine gute Zeit zusammen.” Zusätzlich haben wir einen Träger angeheuert, der einen Teil unserer Ausrüstung von Nachtlager zu Nachtlager trägt, damit wir mit etwas leichterem Gepäck zusätzliche Wanderungen unternehmen können — eine Mini-Expedition. Immer wieder begegnen uns Touristen, die ihr Gepäck selbst tragen und damit den Trägern ihre Lebensgrundlage entziehen.

Lukla Airport

Zusätzlich lerne ich den 73-jährigen Faroukh kennen, der uns an einigen Tagen begleiten wird. Faroukh ist ein indischer Geschäftsmann mit großer Liebe zur Natur und insbesondere zu Nepal. Es ist sein 16. Besuch in Nepal und er fotografiert leidenschaftlich gern. Faroukh ist groß und schlaksig gebaut, besitzt ein ruhiges Gemüt und wir verstehen uns auf Anhieb. Bereits am Vorabend haben wir uns bei einem Glas Whiskey kennengelernt. Für diesen Besuch hat er sich den Aussichtspunkt Kalapathar und Gokyo-Ri vorgenommen. Beides Orte, die eine kräftezehrende Drei-Wochen-Wanderung weit über 5000 Meter über Meeresspiegel erfordern und etwas abseits des Standard-Touristenpfades liegen.

Dzo — eine Kreuzung zwischen Hausrind und Yak — sind unsere ständigen Begleiter der ersten Tage

Kurz nach unserer Ankunft machen wir uns auf den Weg. Auf den ersten Metern fühle ich mich wie ein Kind, das vor einem leuchtenden Weihnachtsbaum steht und ich sauge jeden Moment auf wie ein Schwamm. Wir treten in die Spuren der ganz großen Bergsteiger, die hier wie wir durch den tiefen Staub aus Esel und Kuhdung gewatet sind. Schnell ziehe ich mir ein Tuch über die Nase, denn den Kumbhu-Cough – ein Husten, der bei Wanderern in dieser Region häufig auftritt – möchte ich jetzt um jeden Preis vermeiden. Bereits nach wenigen Kilometern schlagen wir unser Nachtlager in einer Lodge in Phakding auf.

Tag 2 — Ins Zentrum der Sherpas

Die erste Nacht auf 2600 Metern war vergleichsweise angenehm bis mir um 6 Uhr weiße Rauchschwaden in die Nase steigen und mich aus dem Bett katapultieren. Mit etwas panischem Gesichtsausdruck erkenne ich, dass unsere Gastgeber hier feuchte Wacholderzweige in einem kleinen Schrein verbrennen und der Rauch direkt durch mein geöffnetes Fenster in meine Nase zieht. Es ist eiskalt in meinem Zimmer, das Bad hat kein Fenster und die Wände schimmern feucht vom Kondenswasser der Wäsche des Vorabends. Ich stopfe meinen Schlafsack und trete in den Innenhof zum Schrein, wo mir der Wacholderduft erneut in die Nase steigt. Der Geruch ist angenehm und noch viel angenehmer ist die Wärme des Feuers, denn die Lodge erwacht erst allmählich zum Leben. Noch bevor die ersten Sonnenstrahlen unsere Lodge erreichen leuchten die weißen Berggipfel goldgelb in der Morgensonne. Wenn es auf dieser Höhe bereits so frisch ist, kann das auf 6000 Metern ja heiter werden, denke ich mir.

Namche Bazar

Etwas später stapfen wir erneut im Staub der Esel über zahlreiche Hängebrücken weiter in Richtung Namche Bazar, dem Zentrum der Sherpas. Namche liegt auf 3440 Metern über dem Meeresspiegel und ist der zentrale Handelsplatz der Region. Hier herrscht buntes Treiben, es gibt deutsche Bäckereien mit italienischem Espresso, Bergsportgeschäfte, die eine komplette Everest-Expedition ausstatten könnten und die letzten Geldautomaten im Tal. Gleich am Ortseingang links hocken einheimische Frauen auf Betonstufen und waschen ihre Wäsche mit dem Wasser des kleinen Baches, der durch Namche läuft. Das ist vielleicht die letzte Gelegenheit zur Wäsche, daher lasse ich mir diese nicht entgehen, schnappe mir mein getragenes T-Shirt, ein Stück Seife und geselle mich zu den Wäscherinnen. Das Wasser ist so kalt, dass meine Hände nach wenigen Sekunden schmerzen. Mit schlechtem Gewissen betrachte ich das dunkle Wasser der untersten Stufe und entscheide mich dann, das leicht verschwitzte-Merino-Shirt auf der mittleren Stufe einzuseifen. Vorsichtig schrubbe ich mein T-Shirt und spüle dann auf der obersten Stufe mit klarem Wasser nach. Die kalte und trockene Bergluft tut dann ihr Übriges und nach zwei Stunden ist mein T-Shirt trocken.

Die Gassen von Namche Bazar am Abend

Am Abend Faroukh erzählt mir Faroukh von seinem Besuch im Everest-View-Hotel: “Vor vielen Jahren habe ich mit meiner Frau das Hotel besucht. Wir sind direkt bis zum Hotel geflogen, denn das Hotel hat eine eigene Landebahn. Das Luxushotel war hochmodern und es fehlte an nichts. Die Suiten hatten Blick auf den Everest und sogar die Bettdecken waren beheizt. Man konnte gern zwei oder drei Tage im Hotel verbringen und nichts weiter tun, außer sich am Anblick des Everest zu ergötzen.” Das macht mich neugierig und ich beschließe diesem Hotel einen Besuch abzustatten.

Frühstück mit Everest-Blick auf der Terrasse des Everest-View-Hotel

Tag 3 — Kloster Tengboche

Gesagt getan, am nächsten Morgen steige ich mit dem Sherpa Pemba zum Everest-View-Hotel auf. Den Weg teilen wir uns mit jungen Mädchen auf ihrem Weg zur Schule. Mehr als eine Stunde legen sie täglich morgens und abends zurück und steigen dabei jeweils steil bergauf und bergab. Das Hotel liegt etwas oberhalb von Namche auf einem Bergrücken auf 3880 Metern. Die Landebahn ist nicht mehr als eine breite Schotterpiste etwa 10 Minuten unterhalb und mittlerweile gibt es auch einen Hubschrauberlandeplatz. Vor dem Betreten steigt man eine lange Treppe hinauf, die an den Zugang eines Palastes erinnert. Das Hotel versprüht mittlerweile vielmehr den Charme eines verlassenen Palastes, auch die Angestellten erwecken den Anschein von Wächtern anstatt Hotelpersonal. Natürlich lassen wir uns eine Tasse des exklusiven Sherpa-Kaffees auf der Sonnenterrasse nicht entgehen, bevor wir unsere Tagesetappe fortsetzen.

Kloster Tengboche

Ein paar Stunden später stehe ich in Tengboche vor dem bedeutendsten buddhistischen Kloster der Region. Es ist kalt, der Wind pfeift und die Sonne brennt. Außer Wacholdersträuchern und Rhododendronbüschen macht die Vegetation einen eher spärlichen Eindruck. Das Kloster liegt auf knapp 3900 Metern und wurde nach einer Serie der Zerstörung durch Brand und Erdbeben neu aufgebaut. Wenige hundert Meter vom Kloster entfernt wurde Ueli Steck beigesetzt. Ein junger Mönch führt mich zum Grab und ich verweile ein paar Minuten. Tengboche ist wunderschön und bietet einen Panoramablick auf die umliegenden Berge. Heute sind die Gasthäuser um das Kloster gut gefüllt und in der kleinen Bäckerei gibt es sogar Schokokuchen. Es ist schwer vorstellbar, wie sich die Menschen in dieser Gegend vor der Schokokuchen-Zeit ernährt haben.

Auf dem Weg zur Lodge bewaffne ich mich mit einem Stück Schokokuchen, schwatze unterwegs mit einem Sherpa und da passiert es auch schon: Völlig unkonzentriert trete ich etwa 50 Meter vor der Lodge auf einen Stein und mein Fußgelenk knickt um. Mit schmerzverzerrten Gesicht halte ich den Fuß unter das eiskalte Wasser im Hof der Lodge, bandagiere das Gelenk und lege es hoch. Nach kurzer Zeit spüre ich, dass die Verletzung ernster ist als angenommen, entscheide mich jedoch gegen einen Abbruch der Tour. Die nächsten Tage werde ich in den Bergstiefeln gehen müssen, um das Gelenk wenigstens etwas zu schonen.

Tag 4 und 5 — Dingboche

Der nächste Morgen beginnt etwas holprig mit dem Gang zur Toilette. Von einer Toilettenspülung habe ich mich bereits vor dem Abflug nach Lukla verabschiedet, doch heute morgen war sogar das Wasserfass auf der Toilette gefroren und der Schöpfbecher steckte im Eis. Das Zähneputzen verschiebe ich besser um ein paar Stunden und setze mich vor den Ofen in der Lodge. Der Weg nach Dingboche führt zunächst leicht bergan durch das Tal. Unter uns rauscht ein wilder Fluss und rechts über uns öffnet sich der Gipfel des Ama Dablam — das Matterhorn Nepals. Die Ama Dablam ist ein besonders formschöner und technisch anspruchsvoller Sechstausender. Derzeit befinden sich einige Gruppen im Basislager und wollen den Berg besteigen. Unser Tagesziel Dingboche liegt auf 4400 Metern und wir erreichen den kleinen Ort gegen Mittag. Was vor Jahren nur eine kleine Siedlung war, ist mittlerweile zum einem Dorf aus Lodges angewachsen. Die Bauern pflanzen auf dem trockenen Boden Kartoffeln an, die sie einmal im Jahr ernten können. Darüber hinaus wächst hier nicht viel. Wir übernachten in einer kleinen und familiären Lodge.

Das Badezimmer wurde kurzerhand nach außen verlagert

Hinter dem Haus liegt ein schwarzer Schlauch im Garten, der als Wasserleitung dient. Als das Eis im Schlauch hinter dem Haus aufgetaut ist, wasche ich etwas Wäsche, die kurz darauf auf der Leine bretthart gefriert. Der Ofen Gastraum wird mit Yakdung befeuert und wärmt jeden Abend zuverlässig. Die Wärme reicht jedoch nur für die Frontseite, deshalb sitzen alle im Gastraum in Dauenjacke um den Ofen. Trotz Saisonende sind die anderen Lodges noch so gut besucht, dass die Sherpas dort in die zweite Reihe hinter dem Ofen weichen müssen. Das führt dazu, dass sie sich die Sherpas der umliegenden Lodges zu uns gesellen und ich mit dem Inder die einzigen Ausländer im Raum sind. Unsere Schlafzimmer sind so kalt, dass die Feuchtigkeit meines Atems eine Eisschicht auf meinem Schlafsack hinterlässt.

Am Folgetag steht der nächste Schritt der Akklimatisierung bevor: die Wanderung auf den Nangkar Tshang auf knappe 5200 Meter. Im Vergleich zu den Achttausendern am Talende wirken die Fünftausender hier wie die kümmerlichen Endmoränen einer Eiszeit und doch sind sie höher als der Mont-Blanc. Nach dem Frühstück steige ich mit Pemba auf. Wir gehen sehr langsam und nach ca. einer halben Stunde wärmen uns die ersten Sonnenstrahlen, die hinter dem Ama Dablam hervortreten.

Ama Dablam im Morgenlicht

Beim Blick ins Tal erkennen wir, dass uns die Heerscharen der geführten Touren bereits auf den Fersen sind. Hauser und World Expeditions haben ebenfalls einen Zwischenstopp zur Akklimatisation in Dingboche eingelegt. Die meisten dieser organisierten Gruppen wandern zum Basislager des Everest. Trotz Saisonende begegneten uns erstaunlich viele Wandergruppen auf den Wegen, doch von nun an sollte es für uns ruhiger werden, denn wir zweigen von der Hauptverkehrsader ab und marschieren in Richtung Island Peak.

Blick vom Gipfel des Nangkar Tshang

Am Abend sitzen wir gemeinsam am Ofen und sprechen den Plan für die nächsten Tage durch. Während Pemba mit Faroukh nach Kala Patthar wandert, gehe ich mit Karma Sherpa nach Chukhung auf 4730 Meter. Dort akklimatisieren wir weiter am 5546 Meter hohen Chukhung Ri und besteigen anschließend den Island Peak.

Tag 6 — Besteigung Chukhung Ri

Am Morgen brechen wir auf nach Chukhung und durchqueren eine Steppenlandschaft mit kleinen halb gefrorenen Bächen, die sich ihren Weg durch Wacholdersträuche bahnen. Der Boden ist hart und staubig. Chukhung ist die erste Siedlung auf unserem Weg, die nicht ganzjährig bewohnt ist und hauptsächlich zur Beherbergung von Wanderern und Bergsteigern errichtet wurde. Der Lodge-Manager gibt mir das beste Zimmer, wie er sagt: “Das Zimmer hat noch sechs Stunden Sonne.”

Auf dem Weg auf den Chukhung Ri

Wir pausieren kurz in der Lodge und brechen wenig später auf zum Chukhung Ri. Die letzten Meter vor dem Gipfel spüre ich den geringen Sauerstoffgehalt deutlich und muss mich bei jedem Tritt konzentrieren. Der Grat ist nicht schwer, doch das Gelände ist steil und der Wind pfeift uns um die Ohren. Am Gipfel werden wir mit einem gigantischen Panorama belohnt und blicken erwartungsvoll hinüber zum Gipfel des Island Peak, der nahezu auf gleicher Höhe zu liegen scheint.

Panorama vom Gipfel des Chukhung Ri.

Am Abend werde ich für die zu schnelle Akklimatisierung bestraft. Kopfschmerzen, Fieber und ein schmerzendes Fußgelenk rauben mir den Schlaf. Auch eine Portion Sherpa-Eintopf können mich heute nicht aufmuntern und ich liege bereits kurz nach Sonnenuntergang in meinem erstklassigen Zimmer, das mittlerweile einer Eiskammer gleicht. Dass sich vor dem Zimmer der Haushund platziert hat, merke ich leider erst, als ich ihm auf den Schwanz trete und er jaulend aufspringt. Ich vertraue besser nicht mehr auf meine Nachtsicht-Fähigkeiten und nutze brav meine Stirnlampe. Der Hund dankt’s mir.

Tag 7 — Der lange Marsch ins Basislager

Der Weg ins Basislager wird für mich länger und länger. Ein schmerzender Kopf und Fuß lassen den Gipfel an diesem Tag in weite Ferne rücken. Wie soll ich auf über 6000 Meter steigen, wenn ich mit 5100 bereits Problem habe, denke ich. Karma meint dazu: “Thomas, wir gehen jetzt ins Basislager, dort trinkst du einen Tee und dann sehen wir weiter”. Etwa zwei Stunden später liege ich in einem dieser gelben Expeditionszelte, röchele vor mich hin und esse dazu ein Schinken-Käse-Sandwich und Gemüsereis. Die Sherpas bemühen sich um mich.

Island Peak Basislager bei Nacht

Island Peak Basislager

Außer den Sherpas bin ich der einzige Bergsteiger im Camp auf 5100 Metern. Ich genieße die ruhige Atmosphäre, fotografiere die gewaltige Eislandschaft und ruhe mich aus. Das Abendessen gibt es dann für alle gemeinsam im Küchenzelt und ich muss nicht schlecht staunen, als mir der Küchenchef Popcorn und eine Thunfisch-Pizza serviert. Zum Dank verteile ich frische Wachteleier aus Hong Kong an die Jungs. Das sorgt für große Augen und ausgelassene Stimmung.

Nur eine Moräne trennt den Imja-See vom Basislager.

Tag 8 — Besteigung des Island Peak

Um ein Uhr nachts stehen wir auf, wecken muss uns hier eh keiner, denn so richtig schlafen kann ich in dieser Höhe derzeit nicht. Nach etwas Haferschleim und Tee starten wir unseren Aufstieg. Während ich einen Not-Toilettenhalt einlege, überholt uns eine Gruppe. Das gibt’s doch nicht, denke ich, noch vor dem Start an Position zwei. Da sich jedoch einer der anderen Bergsteiger kurze Zeit später übergibt, sind wir wieder in Führungsposition.

Karma stapft vor mir und ich hinterher. Wir reden kaum ein Wort, ich kontrolliere permanent meinen Körperzustand. “Bisher alles top” rufe ich Karma zu, als wir bereits einige Stunden unterwegs sind. “Keine Kopfschmerzen”. Der Weg ist zunächst leicht, das Gelände wird jedoch steiler und der Wind bläst. Es ist saukalt und als wir das erste Eis erreichen warten wir eine Weile. “Wir sind schnell”, sagt Karma. Nachdem wir unsere Steigeisen angelegt haben, nimmt er mich ans Seil. Über steiles Eis geht es auf und ab, die ersten Fixseile tauchen auf, es sind dünne Perlonschnüre, wie man sie im Baumarkt findet. Ich bemühe mich, sie nicht zu benutzen. Wer weiß, wie die befestigt sind, denke ich.

T-Shirt, Pullover, Daunenveste, Primaloft-Jacke, dicke Daunenjacke und trotzdem ist es frisch hier oben

Wenig später blicke ich in eine Gletscherspalte. Die ist in etwa so tief, dass man den Sturz nicht überlebt. Darüber liegt eine Leiter, besser noch: es sind drei Leitern. Die Leitern sind mit Stricken zusammengebunden und biegen sich in der Mitte durch. Daneben liegen zwei lockere Schnüre und der Wind pfeift. Beim Anblick muss ich lachen und: “Das ist jetzt nicht dein Ernst.” Karma nimmt inzwischen das Seil auf.

“Da balancieren wir jetzt drüber”, meint Karma. Ich entgegne: “Balancieren da alle drüber? Müssen wir hier auch wieder zurück?” Im Kopf male ich mir aus, wie ich erst in einen der Stricke falle, dann gegen eine der Eiswände scheppere und der Strick dann reißt. “Du ziehst die Stricke straff und setzt die Frontzacken auf die vordere Sprosse und die hinteren Zacken deiner Steigeisen auf die hintere Sprosse.” Logisch, und wenn ein Windstoß kommt, flattere ich einfach mit den Armen und schwebe davon, denke ich.

Die Leiterkonstruktion

Gesagt, getan. Karma marschiert seeehhhr vorsichtig über die Leitern. Bei jedem Schritt biegt und knarzt die Konstruktion. Ich folge ihm. Auf der anderen Seite angekommen folgen wir dem Pfad bis zur Gipfelwand. Jetzt gilt es noch 200 Höhenmeter an einem Fixseil hochzuklettern und dann sind wir schon auf dem Gipfelgrat. Der Anstieg ist durch die Absicherung der Fixseile nicht sonderlich schwierig nur kräftezehrend. Als meine Fingerkuppen anfangen, in der Morgensonne aufzutauen und ich mich vor Schmerzen krümme, schießt Karma Fotos von mir. “Die besten Bilder sind die, in denen man nicht posiert, meint er.”

Die letzten Meter hinauf zum Gipfelgrat verbringen wir am Fixseil

Am Gipfelgrat bläst ein derart böiger Wind, dass ich auch hier auf das Fixseil zurückgreife. Den Gipfel haben wir schließlich für uns allein und genießen den Ausblick ins Eismeer zu unseren Füßen. Hinter uns thront die Lhotse-Südwand und erstmals bekomme ich ein Gefühl für die Größe dieser Wand. Der Gipfel dieses Achttausenders befindet sich jetzt nur noch 2000 Meter über uns.

Auf dem Gipfel des Island Peak und im Hintergrund die Lhotse-Südwand

Auf dem Gipfel des Island Peak

Gipfel des Island Peak

Beim Abstieg seilen wir uns an den Fixseilen ab. Bei genauer Betrachtung der Fixpunkte stellen sich mir die Nackenhaare auf, denn diese sind an übergroßen Zeltheringen festgemacht, die sich mit der bloßen Hand bewegen lassen. Wenn die Seile nicht reißen, dann halten vielleicht auch die Heringe, denke ich und versuchen das ganze System so wenig wie möglich zu belasten. Karma ist positiv gestimmt: “Ahh no Problem Thomas, so lange nur eine Person im Seil hängt, halten die auch.” Na klasse denke ich und freue mich bereits auf die Leiterkonstruktion weiter unten. Auch diese überleben wir und nach ca. 2,5 Stunden sind wir wieder im Basislager und das ohne Kopfschmerzen.

Blick auf Dingboche

Am gleichen Tag wandern wir über Chukhung und Dingboche zurück nach Pheriche. Zur Begrüßung empfängt man uns in der Lodge mit den Worten: “Das Wasser in den Leitungen ist gefroren, bitte nur das Badezimmer unten benutzen.” Beim näheren Hinsehen bemerke ich, dass auch hier das Wasser in den Tonnen vor der Toilette gefroren ist. “Welcome back”, denke ich mir und bestelle mit Faroukh einen Whiskey.

Thomas and Karma

Matterhorn Ultraks

Das Skyrace um das luxuriöse Schweizer Feriendorf Zermatt ist zweifellos etabliert. Thomas berichtet vom Kampf mit den besten der Welt am Fuße der Matterhorns.

Das Schweizer Feriendorf Zermatt präsentiert sich ganz ursprünglich. © Thomas Bohne

Der Besuch im Schweizer Feriendorf Zermatt beginnt mit dem bekanntesten Schweizer Verkehrsmittel – der Eisenbahn. Spätestens fünf Kilometer vor der Ortschaft Täsch bleibt das Auto stehen, denn Zermatt ist seit 1931 autofrei. Abfahrt ist im modernen Matterhorn Terminal, ein nüchterner Betonklotz, der für die Abfertigung von tausenden Touristen optimiert ist. Die rot-weißen Waggons sind mit großen Glasfenstern ausgestattet, die Gäste sind international und wie es sich für Schweizer Bahn gehört, ist sie pünktlich.

Luxusdorf made in Switzerland

Gleich nach der Ankunft in Zermatt fallen die Blicke auf Werbetafeln von Restaurants: Walliser Käsefondue für 25 Schweizer Franken oder ein Vier-Gänge-Menü für 72 Franken. Schnell wird klar: Zermatt liegt preislich auf hohem Niveau, touristisch rangiert es auf Weltniveau. Elektrokarren und Golfkarts surren mit Koffern und Gästen beladen durch die Gassen. “Abgasarm und nachhaltig”, so präsentiert sich Zermatt auf seiner Webseite. Liebevoll dekorierte Holzfassaden beherbergen die Designerlabels dieser Welt und Nobelhotels bieten bis zu 17500 Touristen ein Bett für die Nacht. Vergleichsweise gering erscheint dagegen die Einwohnerzahl von 6000.

© Judy Ng

Hoch oberhalb dieses bunten Treibens thronen die höchsten Viertausender der Schweiz mit ihren imposanten Eiswänden. Wie ein Denkmal thront zwischen ihnen das bekannteste Wahrzeichen des Landes – das Matterhorn. Bei der Erstbesteigung vor 150 Jahren herrschte eine völlig andere Atmosphäre in Zermatt. Das Alpendorf war nur über Saumpfade erreichbar und übte deutlich weniger Anziehungskraft auf Bergsteiger und Touristen aus. Damals galt das Matterhorn noch als unbezwingbar. Die steilen Flanken dieses Monolithen erzählen noch heute die dramatische Geschichte der Erstbesteigung. Beim Wettlauf auf den Gipfel kam es zur Katastrophe verloren vier Bergsteiger ihr Leben, obwohl sie vorher als erste Menschen auf dem höchsten Punkt dieses Berges standen.

Das Matterhorn —
Wahrzeichen der Schweiz

Matterhorn – Das Wahrzeichen

Mittlerweile gehört die Besteigung zum Standardprogramm der Bergführer in Zermatt und auch die Trail-Läufer haben die Gemeinde im Wallis für sich entdeckt. Das kommt nicht von ungefähr. In diesem Jahr versammelten sich nahezu zweitausend Athleten aus 51 Nationen an der Startlinie der Läufe des Matterhorn Ultraks. Darunter tummelte sich auch die internationale Berglauf-Elite, doch die ist sicher noch kein Garant für die Attraktivität des Rennens. Die Region Zermatt hat viel zu bieten für Trail-Läufer.

Die Strecke

Das Rennen führt vom Kirchplatz im Zentrum über einen steilen Pfad direkt hinauf zum Gornergrat auf 3135 Meter. Beim Erreichen des Grates stockt vielen Läufern der Atem, denn unter ihnen erstreckt sich die zweitgrößte zusammenhängende Gletscherfläche der Alpen und vor ihnen posiert eindrucksvoll das Matterhorn im Morgenlicht. Spitzenläufer legen die 1500 Höhenmeter und 14 Kilometer in eineinhalb Stunden zurück. An der Verpflegungsstation gibt es warmes isotonisches Getränk, Wasser, Tee und zahlreiche Snacks. Auf meinen Kommentar: “Super, dass ihr warme Getränke habt”, entgegnet mir der Schweizer lässig: “Ja, sunsch isch des doch en Scheiß.” Die Zermatter haben gelernt, was für Trail-Läufer in dieser Höhe wichtig ist.

Megan Kimmel © Judy Ng

Beim ersten langen Abstieg folgen die Läufer nicht nur den Wegen, vielmehr laufen sie direkt von Markierung zu Markierung. Geschickt wie eine Herde Gämse bricht das Feld in Rekordtempo den Berg herunter. 51 Nationen verschwimmen, alle verfolgen ein Ziel. Wenn politische Debatten doch nur auch so einfach wären.

Marc Lauenstein © Judy Ng

Gegen Mittag ändert sich das Wetter. Ein Wolkenteppich legt sich über den Alpenhauptkamm und es fällt Regen. Auf über zweitausend Metern sinken die Temperaturen rasch und es wird windig und kalt. Einige werfen Regenjacken um, andere ziehen sich Handschuhe über, wieder andere laufen einfach weiter. Pflichtausrüstung gibt es keine. Die Zermatter Organisatoren wissen: Auf zweitausend Metern findet man die Freiheit nur mit einem gesunden Maß an Selbstverantwortung. So richtiges Absturzgelände gibt es beim Ultraks ohnehin nicht.

Meine Muskeln verhärten spürbar in der Kälte, doch das Tempo der Spitze bleibt konstant hoch. Einige Walliser Schwarznasenschafe lässt das Geschehen völlig kalt und sie grasen gemütlich auf dem Trail, während die Athleten im Eiltempo über oder an ihnen vorbei rasen – typisch Schweizer Gelassenheit eben. Gelegentlich erlauben kleine Wolkenfenster den Blick auf die weiß-blauen Flanken des Breithorns oder einen der anderen 37 Viertausender der Umgebung. Wer hier den Begriff Skyrunning verwenden möchte, der liegt sicherlich richtig.

Schweizer Musik gehört zum Rahmenprogramm des Rennens – Alphornbläser. © Thomas Bohne

Wenige Kilometer vor dem Ziel fällt die Strecke nahezu senkrecht ab in den Ort Zermatt. Über rutschiges Kopfsteinpflaster schlittern die Läufer die letzten Meter durch die schmalen Gassen, eng umsäumt von japanischen Touristen, die gar nicht so richtig wissen, was um sie herum geschieht. Ein Gefühl von Chamonix kommt kurzzeitig auf. Dann ist das Ziel erreicht und die Zeit steht still. 46 Kilometer traumhafte Trails sind vorüber und Zermatt hat erneut bewiesen, dass es auch für Trail-Läufer zu den Top-Adressen zählt.

Die Elite am Start © Thomas Bohne

«16K» Herren
1. JODIDIO ALEX (SUI) 1:23 Stunden
2. BETRISEY YVAN (SUI) 1:27 Stunden
3. DRION MAXIMILIEN (BEL) 1:27 Stunden

«16K» Damen
1. VILLUMSEN KATRINE (DEN) 1:39 Stunden
2. PFAMMATTER PRISKA (SUI) 1:59 Stunden
3. MARIE PATUREL (FRA) 1:59 Stunden

«30K» Herren
1. RODRIGUEZ ETIENNE (AUS) 3:04 Stunden
2. CASCIO JAMIE (USA) 3:07 Stunden
3. GILLIÉRON CHRISTOPHE (SUI) 3:10 Stunden

«30K» Damen
1. CROFT RUTH (NZL) 3:22 Stunden
2. PONT COMBE SÉVERINE (SUI) 3:26 Stunden
3. SCHILD SIBYLLE (AUT) 3:33 Stunden

«46K» Herren
1. LAUENSTEIN MARC (SUI) 4:47 Stunden
2. MATHYS CHRISTIAN (SUI) 4:51 Stunden
3. TAMANG TIRTHA (NEP) 4:53 Stunden

«46K» Damen
1. KIMMEL MEGAN (USA) 5:23 Stunden
2. MERTOVA MICHAELA (CZE) 5:46 Stunden
3. CHIRON CÉLIA (FRA) 5:51 Stunden

Alle Ergebnisse

Wettersteinrunde

Diese Tour führt auf traumhaften Trails um den Wetterstein-Hauptkamm entlang der Lieblingsplätze von König Ludwig II.

Anreise
Mit dem Auto oder der Bahn nach Garmisch-Partenkirchen. Start der Tour ist am Olympiastadion vor der Skischanze in Partenkirchen.

Tourdaten
50 Kilometer mit 3600m Anstieg/Abstieg

Schwierigkeit
Sehr lange Tour auf traumhaften Trails, die enorme Ausdauer, Trittsicherheit und alpine Erfahrung erfordert. Dank der zahlreichen Abstiegswege und Hütten lässt sich die Tour problemlos verkürzen oder auf zwei Tage aufteilen.

Die Partnachklamm zählt zu den touristischen Highlights in Garmisch-Partenkirchen und wird täglich von zahlreichen Touristen bestaunt. © Thomas Bohne

Wegbeschreibung

Gleich zu Beginn führt euch der Weg durch die Partnachklamm mit dem kristallklaren und tosenden Bach, der täglich von Touristenscharen besucht wird. Über den Kälbersteig gelangt ihr zum Königshaus am Schachen. Der botanische Garten am Schachen ist einzigartig und lädt zu einem Besuch ein. Der Weg führt nun hinauf zum höchsten Punkt der Tour, der Meilerhütte. Der anschließende Abstieg über den Söllerpass auf den Südsteig ist der technisch schwierigste Teil und erfordert absolute Trittsicherheit.

Der Wetterstein-Südsteig zieht sich über zahlreiche Bergrücken entlang der Südseite des Wetterstein-Massivs. © Thomas Bohne

Anschließend lauf ihr auf traumhaften Trails über zahlreiche grüne Bergrücken entlang der massiven Südwände des Wetterstein. Über das Gatterl gelangt ihr in wenigen Minuten zur Knorrhütte. Der Abstieg zur Reintalangerhütte erfordert erneut volle Konzentration. Erst im Anschluss lauft ihr auf traumhaften Pfaden durch das Reintal. Weniger Minuten nach der Bockhütte gelangt ihr auf eine Forststraße, die euch zum Ausgangspunkt der Tour führt.

Die Tourdaten findet ihr auf Strava und bei GPSies.

INOV-8 Trail Talon 275

INOV-8 Trail Talon 275

Der Trail Talon ist mit 275 Gramm ein sehr leichter Schuh für weiche und trockene Trails. Auf Gras- und Waldböden fühlt er sich pudelwohl und das Profil greift zuverlässig. Nässe und Fels kann der Trail Talon bewältigen, kommt jedoch schnell an seine Grenzen. Die Sohle mit 8mm Sprengung sorgt für ausreichend Dämpfung und ermöglicht lange, ja sogar sehr lange Distanzen. Der Vorfußbereich bietet den Zehen viel Platz, wenn sie anschwellen. Das Innenfutter ist kuschelweich und trotzdem sitzt der Schuh ganz gut am Fuß.

INOV 8 Trail Talon © Thomas Bohne

Langzeittest

Bei Tor des Geants wurde der Schuh auf die Probe gestellt und hat nicht enttäuscht. Der Tragekomfort war besonders nach einer 200 Kilometer Vorbelastung noch sehr hoch und die Dämpfung ausreichend. Auch bei Nässe konnte der Trail Talon 275 überzeugen. Einzig der Halt an der Ferse war etwas zu locker, das lässt sich allerdings beim sonst so weichen Innenleben kaum verbessern. Die Verarbeitung scheint makellos, der Schuh hat 150 Kilometer im Hochgebirge bei Nässe schadlos überstanden.

Saucony Peregrine 6

Wer den Schuh das erste Mal in den Händen hält, dreht ich meist sofort um. Sofort sticht beim Saucony Peregrine die giftgrüne Sohle ins Auge. Im Test konnte mich die Sohle auf weichen Böden überzeugen, im Fels ist der Halt mäßig. Die Abnutzung der Sohle ist auch nach vielen Kilometern sehr gering.

Dem Vorfuß bietet der Peregrine sehr viel Platz, was besonders bei Ultras zum Komfort beiträgt. Die Dämpfung ist gut, allerdings für ganz lange Distanzen nicht ausreichend. Im Dauertest war der Vorfußbereich nach 200 Kilometern komplett durch und ich musste den Schuh wechseln. Das Außenmaterial ist robust und weich. Es bietet nur mäßig Schutz vor harten Kanten und spitzen Steinen.

Die Verarbeitung sollte verbessert werden. Der Zehenschutz löste sich nach 300 Kilometern ab und seitliche Klebestellen gingen auf.