Einmal quer durch die Pfunderer Berge und zurück

Der Pfunderer Höhenweg ist ein hochalpiner Wanderweg von Sterzing nach Bruneck, der von erfahrenen Trail-Läufern an einem Wochenende bewältigt werden kann. Mein Plan ist, den Trail in zwei Etappen zu laufen und anschließend mit dem Radl zurück zum Ausgangspunkt zu fahren.

Vor etwa fünf Jahren war ich schon einmal mit meinem Freund Denis auf dem Pfunderer Höhenweg unterwegs. Damals hatten wir uns allerdings nach halber Strecke zum Abstieg entschieden. Diesmal wollte ich den Weg komplett allein und ohne Unterstützung laufen — die Versorgung auf der Edelrauthütte mal ausgenommen. Um von Bruneck wieder zurück nach Sterzing zu gelangen, hatte ich am Vorabend in St. Georgen mein Rad deponiert, mit dem ich am zweiten Tag der Tour wieder zum Ausgangspunkt zurückfahren wollte — so der Plan.

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Der Blick vom “goldenen Sattel” – eintauchen in die Pfunderer Berge

1. Etappe

Ausgangspunkt der Tour ist Freienfeld (Campo di Trens), ein kleiner Ort nahe Sterzing mit einem kleinen Frischwasserbrunnen im Ortszentrum. Genau dort waren wir vor bereits vor zwei Jahren zum ersten Anlauf gestartet. Gleich zu Beginn erwartet mich eine 1000 Meter Rampe, die am Ende mit einem traumhaften Blick über einen goldgelben Bergrücken belohnt wird. Auf den letzten Metern lief ich im zackigen Schritt hinter einer Bergbäuerin, die mich oben ansah und fragte: “Hascht du ein Flieger dabei?” und damit auf meinen Rucksack deutete. Klasse, dachte ich, haste diesmal bissl mehr eingepackt und gleich siehst du aus, als ob du einen Gleitschirm durch die Berge schleppst.

Da ich allein unterwegs bin und der Weg recht ausgesetzt und die Strecke einsam ist, wollte ich für alle Fälle gewappnet sein. Das steckt im Rucksack:

Ein schmaler und bewachsener Hirtensteig führt mich hinüber zum Grat und kurz darauf steil hinunter zur Simile-Mahd-Alm — oft das erste Tagesziel für Wanderer des Pfunderer Höhenweges. Anschließend geht es hinauf Sengesjöchl, hinter dem ein blauer Bergsee liegt – die Bezeichnung ‘Wilder See’ trifft es hier nicht ganz, denn am anderen Ufer kreischt eine Horde Italiener und ruft mich zurück in die Zivilisation.

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Ein Pfad aus Schieferschutt zieht sich von nun an steil hinauf zum Rauhtaljoch. Die bunten Gruppen Wanderer linker Hand deuten an, dass sich hier mit der Kreuzspitze ein beliebter Wandergipfel befindet. Den Gipfel lasse ich dankend liegen, denn der Tag sollte noch lang werden. Das Schneefeld hinter dem Rauhtaljoch war in diesem Jahr bereits ordentlich abgeschmolzen. Über den Schotter- und später Wiesenpfad erreiche ich in wenigen Minuten die Brixner Hütte.

Direkt vor der Brixner Hütte steht ein Wegweiser, der einladend die Distanz zur Edelrauthütte quantifziert: Ganze 9 Stunden veranschlagen Wanderer für diesen Abschnitt. Auch für Trail-Läufer ist dieser Abschnitt fordernd und verlangt Aufmerksamkeit und viel Geduld. Voller Erwartungen stapfe ich hinauf zur ersten Scharte: der Steinkarscharte.

Mit ganzen vier Scharten ist dieses Teilstück gespickt, dazwischen breiten sich jeweils üppige Täler aus:

  1. Steinkarscharte
  2. Kellerscharte auf 2439m
  3. Dannelscharte auf 2437m
  4. Gaisscharte auf 2700m
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Der Blick vom Rastplatz

Der schmale Steig führt durch urige Täler mit saftig grünen Wiesen wie in einem Bilderbuch. Als ich vor einer dieser Wiesen bei einer Rast sitzend diesem Schauspiel folge, stapft ein braunes Pferd zu mir herüber, beugt den Kopf herunter und deutet an, meine Karte fressen zu wollen. Den Hinweis habe ich verstanden und trotz der eher suboptimalen Nährwertkomposition meiner Knoppers, teile ich heute nicht. Kurz darauf hat mich die ganze Herde umzingelt und schnüffelt an mir. Ich finde, es ist Zeit aufzubrechen.

Die nächsten beiden Scharten kosten Kraft und der Steig fordert kontinuierlich Aufmerksamkeit. An Laufen ist kaum zu denken, jeder Schritt will überlegt sein. Nach einem kurzen ausgesetzten Stück blicke neugierig hinunter zum Walter-Brenninger-Biwak, das auf dieser langen Etappe als Notunterkunft durchaus Sinn ergibt. Die Sektion Brixen des Alpenverein Südtirol hat dieses Biwak aus einem alten aufgegebenen Schafstall errichtet und zu Ehren des 2. Vorsitzenden der Sektion Brixen benannt. Ich bin jetzt schon knappe 7 Stunden unterwegs und die anspruchsvollsten Meter stehen mir noch bevor. Über große Blöcke balanciere ich hinauf zur letzten Scharte. Hinter des Felsspaltes in der Scharte erfordert ein kurzes Stück Klettersteig volle Konzentration, denn hier fällt das Gelände senkrecht ab – ein Fehler hätte fatale Folgen.

Auch danach verliert der Steig nicht an Charakter, ich balanciere über Blöcke und steige steile steinbesetzte Stiche hinab, bevor die Edelrauthütte endlich in auftaucht. Nach knappen 9 Stunden und circa 3500 Höhenmetern stehe ich vor der Hüttenkonstruktion, die vor etwa drei Jahren errichtet wurde. Wenige Minuten später genieße die Abendsonne auf der neuen großen Terrasse. Die Hütte ist gut durchdacht und eine Konstruktion aus Holz und Glas, die den Gästen maximale Aussicht gewährt. Während sich die deutschen Gäste über die Vor- und Nachteile der neuen Hüttenkonstruktion den Kopf zerbrechen, fließt bei mir in guter Südtiroler Gesellschaft das eine oder andere Bier den Gaumen herunter.

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Blick von der Edelrauthütte

2. Etappe

Nach einem kleinen Frühstuck stehe ich bereits um 6.30 Uhr vor der Hütte, denn das Tagesprogramm hat es auch heute wieder in sich. Die zweite Etappe wirkt mit guten 35 Kilometern aber deutlich weniger Höhenmetern als die erste Etappe etwas zahmer, doch ist mir den geplanten 7 Stunden für den Höhenweg und 2 Stunden für die anschließende Radfahrt in Summe nicht weniger lang.

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Beim Blick zurück ins Eisbruggtal glänzt der Bach wie eine Silberader

Zunächst folge ich dem – für die Pfunder Berge – breiten Wanderweg in Richtung Tal, bevor der Höhenweg über die Kuhscharte links abzweigt. Danach wird er tatsächlich laufbar und zieht sich als schmaler Trail malerisch entlang der Almwiesen. Es ist traumhaft im Morgenlicht durch die duftenden und mit Blumen geschmückten Wiesen zu laufen.

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Ein traumhafter Pfad führt über die Almwiesen oberhalb des Pfunderer Tals – die Bewirtschaftung dieser steilen Wiesen schaut nach harter Arbeit aus

An der etwas versifften Gampishütte geht es hinauf zur Hochsägerscharte, zunächst über eine Kuhweide und später über Blockwerk. Wer beim steilen Abstieg von der Scharte stolpert, fällt quasi fast direkt vor die Haustür der Tiefrastenhütte. Wie auf einem Gemälde steht steht neben dem Tiefrastensee die Hütte, die sich vieler Tagesgäste erfreut.

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Wollgras steht auf einer feuchten Fläche neben dem Goldsee

Auf breiten Hüttenzustieg geht es hinab bis kurz vor eine Holzhütte, da zweigt der schmale Höhenweg links ab und führt über zwei Scharten hinauf auf das Rückgrat der Pfunderer Berge.

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Am Horizont: das Rückgrat der Pfunderer Berge

Diese letzten Kilometer führen über zahlreiche kleinere Gipfel und zählen landschaftlich zu den Highlights der Strecke: Links die Zillertaler Alpen, rechts am Horizont die Dolomitengipfel. Vom letzten Gipfel des Sambock geht es dann gute 1000 Höhenmeter hinunter nach St. Georgen zum Ende des Pfunderer Höhenweges.

Zurück zum Start

Da der Pfunderer Höhenweg kein Rundweg ist, stellt sich unweigerlich die Frage: Wie komme ich zurück zum Start? Öffentliche Verkehrsmittel schienen mir hier keine optimale Lösung, weshalb ich vor Beginn der Tour ein Fahrrad am Ziel deponiert habe, mit dem ich nun zurück nach Frauenfeld radeln konnte. Alles in allem schließt sich dann der Kreis und eine sehr schöne und anspruchsvolle Wochenendtour geht zu Ende.

Tourdaten findet ihr auf Strava:

Leider sind die Distanzen nicht ganz korrekt, die Garmin Fenix 5S hat hier ein paar zusätzliche Datenpunkte eingefügt.

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Matterhorn Ultraks

Das Skyrace um das luxuriöse Schweizer Feriendorf Zermatt ist zweifellos etabliert. Thomas berichtet vom Kampf mit den besten der Welt am Fuße der Matterhorns.

Das Schweizer Feriendorf Zermatt präsentiert sich ganz ursprünglich. © Thomas Bohne

Der Besuch im Schweizer Feriendorf Zermatt beginnt mit dem bekanntesten Schweizer Verkehrsmittel – der Eisenbahn. Spätestens fünf Kilometer vor der Ortschaft Täsch bleibt das Auto stehen, denn Zermatt ist seit 1931 autofrei. Abfahrt ist im modernen Matterhorn Terminal, ein nüchterner Betonklotz, der für die Abfertigung von tausenden Touristen optimiert ist. Die rot-weißen Waggons sind mit großen Glasfenstern ausgestattet, die Gäste sind international und wie es sich für Schweizer Bahn gehört, ist sie pünktlich.

Luxusdorf made in Switzerland

Gleich nach der Ankunft in Zermatt fallen die Blicke auf Werbetafeln von Restaurants: Walliser Käsefondue für 25 Schweizer Franken oder ein Vier-Gänge-Menü für 72 Franken. Schnell wird klar: Zermatt liegt preislich auf hohem Niveau, touristisch rangiert es auf Weltniveau. Elektrokarren und Golfkarts surren mit Koffern und Gästen beladen durch die Gassen. “Abgasarm und nachhaltig”, so präsentiert sich Zermatt auf seiner Webseite. Liebevoll dekorierte Holzfassaden beherbergen die Designerlabels dieser Welt und Nobelhotels bieten bis zu 17500 Touristen ein Bett für die Nacht. Vergleichsweise gering erscheint dagegen die Einwohnerzahl von 6000.

© Judy Ng

Hoch oberhalb dieses bunten Treibens thronen die höchsten Viertausender der Schweiz mit ihren imposanten Eiswänden. Wie ein Denkmal thront zwischen ihnen das bekannteste Wahrzeichen des Landes – das Matterhorn. Bei der Erstbesteigung vor 150 Jahren herrschte eine völlig andere Atmosphäre in Zermatt. Das Alpendorf war nur über Saumpfade erreichbar und übte deutlich weniger Anziehungskraft auf Bergsteiger und Touristen aus. Damals galt das Matterhorn noch als unbezwingbar. Die steilen Flanken dieses Monolithen erzählen noch heute die dramatische Geschichte der Erstbesteigung. Beim Wettlauf auf den Gipfel kam es zur Katastrophe verloren vier Bergsteiger ihr Leben, obwohl sie vorher als erste Menschen auf dem höchsten Punkt dieses Berges standen.

Das Matterhorn —
Wahrzeichen der Schweiz

Matterhorn – Das Wahrzeichen

Mittlerweile gehört die Besteigung zum Standardprogramm der Bergführer in Zermatt und auch die Trail-Läufer haben die Gemeinde im Wallis für sich entdeckt. Das kommt nicht von ungefähr. In diesem Jahr versammelten sich nahezu zweitausend Athleten aus 51 Nationen an der Startlinie der Läufe des Matterhorn Ultraks. Darunter tummelte sich auch die internationale Berglauf-Elite, doch die ist sicher noch kein Garant für die Attraktivität des Rennens. Die Region Zermatt hat viel zu bieten für Trail-Läufer.

Die Strecke

Das Rennen führt vom Kirchplatz im Zentrum über einen steilen Pfad direkt hinauf zum Gornergrat auf 3135 Meter. Beim Erreichen des Grates stockt vielen Läufern der Atem, denn unter ihnen erstreckt sich die zweitgrößte zusammenhängende Gletscherfläche der Alpen und vor ihnen posiert eindrucksvoll das Matterhorn im Morgenlicht. Spitzenläufer legen die 1500 Höhenmeter und 14 Kilometer in eineinhalb Stunden zurück. An der Verpflegungsstation gibt es warmes isotonisches Getränk, Wasser, Tee und zahlreiche Snacks. Auf meinen Kommentar: “Super, dass ihr warme Getränke habt”, entgegnet mir der Schweizer lässig: “Ja, sunsch isch des doch en Scheiß.” Die Zermatter haben gelernt, was für Trail-Läufer in dieser Höhe wichtig ist.

Megan Kimmel © Judy Ng

Beim ersten langen Abstieg folgen die Läufer nicht nur den Wegen, vielmehr laufen sie direkt von Markierung zu Markierung. Geschickt wie eine Herde Gämse bricht das Feld in Rekordtempo den Berg herunter. 51 Nationen verschwimmen, alle verfolgen ein Ziel. Wenn politische Debatten doch nur auch so einfach wären.

Marc Lauenstein © Judy Ng

Gegen Mittag ändert sich das Wetter. Ein Wolkenteppich legt sich über den Alpenhauptkamm und es fällt Regen. Auf über zweitausend Metern sinken die Temperaturen rasch und es wird windig und kalt. Einige werfen Regenjacken um, andere ziehen sich Handschuhe über, wieder andere laufen einfach weiter. Pflichtausrüstung gibt es keine. Die Zermatter Organisatoren wissen: Auf zweitausend Metern findet man die Freiheit nur mit einem gesunden Maß an Selbstverantwortung. So richtiges Absturzgelände gibt es beim Ultraks ohnehin nicht.

Meine Muskeln verhärten spürbar in der Kälte, doch das Tempo der Spitze bleibt konstant hoch. Einige Walliser Schwarznasenschafe lässt das Geschehen völlig kalt und sie grasen gemütlich auf dem Trail, während die Athleten im Eiltempo über oder an ihnen vorbei rasen – typisch Schweizer Gelassenheit eben. Gelegentlich erlauben kleine Wolkenfenster den Blick auf die weiß-blauen Flanken des Breithorns oder einen der anderen 37 Viertausender der Umgebung. Wer hier den Begriff Skyrunning verwenden möchte, der liegt sicherlich richtig.

Schweizer Musik gehört zum Rahmenprogramm des Rennens – Alphornbläser. © Thomas Bohne

Wenige Kilometer vor dem Ziel fällt die Strecke nahezu senkrecht ab in den Ort Zermatt. Über rutschiges Kopfsteinpflaster schlittern die Läufer die letzten Meter durch die schmalen Gassen, eng umsäumt von japanischen Touristen, die gar nicht so richtig wissen, was um sie herum geschieht. Ein Gefühl von Chamonix kommt kurzzeitig auf. Dann ist das Ziel erreicht und die Zeit steht still. 46 Kilometer traumhafte Trails sind vorüber und Zermatt hat erneut bewiesen, dass es auch für Trail-Läufer zu den Top-Adressen zählt.

Die Elite am Start © Thomas Bohne

«16K» Herren
1. JODIDIO ALEX (SUI) 1:23 Stunden
2. BETRISEY YVAN (SUI) 1:27 Stunden
3. DRION MAXIMILIEN (BEL) 1:27 Stunden

«16K» Damen
1. VILLUMSEN KATRINE (DEN) 1:39 Stunden
2. PFAMMATTER PRISKA (SUI) 1:59 Stunden
3. MARIE PATUREL (FRA) 1:59 Stunden

«30K» Herren
1. RODRIGUEZ ETIENNE (AUS) 3:04 Stunden
2. CASCIO JAMIE (USA) 3:07 Stunden
3. GILLIÉRON CHRISTOPHE (SUI) 3:10 Stunden

«30K» Damen
1. CROFT RUTH (NZL) 3:22 Stunden
2. PONT COMBE SÉVERINE (SUI) 3:26 Stunden
3. SCHILD SIBYLLE (AUT) 3:33 Stunden

«46K» Herren
1. LAUENSTEIN MARC (SUI) 4:47 Stunden
2. MATHYS CHRISTIAN (SUI) 4:51 Stunden
3. TAMANG TIRTHA (NEP) 4:53 Stunden

«46K» Damen
1. KIMMEL MEGAN (USA) 5:23 Stunden
2. MERTOVA MICHAELA (CZE) 5:46 Stunden
3. CHIRON CÉLIA (FRA) 5:51 Stunden

Alle Ergebnisse

Wettersteinrunde

Diese Tour führt auf traumhaften Trails um den Wetterstein-Hauptkamm entlang der Lieblingsplätze von König Ludwig II.

Anreise
Mit dem Auto oder der Bahn nach Garmisch-Partenkirchen. Start der Tour ist am Olympiastadion vor der Skischanze in Partenkirchen.

Tourdaten
50 Kilometer mit 3600m Anstieg/Abstieg

Schwierigkeit
Sehr lange Tour auf traumhaften Trails, die enorme Ausdauer, Trittsicherheit und alpine Erfahrung erfordert. Dank der zahlreichen Abstiegswege und Hütten lässt sich die Tour problemlos verkürzen oder auf zwei Tage aufteilen.

Die Partnachklamm zählt zu den touristischen Highlights in Garmisch-Partenkirchen und wird täglich von zahlreichen Touristen bestaunt. © Thomas Bohne

Wegbeschreibung

Gleich zu Beginn führt euch der Weg durch die Partnachklamm mit dem kristallklaren und tosenden Bach, der täglich von Touristenscharen besucht wird. Über den Kälbersteig gelangt ihr zum Königshaus am Schachen. Der botanische Garten am Schachen ist einzigartig und lädt zu einem Besuch ein. Der Weg führt nun hinauf zum höchsten Punkt der Tour, der Meilerhütte. Der anschließende Abstieg über den Söllerpass auf den Südsteig ist der technisch schwierigste Teil und erfordert absolute Trittsicherheit.

Der Wetterstein-Südsteig zieht sich über zahlreiche Bergrücken entlang der Südseite des Wetterstein-Massivs. © Thomas Bohne

Anschließend lauf ihr auf traumhaften Trails über zahlreiche grüne Bergrücken entlang der massiven Südwände des Wetterstein. Über das Gatterl gelangt ihr in wenigen Minuten zur Knorrhütte. Der Abstieg zur Reintalangerhütte erfordert erneut volle Konzentration. Erst im Anschluss lauft ihr auf traumhaften Pfaden durch das Reintal. Weniger Minuten nach der Bockhütte gelangt ihr auf eine Forststraße, die euch zum Ausgangspunkt der Tour führt.

Die Tourdaten findet ihr auf Strava und bei GPSies.

86 Stunden Hochgenuss – Tor des Geants 2016

Tor des Geants ist ein außergewöhnliches Trail-Rennen am Fuße der höchsten Viertausender der Alpen: Mont Blanc, Monte Rosa, Gran Paradiso und dem Matterhorn. Patagonia Ambassador Thomas Bohne finishte die 339 Kilometer lange Reise mit einem zermürbenden Anstieg von 24 000 Höhenmetern in 86 Stunden, inklusive 3.5 Stunden Schlaf, und belegte damit den 6. Gesamtrang.

© Jeantet Stefano

Mein Abenteuer begann etwas holprig. Als Nicht-Favorit musste ich mich in der Startaufstellung ganz hinten einreihen und konnte mich nur langsam und unter den verständnislosen Blicken der anderen Läufer nach vorn durchzwängen. Etwa einhundert Athleten befanden sich noch vor mir, als die Musik allmählich lauter wurde; ein deutliches Zeichen dafür, dass der Start kurz bevorstand. Der Sprecher schrie in das Läufermeer, die Athleten streckten ihre Stöcke empor, klatschten und Wellen der Begeisterung erhoben sich. Plötzlich plätscherte es neben mir leise. Eine blonde Läuferin mit blauem Röckchen hatte mir vor Aufregung auf die Schuhe gepinkelt und lächelte mich jetzt ganz verlegen an. Das geht ja gut los, dachte ich in diesem Augenblick.

© Giorgio Augusto

© Giorgio Augusto

Die ersten Meter vergingen wie im Flug unter dem tosenden Applaus der Zuschauer, doch bereits hinter Courmayeur wurde der Weg schmaler und ich steckte im staubigen Läuferstau. Während die Spitze des Feldes ihr eigenes Tempo bestimmen konnte, blickte ich im zäh fließenden Läuferstrom sorgenvoll auf meine Uhr. Einzelne Läufer verließen den Weg, um unter enormer Anstrengung den Berghang auf direktem Weg zu erklimmen, nur um sich wenige Meter weiter vorn wieder in die lange Schlange einzureihen. Erst später wurde der Pfad breiter und ich konnte mein Tempo aufnehmen.

© Judy Ng

Noch vor dem ersten Pass gab mein rechter Laufstock unerwartet nach und zerbrach in zwei Hälften. Im Angesicht der baumelnden Carbonhälften kam ich ins Grübeln. Hatte ich doch vor dem Lauf meiner Partnerin Judy versichert, dass der Tor des Geants ohne Stöcke fast nicht laufbar sei, stand ich jetzt im Schlamassel. Sie sollte mich eigentlich nicht betreuen, sondern als freiwillige Helferin die Organisation im einhundert Kilometer entfernten Cogne unterstützen. Als ich im ersten Downhill gleich noch schwungvoll auf einem Kuhfladen wegrutschte und unsanft seitlich aufschlug, beschloss ich Unterstützung anzufordern. Ihre Reaktion kam nicht unvermittelt. “Wie bitte? Deine Stöcke sind am ersten Anstieg gebrochen? Ich bin schon in Cogne”, antwortete sie überrascht. Später erhielt ich unbemerkt eine SMS mit dem Inhalt: “Schaffst du es ohne Stöcke bis Cogne?” Darauf folgte: “Deine Stöcke warten in Cogne auf dich.”

Im ersten Talort La Thuile herrschten tropische Temperaturen und die Verpflegungsstation war proppenvoll. Die erhoffte Einsamkeit des Rennens war hier nicht im Entferntesten zu spüren. Wasser auffüllen, ein paar Scheiben Schinken und Kekse fassen, dann schnurstracks in Richtung Rifugio Deffeyes. Ab und zu ließen mich Läufer vorbei, doch gelegentlich war ihr Ehrgeiz so groß, dass geschickte Überholmanöver gefragt waren. Kurz vor Deffeyes erblickte ich erstmals bekannte Gesichter aus der Vorstellung der Top-Athleten. Scheinbar haben die nen schlechten Tag, dachte ich zunächst.

Ein Paradies liegt dir zu Füßen, doch diese schmerzen bereits erheblich

Hochalpiner Zauber

Oberhalb der Baumgrenze wurde die Landschaft sehr karg. Wir balancierten über Felsblöcke und liefen über goldgelbe Hochalmwiesen. Der Herbst war hier bereits ganz nah. Große Granitblöcke, steile Schotterrampen und blaue Seile an exponierten Stellen zählten zu den Schmankerln der nächsten Kilometer. Hier oben fühlte ich mich wohl, hier war ich zu Hause.

Auf dem Abstieg vom 2829 Meter hohen Col Crosatie steht das Denkmal des chinesischen Läufers Yang Yuan, der hier 2013 als Teilnehmer des Tor des Geants ums Leben kam. Der Stein enthält die Inschrift eines Gedichtes, das er selbst verfasst hat. Im Vorbeilaufen bemerkte ich, wie der Läufer vor mir das Denkmal als kleine Geste der Anteilnahme berührte. Ich tat es ihm gleich.

Die erste große Basisstation nach fünfzig Kilometern und 4747 Höhenmetern war der Ort Valgrisenche. In einem dunkel vertäfelten Gastraum standen feierlich eingedeckte Tische mit Wasser und Colaflaschen bestückt. Die führende Frau, Silvia Trigueros Garrote, saß als einzige im Raum an einem der Tische. Sie war über ihren Teller gebeugt und aß wortlos. Ich nahm an einem der anderen Tische Platz und gab meine Bestellung auf. Nach einer Portion Pasta verließ ich den Verpflegungspunkt und befand mich auf Silvias Fersen.

Vier Jahreszeiten innerhalb von 24 Stunden sind keine Überraschung im hochalpinen Klima © Jeantet Stefano

Trilogie des Leidens

Bei Einbruch der Dunkelheit setzte leichter Regen ein und wir stiegen zusammen zum Chalet de l’Epee auf. Die Kameras klickten beim Betreten der Hütte, denn Silvia war der Star des Abends. Jede ihrer Bewegungen wurde dokumentiert. Wir tranken ein paar Becher Cola und knabberten ein paar Nüsse. Ab einer Höhe von 2500 Metern nahm der Sauerstoffgehalt merklich ab und mein Motor verlor an Leistung. Bei jedem Meter pochte mir das Herz bis in den Hals und die Lichtkegel meiner Verfolger schienen immer näher zu kommen. Am nächsten Gipfel, dem Col Fenêtre auf 2854 Metern, trennten sich unsere Wege. Auch wenn mir die folgenden Anstiege auf den Col Entrelor (3002 Meter) und Col Loson (3299 Meter) zu schaffen machten, konnte ich in den nächtlichen Abstiegen regelmäßig Athleten überholen und Plätze gutmachen. Besonders dankbar war ich hier meiner Lupine Piko, die bei 20 Stunden Akkulaufzeit solide 150 Lumen Ausleuchtung lieferte. Gute Sicht ist besonders bei den anspruchsvollen Abstiegen ein entscheidender Vorteil.

Rifugio Bertone © Jeantet Stefano

Wunden lecken in Cogne

Nach 106 Kilometern erreichte ich im Morgengrauen die Basisstation Cogne. Mit einem breiten Lächeln im Gesicht stand Judy vor mit und begrüßte mich voller Freude. Die rettenden Stöcke standen bereit. Nach kurzer Versorgung einiger Scheuerstellen dachte ich an die Worte meines Lauffreundes Axel Zapletal und entschloss mich, dreißig Minuten zu schlafen. Die kurze Pause war zwingend notwendig, auch wenn mich in dieser Zeit sieben Läufer überholten.

Gemeinsam mit dem Lokalheld Marco auf altem römischen Pflaster. © Luca Perrazone

Aufholjagd mit Hupkonzert

Bereits kurz hinter Cogne konnte ich die ersten Läufer, die mich während der Ruhepause überholt hatten, einsammeln. Darunter war auch Marco, ein Läufer aus der Aosta-Region und frenetisch gefeierter Lokalheld. Marco blieb mir den ganzen Tag auf den Fersen und wir lieferten uns ein Verfolgungsrennen über 50 Kilometer bis zur nächsten Basisstation Donnas. Mit dabei war seine Fangemeinde, die ihn in jeder Verpflegungsstation euphorisch empfing und uns auf Teerpassagen im Autokorso mit Hupkonzert verfolgte. Offensichtlich kannten sie jede Stelle, die mit dem Auto erreichbar war, denn die Hupen waren schon von weitem zu hören.

Die letzten Meter nach Donnas setzten mir zu, denn Temperatur und Luftfeuchte ähnelten dem Innenraum einer Sauna nach dem Aufguss. In der Basisstation angekommen, streckte mir Judy gleich ein Handtuch entgegen und ich tapste zur Abkühlung unter die Dusche. Im Duschraum stutzte ich verblüfft, denn vor mir standen Marco mit seinem größten Fan – seiner Frau. Wahnsinn, fehlte nur noch die Vuvuzela. Vor der Weiterreise stand noch eine Massage auf meinem Programm, denn scheinbar hatten meine Knie die ersten einhundert Kilometer ohne Stöcke weniger gut verkraftet als angenommen und schwollen an. Beim Ablegen des Oberkörpers fiel dieser direkt in einen fiebrigen Ruhezustand und die Erschöpfung war erstmals deutlich spürbar.

© Jeantet Stefano

Rolling Stones Blockkonzert

Obwohl die Hälfte der Strecke noch nicht absolviert war, befanden wir uns nach Donnas auf der Alta Via 1 und damit auf dem Rückweg nach Courmayeur – eine entscheidende Motivationsstütze. Die ersten Meter hinauf bis nach Sassa waren beschwerlich und Marco konnte sich leicht absetzten, ja sogar eine zehnminütige Schlafpause in Sassa einlegen, bevor ich zu ihm aufschloss. Erst mit steigender Höhe kam mein Motor wieder in Fahrt. Kurz vor dem Rifugio Coda Metern überschritt ich in völliger Dunkelheit einen Bergrücken und blickte von über 2000 Metern in die festlich beleuchtete Po-Ebene Italiens. Ein warmer Windhauch blies mir ins Gesicht und ich fühlte mich wieder wohl. Als ich die quietschende Tür vom Rifugio Coda öffnete, klatschte das Team der Hütte zur Begrüßung, darunter die derzeit Erstplatzierte Lisa Borzani. “Hello Thomas, welcome”, sagte Lisa. Die Stimmung im wohlig warmen Gastraum war ausgelassen und nach einer Schale Spaghetti entschied ich mich zu einer zweistündigen Schlafpause im Rifugio. Zum Glück wurde die Begrüßung der nachfolgenden Athleten mit Kuhglocken für diesen Zeitraum ausgesetzt.

© Jeantet Stefano

Während meines Schlafes überholten mich fünf Athleten, zu denen ich jedoch wieder aufschließen sollte. Das Gelände war technisch anspruchsvoll. Wir balancierten durch steiles Blockgelände mit Pfützen und Bächen. Jeder Fehltritt konnte mit dem sofortigen Aus bestraft werden. Im Schatten des nächsten Berges konnte ich den schwachen Schein eine Stirnlampe ausmachen, die sich allerdings sehr langsam zu bewegen schien. Es war Silvia, die mittlerweile Zweitplatzierte. Sie stolperte wie ein Zombie von Stein zu Stein. Als ich bei ihr war, fragte ich sie: “Did you sleep?” Silvia verneinte. Sie hatte Magenprobleme, doch ihr Ehrgeiz schien grenzenlos. “You should sleep Silvia, otherwise your race will be over soon”, sagte ich fürsorglich. Nachdem ich im Rifugio Balma bereits die zweite und bis dahin köstlichste Portion Pasta mit Tomatensoße verschlungen hatte, stand Silvia in der Tür und fragte nach einem Schlafplatz. Ich war beruhigt, warf schnell noch ein, zwei Scheiben hauchdünnen und saftigen Schinken ein und begab mich hinaus in den Mantel der Nacht auf Verfolgungsjagd.

Der anspruchsvolle Steig über Col della Vecchia trieb mir ein breites Schmunzeln ins Gesicht. Es war schier unvorstellbar, dass diese Passagen auch nur tagsüber in einem Rennen in Deutschland auftauchen könnten. Jeder Fehltritt wäre bitter bestraft worden und auch nach fast zwei Tagen Rennen war volle Konzentration gefragt. Präzise platzierte ich die Stockspitzen auf den breiten Blöcken, um mich an den meterhohen Stufen abzustützen. Behutsam wie eine Katze schlich ich übr wackelnde Blöcke und auf abschüssigen Steigen unter Felswänden entlang.

© Jeantet Stefano

Der Abstieg nach Niel war mit sechs Kilometern angegeben und sollte zu den längsten sechs Kilometern meines Lebens zählen. Auf einen langen technischen Abstieg folgte eine Metallleiter, zahlreiche Anstiege und ein endloses Auf und Ab auf Waldwegen.

© Jeantet Stefano

Bier, Wein, Hüttenkäse

In Niel traf ich auf den Ultra-Veteran Philippe Verdier, der sich auf Position Neun befand. Mit Top-Ten Platzierungen beim UTMB, Badwater und Platz 15 beim Marathon des Sables zählt er zu den Urgesteinen der Szene. Ich entschied mich, die nächsten Kilometer mit ihm zu laufen, denn zur Abwechslung sprach er Englisch und war ein angenehmer Gesprächspartner. Kurz vor Gressoney verweilten wir an einer Käsealpe. Gleich beim ersten Stück Käse zündete ein Geschmacksfeuerwerk in meinem Gaumen, was sichtlich zur Freude des Almbauern beitrug. Auf Wein und Bier verzichteten wir hier, doch ein beherzter Griff auf das Käsetablett ließ sich nicht vermeiden.

An der Basisstation in Gressoney mussten meine Füße versorgt werden und ich ließ erneut meine Knie behandeln, die mir immer mehr Sorgen bereiteten. Trotz der längeren Pause hatte ich an der nächsten Station Alpenzu wieder zu Philippe aufgeschlossen und wir marschierten gemeinsam hinauf zum Col Pinter auf 2776 Meter. Kurz vor dem Pass konnten wir zwei Verfolger ausmachen. Einer davon war mir bekannt, den anderen konnten wir überhaupt nicht einordnen. Oben auf den Pass haten beide zu uns aufgeschlossen und ich fragte: “Where are you from?” “I am from Germany”, antwortete Jens Lukas aus Deutschland. Die deutsche Trail-Legende war mir bis dahin unbekannt, sollte aber auf den nächsten Kilometern zu einem festen Begleiter werden. Zu viert trabten wir den Abstieg hinunter und stolperten kurz vor Champoluc in eine Bauernstube in Cuneaz – Refuge Vieux Crest. Während vor der Hütte ein Wolkenbruch niederging, standen wir vor dem köstlichsten Buffet der gesamten Tour. Ein Paradies aus Joghurt mit Früchten und Müsli breitete sich vor uns aus. Tomaten, Käse, Kuchen waren aufgetischt. Die mütterliche Wirtin fragte freundlich: “Kann ich euch sonst noch etwas bringen?” Philippe brachte uns mit seiner Antwort: “Ja, ein Beef-Steak”, etwas in Verlegenheit und handelte dann doch noch Spiegeleier für uns raus. Nach einem Espresso ging die Reise nach Champoluc weiter, wo wir mit vollen Bäuchen lediglich Wasser auffüllten und sich die Gruppe trennte.

Kurz vor Sonnenuntergang erreichte ich das Rifugio Grand Tourmalin und entschied, den Abstieg nach Valtournenche schnellstmöglich im letzten Tageslicht zu versuchen. Kurz nach mir erreichte auch Jens Lukas Valtournenche und wir befanden uns damit auf Rang neun und zehn. Für uns beide war das eine Spitzen-Platzierung, die es zu halten galt. Deshalb sagte ich zu Jens: “Ich will die nächsten 50 Kilometer ordentlich Druck machen, dann können wir morgen Nacht in Courmayeur ins Ziel laufen. Kommst du mit?” “Ich bin dabei”, antwortete Jens. Nach einem Glas Bier trabten wir gemeinsam mit etwas Abstand vor unseren Verfolgern in die Nacht.

© Jeantet Stefano

Der deutsche D-Zug

Schnell hatten wir Rifugio Barmasse am Fuße des großen Staudammes erreicht und trafen kurze Zeit später am Versorgungspunkt Vareton ein. In einer Betonnische wurden wir von etwas groben aber umso herzlicheren Landwirten mit warmen Getränken versorgt, bevor wir erneut in die Nacht galoppierten. In der mittlerweile dritten nahezu schlaflosen Nacht ließ die Konzentration bei uns beiden etwas nach. Jens bemerkte leichte Störungen seines Gleichgewichtssinnes. Auf einer kurzen Querfeldein-Passage passierte es dann. Jens stolperte und schlug mit dem Schädel auf einem Stein auf. Eine Platzwunde über dem rechten Auge war das Resultat; zum Glück kein Grund das Rennen abzubrechen.

Die nächsten Kilometer kosteten Kraft, denn wir befanden uns dauerhaft über 2500 Metern und hatten unzählige Anstiege zu bewältigen. Einmal leuchteten hunderte helle Punkte vor mir auf und ich senkte ungläubig die Stirnlampe, um sie dann erneut zu heben. Die Punkte waren noch da und wir schlichen leise durch eine schlafende Kuhherde, um die Tiere nicht zu erschrecken. Nachts herrscht eine ganz besondere Stimmung im Hochgebirge. Schwarze Konturen zeichnen den Horizont, kleine Spinnen krabbeln am Boden und es herrscht eine friedliche Stille, die nur vom Wind und fließendem Wasser unterbrochen wird.

© Jeantet Stefano

Die Zeitangabe von den Helfern aus Varaton bis zum nächsten Verpflegungspunkt hatten wir längst überschritten und wir liefen verzweifelt weiter, ohne auch nur ein kleines Licht am Horizont zu sehen. Ich fragte mich, wie die nur auf diese Zeiten kommen und lag Jens damit in den Ohren. Vor uns lag ein extrem steiler und technischer Abstieg. Im Mondlicht konnten wir erkennen, wie ein Fluss etwa eintausend Meter unter uns schimmerte. Scharfe, kopfgroße Steine, hohe Absätze und rutschige Rampen erschwerten jeden Meter bis ins Tal. Endlich im Tal angekommen, waren wir völlig entkräftet und konnten immer noch keinen Schimmer von Rifugio Magià ausmachen.

© Jeantet Stefano

Nach einigen Minuten tauchte sie dann auf, diese rettende Insel des Lichts im Dunkel der Felswände. Die Versorgungsstation erschien unwirklich, denn Rifugio Magià ist neu errichtetes Hotel mit edler Ausstattung. Schlapp sanken unsere verschwitzen und entkräfteten Körper auf einen Holztisch. In diesem Augenblick gesellte sich Miso zu uns, er ist der Trainer von Lisa. “Jungs”, sagte er, “etwa 90 Prozent der Läufer machen hier Pause und eure Verfolger liegen 1:45 Stunden hinter euch.” Alles klar, dachte ich. “Lass uns 45 Minuten schlafen und danach nehmen wir den nächsten Anstieg in Angriff”, schlug ich Jens vor. Er willigte ein und Miso überredete die Wirtin mit seinem italienischen Charme, uns eine Portion Nudeln zu kochen. Wir legten uns hin, doch vor Schmerzen konnte ich kaum schlafen und wachte immer wieder auf.

© Jeantet Stefano

Mit warmen Nudeln im Bauch starteten wir die nächste Eintausend-Meter-Rampe hinauf zum Rifugio Grand Tourmalin. Wie ein deutscher D-Zug schnieften wir im Mondlicht die Anstiege hinauf und wechselten regelmäßig die Führung. Jens und ich machten Tempo und arbeiteten hart. Im Biwak Clermont tranken wir süßen Tee, dann Suppe und verweilten sprachlos im Sonnenaufgang auf knapp 2800 Metern. Im Biwak sagte uns ein Bergführer: “Oyace könnt ihr in einer Stunde erreichen.” Diese ambitionierte Zeitvorgabe für den zehn Kilometer wurde durch seine Frau bereits auf anderthalb Stunden relativiert, doch auch das war ambitioniert. Ich fluchte zu Jens: “Weiß der nicht, dass wir über 200 Kilometer in den Beinen haben? Eine Stunde. Was soll der Scheiß?”. Die Zeitvorgabe bis Oyace hielten wir nicht, doch vor Oyace sammelten wir den verletzten Marco auf. Im Verpflegungspunkt beendete Marco unterspektakulärem Applaus und dem Schluchzen seiner Fans sein Rennen und Miso entgegnete uns völlig perplex: “Was ist denn mit euch los? Ihr lauft derzeit die schnellsten Zwischenzeiten bis auf den Führenden.”

Noch ein Berg stand zwischen uns und der letzten Basisstation in Ollomont. Wir ließen es ruhig angehen, passierten unterwegs noch Lisa, die führende Frau. Auf einer Schotterstraße kurz vor Ollomont setzte sich Jens von mir ab, denn ich konnte vor Blasen kaum noch auftreten. Er war in deutlich besserer Verfassung. Beim Erreichen der Station standen mir die Tränen in den Augen. “Wir haben die ganze Nacht hart geackert”, wisperte ich Judy zu.

Zielgerade über die Zugspitze

Jens und Lisa verließen die Station vor mir, denn ich musste meine Blasen versorgen lassen und meine wurden Knie erneut leicht massiert. Erst danach konnten meine letzten 50 Kilometer beginnen. Lisa holte ich bereits am Rifugio Champillon ein und trabte dann gemächlich in Richtung Saint-Rhèmy en-Bosses. Im Ort traf ich auf Miso, der mir sagte, dass das Wetter bald umschlagen sollte. Judy teilte mir per Telefon mit, dass meine Verfolger weit hinter mir seien. So konnte ich mein Tempo weiter flach halten. Mit diesem Platz hatte ich mehr erreicht, als ich mir vor dem Rennen ausgemalt hatte. Im Rifugio Frassati stand ein warmer Ofen im Raum und ich wurde von Niccolo freundlich eingeladen, das Rifugio nach dem Lauf erneut zu besuchen. Gern, dachte ich. Wie wäre es mit Übermorgen?

© Jeantet Stefano

Kurz hinter dem Rifugio Frassati nahm der Wind an Fahrt auf und die Temperaturen fielen drastisch. Mütze, Jacke und lange Hose waren jetzt angesagt. Um 21 Uhr stand ich bei pfeifendem Wind, Eiseskälte und Nebel am Col Malatra – einem Pass, der immerhin auf Zugspitz-Niveau rangiert. Ich liebe diese rauen Momente, denn sie zeigen, wieviel Kraft und Energie in der Berglandschaft stecken und wie klein wir Menschen doch sind.

© Judy Ng

Kurz hinter dem Pass war es nahezu windstill, nur ein Landregen machte den Abstieg zur fröhlichen Schlitterpartie. Ich hatte Spaß am Laufen. Voller Optimismus führte uns die Rennleitung in dieser Austragung querfeldein zum nächsten Pass, bis sie uns nach einem langen Downhill auf die breite Wanderautobahn des Tour du Mont Blanc führte. Schier endlos lang erschien mir dieser Weg in der Nacht zum Rifugio Bertone. “You have a very good split”, sagte einer der Helfer in gehobenem Alter. “I have finished TOR four times”, fügte er hinzu. “You should go now.”

Um 24.03 Uhr lief ich in Courmayeur über die Ziellinie, begleitet von Judy und unzähligen Erinnerungen. Dieses Rennen hat mir viel abverlangt und all die Erfahrung erfordert, die ich in den vergangenen 15 Jahren als Trail-Läufer erworben habe. Tor des Geants hat mir allerdings auch viel gegeben. Der Lauf durch diese Landschaft war ein Hochgenuss und ich wurde immer wieder daran erinnert, wie wertvoll und zerbrechlich die Welt ist, in der wir uns bewegen.

© Judy Ng

Zane Grey 50 – The United Trails of America

Aside

Wer kennt schon den härtesten 50-Meilen-Lauf der USA? Als ich vor drei Jahren durch die menschenleere Prärie Arizonas fuhr, hatte ich keinen Schimmer vom Zane Grey 50 Mile Endurance Run. Auf meiner Reiseroute vom Grand Canyon nach Phoenix bog ich irgendwann einfach vom Highway ab und fuhr in Richtung Nirgendwo. Die Wüstenlandschaft verwandelte sich in goldgelbe Grasflächen und später in endlose Kiefernwälder. Vereinzelt standen Bauernhöfe in der Landschaft. Davor parkten oft bullige Pick-Up-Trucks und ein paar Pferde. Dieses Bild entsprach exakt meiner Vorstellung vom Wilden Westen.

Pine © Thomas Bohne

Irgendwann rollte mein Wagen durch die Siedlung Pine – der Ortsname beschreibt die Lage sehr anschaulich. Pine ist umgeben von einem Meer aus Kiefern mit einem Hauch Wildnis: Bären, Elche, Pumas und Klapperschlangen sind hier zu Hause. Pine ist außerdem der Ausgangsort des Zane Grey Highline-Trail. Im Zentrum des Ortes steht der Sidewinder Saloon. Statt Pferden parkten davor riesige Pickup-Trucks und auf Hochglanz polierte Harley-Davidson-Motorräder. Im Saloon herrschte reghaftes Treiben. Die kernigen Bardamen hinter dem breiten Holztresen bedienten ihre Cowboy-Kundschaft in Arbeitsklamotten und mit großen Hüten. “Was willst du, Kleiner?”, rief mir eine der Ladys entgegen? “Ein Sidewinder-Burger mit Coke”, antwortete ich möglichst selbstbewusst.Bloß nicht auffallen, sonst gibt’s hier gleich ne Schießerei, dachte ich. Ich konnte nicht wissen, dass mir gleich einer der saftigsten Burger der Staaten serviert würde. Damals war ich am Vortag des Rennens in Pine, konnte aber keine Läufer oder Anzeichen einer Laufveranstaltung erkennen. Fasziniert vom wilden Charme dieser Gegend, kehrte ich nach Deutschland zurück. Zu Hause angekommen, erkannte ich, welchem Juwel ich da begegnet war.

© Thomas Bohne

Die Renndaten:

  • 50 Meilen (etwa 80 Kilometer)
  • 10 000 feet (3048 Meter) Anstieg
  • 9 000 feet (2743 Meter) Abstieg
  • Streckenrekord: 07:51:07 Dave Mackey

Der schwierigste, härteste und schönste 50-Meilen-Lauf

Der Zane Grey Highline Trail ist kein Rundkurs; er führt entlang der Mogollon-Kante, der Südwestkante des Colorado-Plateaus, durch die endlosen Kiefernwäler Arizonas. Zane Grey war ein amerikanischer Schriftsteller und Frauenheld, der zwischen 1923 und 1930 regelmäßig Zeit in seiner Blockhütte in diesen Wäldern verbrachte. Die Laufstrecke ist technisch schwierig und das Wetter unterliegt extremen Schwankungen. “Läufer müssen sich auf unbeständige Bedingungen einstellen: Hitze, Kälte, Regen, Hagel, Blitze und Flussdurchquerungen”, schreibt der Veranstalter.

© Thomas Bohne

Von den 17 Athleten, die 1990 bei der Premiere am Start standen, erreichten nur sechs das Ziel. Passend dazu lautet der erste Punkt im Reglement: “No whining!” Sympathisch, nicht? Vereinzelt mischen sich auch Spitzenläufer in das limitierte Teilnehmerfeld von etwa einhundert Läufern: Scott Jurek, Karl Meltzer, Nikki Kimball oder Tony Krupicka sind alle Finisher des Zane Grey 50. Krupicka schreibt auf seinem Blog zum Rennverlauf: “Ich habe mindestens zwei Dutzend Elche gesehen (sehr cool) und die erste von zwei Klapperschlangen, über die ich spontan springen musste, da sie auf dem Trail lag (nicht so cool).”

© Thomas Bohne

Nach mehreren Anläufen konnte ich 2016 endlich einen Startplatz ergattern. Beim Check-In kam mir einer der Athleten bekannt vor und ein Blick auf die Teilnehmerliste bestätigte meine dunkle Vermutung: Hal Koerner war am Start, Sieger von Hardrock 100 und Western States. Kurzerhand überwarf ich den Plan einer Fotoreportage zum Ärger des Chefs dieses Magazins und verbannte die Spiegelreflexkamera zur Gewichtsoptimierung aus dem Rucksack.

Der Rennstart am frühen morgen ließ ein Hotelzimmer überflüssig erscheinen und ich entschied mich für die Variante Zelt hinter der Startlinie. Statt Carbo-Loading zog ich ein Burger-Loading im Sidewinder-Saloon vor, was sich schlussendlich positiv auf den Rennverlauf auswirken sollte.

Das Rennen

Um fünf Uhr morgens stand ich mit überraschend leichtem Rucksack und 132 Amis am Start. Renndirektor Joe Galope entschuldigte sich für die Renovierungsarbeiten am Trail: “Früher mussten Läufer über mehr als einhundert Baumstämme klettern, für euch sind es vielleicht zehn.” Mit dem schlechten Gewissen eines Warmduschers trabte ich im Schein meiner Stirnlampe los. Unmittelbar war volle Konzentration gefragt, denn ein schmaler Singletrail führte uns durch feinsten Steinsalat. Ich hing an der Gruppe mit Hal und beobachtete neugierig, wie sich ein Läufer hektisch vor mich drängelte und dabei völlig unkontrolliert über die Steine stolperte. Völlig irre diese Taktik, dachte ich genervt und überholte ihn bei der nächstbesten Gelegenheit. Danach sah ich ihn nie wieder.

© Thomas Bohne

In zwei Stunden hatten wir bereits zwanzig Kilometer hinter uns gebracht und erreichten den zweiten Verpflegungspunkt. Auf einem Klapptisch stand Wasser, Iso, Chips, Kekse, Kartoffeln und Obst. Mit dem ersten Schluck aus der frisch gefüllten Trinkflasche wurde ich unangenehm daran erinnert, dass die Amerikaner nicht nur ihre Hühner chloren. Der Geschmack von Leitungswasser ist gewöhnungsbedürftig und der von Iso so scheußlich, dass ich Angst hatte, die Pflanzen sterben, wenn ich es wegschütte.

Lange Zeit lief ich allein, passierte ab und zu einen Läufer und war irgendwann auf Position zwei. Der schmale Pfad war oft kaum erkennbar im Gras versteckt und zwischendurch immer wieder mit technischen Leckerbissen gespickt. Erkennbar war, dass einige Abschnitte durch Pflegearbeiten deutlich entschärft wurden, was die Rekordzeiten aus den vergangenen Jahren noch respektvoller erscheinen ließ. Die Arbeiten haben den Trail allerdings auch verlängert, was sich erst im Rennverlauf herausstellte.

© Thomas Bohne

So wurden die letzten Kilometer zur Belastungsprobe. Scheinbar an jedem Checkpoint erhöhte sich die Renndistanz und das Ziel rückte immer weiter in die Ferne. Als ich am letzten Checkpoint genüsslich ein Wassereis lutschte in der Hoffnung auf einen Brain-Freeze, raste die erste Frau an mir vorbei und verwies mich auf Platz drei. Immerhin konnte ich diesen bis ins Ziel retten.

Den Zieleinflauf auf dem Parkplatz bei Christopher Creek würden wir Europäer als unspektakulär beschreiben, es war schließlich kaum einer da. Zuschauer? Fehlanzeige! Da stand ein Campingtisch mit belegten Broten, Kuchen und Softdrinks und ein paar Klappstühle. Genüsslich versank ich in einem Stuhl, öffnete einen zuckersüßen Softdrink und begrüßte mit den anderen die nächsten Finisher. Diese familiäre Atmosphäre ist sicher nicht jedermanns Sache. Es gibt keinen tosenden Applaus, keine staunenden Gesichter, keine Menge, nur Gleichgesinnte. Bevor ich überhaupt an eine Post-Race-Dusche dachte, saß ich im verschwitzten Rennoutfit im Sidewinder-Saloon und erwiderte genüsslich: “Einen Sidewinder-Burger und ein Bier bitte.”

Überschreitung des Estergebirges

Es gibt diese Liste an Strecken, die ich seit Jahren mit mir herumtrage. Direkt vor meiner Haustür liegt eine fantastische Landschaft mit traumhaften Trails. Einige ganz besondere ziehen sich wie ein roter Faden durch das Gebirge. Ausreichend Zeit, die entsprechende Fitness und die nötige Bergerfahrung sind hilfreich, um diese kleinen Abenteuer sicher zu überstehen. Bisher fehlte mir leider immer eine der drei Voraussetzungen. Gäbe es das Buch 1000 Trails before you die, dann müsste ein Eintrag wie folgt aussehen:

Überschreitung des Estergebirges

Entlang der Straße von Eschenlohe in Richtung Garmisch-Partenkirchen thront das Estergebirge als mächtige Wand über dem Loisachtal. Kaum vorstellbar, dass sich durch diese steilen Flanken zahlreiche Steige winden und dass sich dahinter eine sattgrüne Hochebene befindet, die Landwirte als Weide für ihre Tiere nutzen.

Die Überschreitung des Estergebirges führt über die Hauptgipfel entlang dieses Gebirgskammes von Eschenlohe nach Partenkirchen. Die Tour bietet bezaubernde Tiefblicke ins Loisachtal und Weitblicke ins Karwendel und Wetterstein. Als Versorgungsstützpunkt für bayerische Spezialitäten liegt die Weilheimer Hütte am Fuße des Krottenkopfes direkt auf der Strecke.

Der Pfad ist steinig, technisch anspruchsvoll und vor allem lang. Die oft als Zwei-Tages-Wanderung geplante Tour kann als langer Lauf in einem Tag absolviert werden. Auf Zeitangaben verzichte ich, da diese stark von der eigenen Leistung und den Wetterverhältnissen abhängen.

Tourdaten

Distanz: 28 Kilometer
Anstieg: 2700 Höhenmeter
Abstieg: 2600 Höhenmeter

Estergebirge-3

Wegbeschreibung

Von Eschenlohe über den Hahnbichelsteig auf die Hohe Kisten, dann über die Weilheimer Hütte und Krottenkopf über den Bischof auf den Fricken. Der Abstieg vom Fricken ist schmal und mündet in den letzten zähen Anstieg auf den Wank. Vom Wank führt ein gut ausgebauter Steig ins Tal nach Partenkirchen.

Strava-Aktivität mit GPX-Track

Meine Ausrüstung

  • Wasser und Elektrolyte,
  • Notfallpaket,
  • Verpflegung,
  • die nötige Bekleidung,
  • Telefon,
  • Karte und GPS

Desert Running: A Life-Changing Experience

It all started in the Atacama desert. I volunteered for the Atacama-Crossing, a 250-Kilometer stage race in northern Chile. This was my first event with RacingThePlanet and the beginning of many new friendship with a landscape does not always show it’s friendly face. At the time I was a volunteer for the Atacama Crossing. My job required me to sweep behind the last runners and to gather all course marking material. I was so curious about the Atacama Desert, that I asked to sweep the whole 250 Kilometers.

Atacama Crossing 2008


What does it take to finish a 4 Deserts Race?

  • You must run 250 Kilometers in 7 days in extremely harsh environment,
  • compete semi-self supported, meaning: you carry all your clothes, equipment and food,
  • stay in tented camps overnight after each stage,
  • you will be provided water at checkpoints and campsites,
  • and you are open-minded and incredibly determined.

Camp 2 at night © Judy Ng

While sweeping the course, I was out in the open desert quite a lot. The vast open, the silence and the purity of this landscape were new to me. Temperature changes from below freezing level at night to high thirties during the day challenged my body in an unknown way. On top of that, the last runners walked slowly and often exceeded daylight to complete the marathon-length stages. Competitors had to bring their own food and volunteers likewise. Since the long hours increased my energy consumption drastically, I soon ran out of food. Luckily, my team members at the checkpoints would sneak the hungry German some chocolate bars and sweets. Even nowadays Mary Gadams, the founder of the event series, regularly brings treats me some extra snacks at the events.

Visiting the oldest desert in the world

The Skeleton Coast © Thomas Bohne

Since Atacama in 2008, I worked on many races. Today I design full-grown race courses all over the world whenever there is a chance to leave my main job. As a course director, my main objectives for the race course include:

  • a beautiful course that fits the race format,
  • a safe course,
  • a course that is logistically manageable.

As you might notice, beauty is subjective. This requirement often leads to discussions, especially when people are surprised by sand and heat, having in mind that they signed up for a desert race.

When RacingThePlanet asked me to design a race course in Namibia, I instantly agreed because I was eager to meet the oldest desert of the earth – the Namib Desert.

© Thomas Bohne

Skeleton Coast Park – first impression

As I visited Skeleton Coast National Park for the first time, the skull and crossbones on the gate welcomed me late at night. The Ugab gate is on the way to Torra Bay – an isolated campsite that is not further than 230 kilometers from the nearest town. We had been driving for hours along the beach where all these shipwrecks and stories rest.

Namibia RTP II-0045

Torra Bay campsite is located right on the beach, but the water of the ocean was cold and the currents were too strong to go for a swim. This only applied for humans because the seals were obviously enjoying the currents. Only during the two months of the summer season in December and January can the local fisherman occupy this place and share it with jackals, brown hyenas and stinking ducks. Every morning and evening the ducks would sit on the water tower that stands in the middle of the campsite. Their holding pattern appeared to be right on top of my tent where they would dump their organic waste accidentally. Far out on the ocean I could sometimes spot whales passing by. I spent two weeks at Torra Bay to scout the route for the race, and I was not prepared for what I saw during the reconnaissance.

© Thomas Bohne

An Ocean of Sand full of Life

First, I explored the area by plane. The plane was very small and light. The pilot could even land on the gravel roads when necessary – in case he needed to relieve himself for example. Then I continued the exploration by car and some sections also by foot. Being alone in the middle of a such an environment reduces your life to the moment. It takes you back to the place where we originate from. Some things become insignificant while others prevail. Your senses sharpen. Over the years, I learnt how to analyze terrain, how to read tracks, and how to interpret animal behavior.

The Skeleton Coast © Thomas Bohne

This was particularly helpful in Namibia because the cold waters of the Benguela stream carry an ocean full of life to the relentless dunes of the Skeleton Coast. Even large animals such as desert-adapted elephants, extremely endangered rhinos, ostriches and a few lions call this place home. But this ecosystem is fragile. Wildlife gets disturbed even in the most remote corners and humans leave tracks that remain for centuries. You could still observe the tracks from the ox wagons of the settlers from more than one hundred years ago.

Black Rhino © Thomas Bohne

The moment I spotted my first rhino tracks, I nervously stared at them because I had no idea what animal could be around me. The only thing I knew: it was huge! I had never seen footprints that size. When we later spotted the large black rhino, I was impressed by the size and appearance of the animal in their natural habitat. There was no fence, no barrier, it was just free. It seems unbelievable how an animal that size can survive in a harsh dry and hot desert. It is just as hard to believe that people would hunt and kill the remaining few for a piece of horn in a world with Viagra and 3D-printers. Black desert rhinos are smaller and more aggressive than their white brothers. They roam mostly alone in areas as big as Belgium.

The most impressive geographic observation for me was a massive dune belt that started near Torra Bay and extends several hundred kilometers north up to the border of Angola. Its sheer size exceeded my imagination.

© Thomas Bohne

The Vanishing Kings

I worked closely with Dr. Philip Stander, a British scientist, who dedicated his life to a desert-adapted lion population in the Namib. For almost 20 years, he has been following the unique desert lion population. Stander told me that he once monitored a male lion that walked all the way up to the border of Angola. The lion covered distances of more than 70 Kilometers a day. He even swam across the crocodile-infested Kunene river to Angola. He then turned around and walked all the way back. When the lion came back, he was shot. This story illustrates how incredibly powerful and skillful these animals can be, but it also illustrates that there is a human-lion conflict. Stander’s work addresses both: he collects research data from the animals and implements a strategy that allows for humans and lions to coexist. Part of his story has been published in the movie The Vanishing Kings.

Desert Lion Conservation © Thomas Bohne

When I first met Dr. Stander, his car was parked in the cover of the dark in front of the first campsite of the race. His custom-built research vehicle screamed in large letters: Desert Lion Conservation and a hyena head was dangling from the bull bars in front. I wondered about what kind of images this would create in the minds of the runners if they would see that. Fortunately, we left camp before sunrise. During the race, Dr. Stander helped to monitor the wildlife. This was necessary to keep the competitors safe and also to minimize the human disturbances to the environment from the race. On top of all my goals mentioned above, it is key to first understand the ecosystem to minimize our environmental footprint.

© Thomas Bohne

The First Edition … ever

For the first ultra-running event in the Skeleton Coast National Park, we welcomed 214 competitors and about 100 staff. The runners came from about 40 nations and included world-class athletes as well as entrepreneurs, soldiers, and even blind people. Some of them started as teams such as the Team The Sound of Small Bells – a group of 14 runners from China, South Korea, and Japan. The runners united for the race and showed that they could succeed as a team despite their language barriers and political differences. “We also want to bring some communication among the three countries”, says team member Arlen Wu. They achieved even more: “We want to help the blind to fulfill their dreams of running the world”, says Wu, who successfully guided one of the four blind runners in their team.

© Thomas Bohne

The Course Team

When the runners lined up at the start line the first morning, my team and I — the Course Team — were long gone. We set off early to ensure that the stage was completely marked and all the checkpoints were in place. This task can quickly turn into a race against time when access roads are long and cars get stuck. During this edition, the drivers were always on time and extremely skilled. I heard rumors saying that this was because of their German ancestors.

© Thomas Bohne

During the race week, our days were long because the Course Team usually leaves camp before sunrise and often reaches the camp for the night after sunset. The team members Susan and Dominik also share the passion for running. Dominik is an experienced sub-three-hour Marathon runner and Susan a 4 Deserts veteran herself. That is mandatory for course marking because the work is mostly done by foot, even when the stages are accessible by car.

© Thomas Bohne

I have worked on races before where the Course Team members ran even further than the competitors. This time each of us covered between 120 and 170 Kilometers during the event, which is at the lower end. During the marking we are often alone out in the open without support nearby. This requires experience, self-responsibility, but also facilitates unforgettable moments.

© Thomas Bohne

I will never forget what happened while I was marking Stage 5. About one hour had passed since I had left the car while I marked a wide open plane by foot. The surface was covered with a thin layer of tiny, colorful stones – a natural mosaic. The ground was hard and I had difficulties putting the flags in. The evening light painted the landscape red and I had to check my GPS device constantly for direction because there was no reference just horizon. Large hyena tracks indicated wildlife activity and I started getting a bit worried because they would get active very soon. Then suddenly a jackal showed up right behind me. He must have been curious as he came closer. The Jackal decided to follow me and we ran side by side for more than a kilometer. Having this sort of company made me feel accepted and welcome although he was probably hoping for me to slip so that he could have a feast.

© Thomas Bohne


Each of us has his own moment that he carries home from such an event. Watching 196 runners finish their journey near Torra Bay, our job was done. For some runners this was an experience of a lifetime, for me it was a visit of a friend.

Thomas Bohne

Thomas Bohne