Atacama Crossing 2008

Samstag, 29. März 2008. 71 Sportler aus 21 verschiedenen Nationen treffen in San Pedro de Atacama, einem kleinen Wüstenort im Norden Chiles, ein. In den folgenden sechs Tagen werden sie in der trockensten Wüste der Erde eine Strecke von 250 km mit vollem Gepäck zu Fuß bewältigen. Racing the Planet lässt Sportler mit der 4-Deserts Serie in den vier lebensfeindlichsten Wüsten der Erde an ihre Grenzen stoßen. Als freiwilliger Helfer bekam ich die Gelegenheit, über 200 km mit den Läufern zurückzulegen und dabei, bei einem der härtesten Rennen der Welt, einzigartige Persönlichkeiten zu begleiten.

Ärzte, Juristen, Militärs, Unternehmer, abenteuerlustige Rentner, ein blinder Koreaner mit seinem Sohn und einige der bedeutendsten Ausdauerathleten unserer Zeit bilden einen bunten, quirligen Haufen.

Nervosität liegt in der Luft beim Check-in vor dem Start. Die Sorgfalt der Verpackung lebenswichtiger Utensilien variiert zwischen klinisch perfekt und abstrakt künstlerisch. Auch die Waage verzeichnet signifikante Unterschiede. Rucksäcke wiegen zwischen 5,2 und 16 Kilo und müssen während des gesamten Rennens getragen werden. Nur Schlafzelte und Wasser stehen in den Camps zur Verfügung.

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Basecamp – der staubige und heiße Wüstenwind reißt eine Schneise in das erste Nachtlager auf 3200m. Die Zelte zerfetzen wie dünnes Papier. Wenige Augenblicke später taucht die Abendsonne die Vulkane im Hintergrund in ein glühendes Rot und die Temperaturen fallen schon bald unter den Gefrierpunkt. Nur wenige Wettkämpfer machen in dieser ersten Nacht vor dem Start ein Auge zu.

Die Schnellsten benötigen für die ersten 41,4 km ca. 4,5 Stunden. Als „Sweeper“ begleite ich das Ende des Feldes und bin nach über 10 Stunden in sengender Hitze, mit knappen 40 Grad im Schatten, ebenfalls im Camp. Das Zelt der Ärzte ist wie jeden Abend noch lange hell und von schmerzverzerrten Gesichtern geprägt.

Ganz nach italienischer Art sitzt Nicola Benetti neben dem Feuer und peppt seine Fertigsuppe mit Olivenöl und Parmesan auf. Neugierige Blicke folgen und schon bald gehen die heißen Töpfe und Becher reihum. Auch meiner gefriergetrockneten Erbsensuppe aus Deutschland kommt hier ungeahnte Beliebtheit zuteil. Bereits in der zweiten Nacht wiegen sich die dunklen Schatten einzelner zwischen den Dünen, denn der eisige Wind ist harmlos im Vergleich zu schnarchenden Nachbarn im Zelt.

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Die Vielseitigkeit der Atacama ist atemberaubend. Flimmernde Schotterebenen, gleißend helle Salzebenen, hohe Sanddünen und zahllose enge Schluchten mit eisigen Strömen prägen den Kurs. Die vierte Etappe führt durch die weiten Salzebenen und stellt eine der größten Herausforderungen dar. Knietief krachen die Beine in die scharfen Salzkrusten und reißen so manche Laufschuhe samt Gamaschen in Stücke. Während ich die ersten Athleten kraftlos an den Checkpoints zurücklassen muss und das Rennen für sie damit beendet ist, zieht beim Lager erneut ein Sturm auf. Sechs Zelte werden vollständig zerstört und Athleten, die versuchen ihre Zelte am Boden zu halten, werden herumgeschleudert und von umher fliegenden Teilen zum Glück nur leicht verletzt.

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Die fünfte Etappe ist mit 73,6 km die längste des Rennens. Salzebenen, riesige Sanddünen und eine endlose Spur von Leuchtsticks, in eisiger Dunkelheit, prägen diese Etappe. Um 24 Uhr sind mehr als 2/3 der Teilnehmer noch auf der Strecke und als ich um 01:00 Uhr Checkpoint 20 erreiche, zeichnet sich ein düsteres Bild ab. Dunkle Schatten liegen in Schlafsäcke gehüllt, wie Raupen, am Boden. Eisiger Wind lässt die erschöpften Muskeln in kurzer Zeit auskühlen und jeder Kilometer wird zur Ewigkeit. Durch das Tal des Mondes, eine der Haupt-Touristenattraktionen der Region, und über einen ausgetrockneten Wasserfall, erreichen einige das Camp erst in den Morgenstunden.

Geschafft! Nach sechs Tagen sind 63 Teilnehmer im Ziel. Als einziger Deutscher belegt Joey Kelly einen hervorragenden vierten Platz und der Ultraausdauerathlet Dean Karnazes aus den USA gewinnt das Rennen.

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Wieder einmal haben Menschen ihre persönlichen Grenzen durchbrochen um einen neuen Weg zu beschreiten.

Thomas Bohne

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1 Comment

  1. hey deine blogs finde ich gut und auch alle deine Abenteure sind echt schön.
    machs weiter

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